Das Wichtigste
Heutiger Streiktag: Freitag, 29. Mai 2026 — neue regionale Protestaktion
Bisherige Bilanz (Stand 26. Mai): über 45.000 abgesagte Sprechstundentermine, rund 1.200 verschobene Operationen
Wirtschaftlicher Schaden: rund 4 Millionen Euro pro Streiktag
Streikende: Gewerkschaften SEMCA und CESM, Ärzte der Primärversorgung und Krankenhäuser
Streikbefolgung 25. Mai: offiziell 6,3 % laut SCS — Gewerkschaften nennen höhere Zahlen
Drohung: unbefristeter Streik ab September, falls keine Einigung
Quellen: Canarias7, Diario de Avisos, RTVC, Libertad Digital Canarias
Wer am Freitag auf den Kanaren krank wird und in die öffentliche Gesundheitsversorgung muss, sollte mit längeren Wartezeiten rechnen. Morgen, Freitag, 29. Mai, ist erneut regionaler Ärztestreik — die vierte Streikwoche im laufenden Jahr.
Die Zahlen, die der Servicio Canario de Salud (SCS) am Mittwoch bekanntgab, sind hart: Mehr als 45.000 Sprechstundentermine wurden abgesagt, rund 1.200 Operationen verschoben. Pro Streiktag kostet der Stillstand etwa 4 Millionen Euro — die kumulierten Kosten gehen in die Millionen, je nachdem wie weit der Konflikt eskaliert. Notaufnahmen bleiben offen, Mindestversorgung ist garantiert — aber alles, was «aufschiebbar» ist, wird aufgeschoben.
Inhalt
Was die Ärzte fordern
Es geht nicht ums Geld allein. Im Kern fordern die Mediziner ein eigenes Berufsstatut («Estatuto Marco»), das ihre besondere Ausbildungs- und Belastungssituation rechtlich anerkennt — getrennt vom allgemeinen Pflege- und Verwaltungspersonal des Gesundheitssystems. Diese Forderung läuft national, nicht nur auf den Kanaren.
Auf regionaler Ebene kommen drei konkrete Punkte hinzu. Erstens: die Einlösung von Vereinbarungen, die die Regierung der Kanaren bereits 2023 mit den Ärztegewerkschaften getroffen hat und die nach Aussage der Gewerkschaften «vollständig blockiert» sind. Zweitens: eine Aktualisierung der Bezahlung von Bereitschaftsdiensten («guardias»), die laut den Gewerkschaften die schlechtest bezahlten in Spanien sind. Drittens: eine Reorganisation der Arbeitsbelastung — kürzere Bereitschaftsdienste, weniger Patienten pro Tag, transparente Versetzungssysteme.
Die regionale Gesundheitsbehörde verweist auf das nationale Ministerium und sagt, das Berufsstatut sei keine kanarische Kompetenz. Die Gewerkschaften widersprechen: Die Kanaren hätten ausreichend autonome Spielräume, um zumindest die regionalen Forderungen zu erfüllen.
Was die Regierung jetzt anbietet
Heute, einen Tag vor dem morgigen Streiktag, hat der SCS-Direktor Adasat Goya angekündigt, dass die Regionalregierung «in den nächsten Tagen» ein Massnahmenpaket vorlegen werde. Was bisher bekannt ist: Begrenzung der Dauer von Bereitschaftsdiensten, Erhöhung der Vergütung pro Bereitschaftsstunde, Reorganisation der Patientenkontingente und Sprechstundenpläne.
Goya räumte ein, dass der wirtschaftliche Schaden der Streiks die Verhandlungsspielräume gleichzeitig einschränkt: «Wir bekommen Druck vom Finanzministerium, das Wachstum der Gesundheitsausgaben zu bremsen.» Heisst übersetzt: Mehr Geld für Ärzte würde anderswo gekürzt — eine politisch heikle Operation in einem System, das ohnehin unter Druck steht.
Ob das Paket reicht, wird sich nächste Woche zeigen. Die Gewerkschaft SEMCA hat klargemacht, dass sie ohne konkrete Zusagen einen unbefristeten Streik ab September nicht ausschliesst. Vier Wochen Teilstreik haben das System bereits an die Belastungsgrenze gebracht — ein unbefristeter Streik wäre eine andere Dimension.
Was das für dich heisst
Notfälle: Notaufnahmen bleiben offen. Die Mindestversorgung («servicios mínimos») ist gesetzlich vorgeschrieben — Lebensgefahr, Geburten, dringende Eingriffe werden behandelt.
Geplante Termine: Wer einen Termin in den nächsten Wochen hat, sollte beim Gesundheitszentrum nachfragen, ob der Termin steht. Viele werden verschoben. Die SCS-App «miSCS» und das Webportal zeigen aktuelle Termine.
Touristen: Wer auf den Kanaren Urlaub macht und EU-Versicherung hat (EHIC/GHIC oder spanisch SIP/TSI), bekommt im Notfall die normale öffentliche Versorgung. Bei nicht-dringenden Anliegen können längere Wartezeiten oder Verlegungen ins Privatsystem die Folge sein — was für Versicherte ohne Zusatzschutz teuer wird.
Wer kann, sollte: Routineuntersuchungen, die nicht dringend sind, lassen sich bis nach dem Sommer verschieben. Wer chronische Medikamente braucht, sollte rechtzeitig Rezepte erneuern lassen.
Das grössere Bild
Der Konflikt auf den Kanaren steht nicht allein. Ähnliche Spannungen gibt es in mehreren spanischen Regionen. Die strukturellen Probleme — alternde Ärzteschaft, schwer zu besetzende Stellen besonders auf den kleineren Inseln, hohe Belastung in den Notaufnahmen — sind nicht über Nacht zu lösen.
Was die Streiks zeigen: Das öffentliche Gesundheitssystem auf den Kanaren funktioniert noch — aber unter wachsendem Druck. Caritas Tenerife meldete diese Woche, dass über 12.000 Menschen auf der Insel in chronischer Armut leben und genau jene Bevölkerungsgruppe darstellen, die am stärksten von Verzögerungen in der öffentlichen Versorgung betroffen ist. Wer privat versichert ist oder ausweichen kann, tut das. Wer nicht, wartet länger.
Freitag wird nur ein weiterer Streiktag. Im September könnte es ernster werden.
Häufige Fragen
- Bin ich als Tourist vom Streik betroffen?
- In Notfällen nein — die Notaufnahmen arbeiten weiter und EU-Bürger haben mit EHIC/GHIC Zugang. Bei nicht-dringenden Beschwerden können Termine verschoben werden oder ein Privatarzt nötig sein. Reisekrankenversicherung prüfen, ob private Versorgung gedeckt ist.
- Was sind «servicios mínimos»?
- Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestversorgung während eines Streiks: Notaufnahmen, dringende Eingriffe, Geburten, lebensbedrohliche Situationen. Diese Versorgung ist garantiert.
- Wann ist der nächste Streiktag?
- Morgen, Freitag 29. Mai. Weitere Streikwochen sind möglich. Bei ausbleibender Einigung droht SEMCA mit unbefristetem Streik ab September.
- Wo kann ich prüfen, ob mein Termin noch steht?
- Über die App «miSCS» oder das Webportal des Servicio Canario de Salud. Wenn unsicher: vorher telefonisch im Centro de Salud nachfragen.
- Warum streiken die Ärzte überhaupt?
- Hauptforderungen: ein eigenes Berufsstatut («Estatuto Marco»), Einhaltung der 2023 mit der kanarischen Regierung getroffenen Vereinbarungen, bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste (laut Gewerkschaft die schlechtest bezahlten in Spanien) und kürzere Bereitschaftsdienste.