Worum es geht — die Kurzversion
Am 18. April 2026 hat die Comunidad des Centro Comercial Cita eine neue Verwaltung gewählt. Die Anwältin Eugenia Talavera Plata übernimmt Verwaltung, Sekretariat und rechtliche Beratung der Gemeinschaft — in Personalunion, zum Pauschalpreis von 3.000 Euro pro Monat. Dass sie zugleich Vertrauensanwältin des Präsidenten ist — sie hatte bereits in der Junta vom Januar und am 7. März für ihn gesprochen — stand weder auf der Tagesordnung noch in der Vorstellung. Ein Schnäppchen, auf den ersten Blick.
Auf den zweiten Blick sind es vier Hüte auf einem Kopf.
⚖️ Vor und nach dem 18. April
Vorher — mehrere Köpfe (LPH Art. 13.1):
- Präsident — William Enrique Reyes
- Secretario en funciones — Matthias Camenzind (bis 6. April)
- Verwalter — Administraciones Horizontal y Vertical S.L.
- Anwälte — externe Kanzleien
Nachher — eine Person, vier Funktionen:
- Präsident — William Enrique Reyes
- Verwalterin, Sekretärin, interne Anwältin der Comunidad — Eugenia Talavera Plata (EUTAPLA Grupo SLU)
- Vertrauensanwältin des Präsidenten — dieselbe. Sie hatte in den Juntas vom Januar und März 2026 bereits für ihn gesprochen.
Art. 13.6 LPH erlaubt, Sekretär und Verwalter in einer Person zu vereinen. Bei allem Weiteren schweigt das Gesetz. Vielleicht, weil es sich niemand vorstellen wollte.
Das Cita in der Krise
Das Cita war einmal das Herzstück des Einkaufens in Playa del Inglés. Heute steht es im jüngsten Bericht der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana auf einer kurzen Liste von acht — als eines der «obsoleten» Einkaufszentren der Kommune. Yumbo, drei Strassen weiter, steht nicht drauf. Draussen boomt die Insel. Drinnen stehen Lokale seit Monaten leer, die Umsätze der Mieter sinken Jahr für Jahr, die Sicherheitslage gibt Anlass zu Gesprächen, die man lieber nicht führen würde.
Wer an diesem Samstagmorgen zur Junta kommt, ist nicht nur Eigentümer. Er ist Bewohner einer langen Erschöpfung — und in dieser Stimmung klingt «3.000 Euro all-inclusive» wie der Anruf, auf den alle gewartet haben.
Drei Fragen, die nicht gestellt wurden
1 · Das Protokoll, das nie kam
Die Junta vom 7. März war keine Beiläufigkeit: neuer Vorstand, Präsidentenwechsel mit 40:27, Nichtverlängerung des Verwalters. 42 Tage später: kein Protokoll, nur anderthalb Seiten vom alten Verwalter. Darin: keine Stimmenzählung, keine Liste der Beschlüsse — und beim Budget 2025 steht genau das Gegenteil dessen, was an jenem 7. März geschah. Es wurde abgelehnt. Die 1,5 Seiten behaupten, es sei angenommen worden. Auf diesem umgekehrten Ergebnis baut das Budget 2026 auf: dieselbe Zahl, die im März keine Mehrheit fand, figuriert nun als Ausgangswert. Die Anfechtungsfrist nach LPH Art. 18 läuft unterdessen tapfer weiter — formal gegen ein Nicht-Protokoll, faktisch gegen eine Unwahrheit.
2 · Die Computer, die spazieren gingen
Warum keine Anzeige, als die Bürorechner verschwanden? Ein Mitarbeiter — Vorname Enrique — habe dem Sohn des verstorbenen Ex-Präsidenten Cristóbal erlaubt, die Geräte mitzunehmen, im Glauben, darauf seien dessen persönliche Unterlagen. Auf denselben Rechnern lagen die Daten der Comunidad. Einstufung des Präsidenten am 18. April: «kein Diebstahl, aber ein Rechtsverstoss». Wo die Geräte heute stehen: nicht besprochen. Die genaue rechtliche Einordnung bleibt zu klären. Was nicht zu klären bleibt: Daten einer Rechtsperson, für die der Vorstand treuhänderisch einstehen muss, sind verschwunden — und eine formelle Reaktion darauf ist bis heute ausgeblieben.
Zum Kontenzugriff erklärte der Präsident, man habe seit dem 7. März «nicht arbeiten können». Er selbst hatte es im März anders formuliert:
📱 Schriftliche Mitteilung des Präsidenten vom 31. März 2026
WhatsApp an den damaligen Sekretär, 20:04–20:06 Uhr:
«Aquí se llevaron los ordenadores de la oficina»
«Nos quitaron el acceso a las cuentas»
«En fin todo ha sido un desmadre»Übersetzung: «Hier hat man die Bürocomputer mitgenommen. — Man hat uns den Zugang zu den Konten entzogen. — Am Ende war alles ein Durcheinander.»
Originalbelege liegen der Redaktion vor.
«Konnten nicht arbeiten» beschreibt eine Lähmung. «Man hat uns den Zugang entzogen» beschreibt einen Akt. Welche Version stimmt, würde sich klären lassen. Man müsste nur fragen. Ein schriftlicher Fragenkatalog mit 54 Punkten, dem Präsidenten am 1. April übermittelt, ist bis heute unbeantwortet.
3 · Die Kandidatin, die schon da war
Nach Rechercheerkenntnissen dieser Redaktion hatte Eugenia Talavera Plata bereits in den Juntas vom Januar und 7. März 2026 für Präsident Enrique Reyes gesprochen — bevor sie am 18. April als Verwalterin gewählt wurde. Am 8. März — einen Tag nach dem Machtwechsel — bekam sie den Übergangsplan der neuen Junta und quittierte mit «Ok perfecto». In den sechs Wochen danach koordinierte sie faktisch den Übergang — dieselben sechs Wochen, in denen die Schlösser nicht gewechselt, die Konten nicht gesichert und die Computer nicht zurückgeholt wurden.
▾ Was das anwaltliche Berufsrecht dazu sagt
In der Einladung zur Junta am 18. April stand lediglich «Wahl eines Administrador und Sekretärs» — ohne Namen. Wer die Kandidatin war, erfuhren die Eigentümer erst im Saal. Ihre Doppelrolle: nicht offengelegt. Der Código Deontológico de la Abogacía Española verpflichtet in Artikel 12 zur Offenlegung jeder Situation, die auch nur den Anschein eines Interessenkonflikts erweckt. Am 18. April kam Artikel 12 nicht zu Wort.
Zwei Fragen, zwei Minuten, Mehrheit
Aus dem Plenum der naheliegende Einwand: Warum nicht Angebote vergleichen, bevor man sich auf die einzige Kandidatin festlegt? Der Einwand wurde mit sofortiger Abstimmung beantwortet. «¿Quién se opone?» — wer ist dagegen? Kurze Pause, dann unmittelbar «¿Alguien más?» — noch jemand? Diese zweite Frage stellt nur, wer die erste beantwortet bekommen hat. Wie viele Gegenstimmen es waren, halten die Notizen nicht fest. Sie vermerken nur: Mehrheit. Das ist etwas anderes als einstimmig.
Zwei Haushalte, eine Lücke — und was das Gesetz dazu sagt
Haushalt 2025
Junta 7. MärzAbgelehnt.
ProtokollNie veröffentlicht.
Junta 18. AprilTotgeschwiegen — nicht zum Diskussionsgegenstand gemacht.
ErgoRechnung 2025 nicht angenommen.
Haushalt 2026
Ausgaben 2025 (Ist)705.974 €
Entwurf 2026879.536 €
Erhöhung+24,6 % — dieselbe Zahl, die am 7. März abgelehnt wurde.
Davon Personal+44.000 € gegenüber 2025.
Der Widerspruch
Verkauft alsPauschale 3.000 €/Monat für Verwaltung, Sekretariat und interne Anwältin — Ersparnis bei den Personalkosten.
TatsächlichDie Personalzeile im Budget steigt — +44.000 €.
BegründungKeine. Am 7. März wollte niemand sagen, wofür die Personalkosten 2025 so hoch waren. Jetzt sind sie höher.
Der Haushalt, den niemand erklärt hat
Ein neuer Haushalt fehlte — mangels Verwalter. Also wurde der Entwurf der Vorgängerjunta übernommen: 879.536 Euro Ausgaben plus 10 % Reservefonds = 967.490 Euro für 2026. Genau dieser Entwurf war am 7. März vor denselben Eigentümern gelegen — und wurde überwältigend abgelehnt. 42 Tage später, ohne eine geänderte Zeile, geht er durch. Was sich in sechs Wochen verändert hat, ist nicht die Zahl. Es ist die Frage, ob noch jemand fragt. Auf den Konten liegen rund 615.000 Euro — sofern Konten und Zugang inzwischen wieder zueinandergefunden haben.
▾ Die juristische Lage — darf man das überhaupt?
Darf man das überhaupt? Kurze Antwort: ja, in Teilen — aber mit einer entscheidenden Lücke. Eine Junta darf einen Haushalt, den sie im März verworfen hat, im April erneut zur Abstimmung stellen und mit Mehrheit annehmen. Das Gesetz (Art. 19.3 LPH) macht solche Beschlüsse sofort wirksam. So weit, so sauber.
Bleibt das Gesetz. Das spanische Wohnungseigentumsgesetz (Art. 16.1 LPH) verlangt, dass die Eigentümer den Haushalt jedes Jahr genehmigen. Genehmigt wurde am 18. April der Entwurf 2026. Die Rechnung 2025 wurde nicht genehmigt — sie wurde am 7. März abgelehnt, anschliessend weder protokolliert noch am 18. April auf die Tagesordnung gesetzt. Der Skandal liegt nicht im Formalismus. Er liegt in der Zahl: Wer am 7. März ein Budget ablehnt, weil niemand sagen kann, wofür so viel Personal bezahlt wird, und am 18. April dieselbe Zahl mit 44.000 Euro mehr beim Personal annimmt — während gleichzeitig die Pauschale von 3.000 Euro für Verwaltung, Sekretariat und Anwältin als Personalersparnis verkauft wird — hat ein Problem, das mit Formvorschriften nicht mehr zugedeckt wird.
Anfechtung: Eigentümer haben drei Monate Zeit, einen Beschluss anzufechten (ein Jahr bei Gesetzes- oder Satzungsverstoss — Art. 18 LPH). Das Recht haben: wer im Saal seine Gegenstimme zu Protokoll gab, wer abwesend war, wer zu Unrecht nicht mitstimmen durfte. Die Frist tickt ab dem 18. April.
💸 Die Zahl, die niemand erklärt hat
- Tatsächliche Ausgaben 2025: 705.974 €
- Entwurf 2026: 879.536 €
- Differenz: +173.562 € (+25 %)
Aufschlüsselung: Personal +44.000 € · Reinigung +50 % · Markisen +55 % · Sicherheit deutlich.
Gegenseite: Nicht eingetriebene Umlagen 1,9 Mio. € — Anwaltskosten für Eintreibung 2025: 3.568 €.
Eine Comunidad, die an ihren Galerien spart und an ihrer Personalzeile nicht, gehört zu den Dingen, die sich nicht von selbst erklären. Schon der Haushalt 2025 hatte in dieser Redaktion Fragen aufgeworfen — unbeantwortet bis heute. Der Entwurf 2026 legt einen Aufschlag obendrauf, ohne dass jemand da wäre, der ihn begründen müsste. Übernommen wurde er trotzdem.
Die neue Verwalterin bezifferte den Sanierungsbedarf auf vier bis fünf Millionen Euro über zehn Jahre — ungefähr acht Mal die Summe, die heute auf den Konten liegt. Vorgelegt wurde dafür: nichts. Kein Gutachten, kein Kostenvoranschlag, kein Leistungsverzeichnis. Eugenia Talavera Plata ist Anwältin, nicht Bauschätzerin. Eine Zahl in dieser Grössenordnung, aus dem Ärmel geschüttelt, ist kein Sanierungsplan. Es ist eine Ansage, in welcher Grössenordnung die kommende Verwaltung arbeiten — und entscheiden — wird.
Warum die Reihenfolge entscheidend ist
Die entscheidende Passage dieser Junta ist nicht die Abstimmung. Es ist die Reihenfolge. Beschlossen wurde, bevor die Acta vorlag. Bevor Computer und Konten geklärt waren. Bevor die Doppelrolle der Kandidatin auf dem Tisch lag. Bevor jemand den Haushaltsanstieg erklärt hatte. Die Klärung, die in einer geordneten Übergabe vor der Wahl stünde, wurde an ihre Stelle gesetzt.
Gewaltenteilung ist kein Luxus, den man sich leistet, wenn es gut läuft. Sie ist der Schutz, den man einschaltet, wenn es nicht gut läuft — und im Cita läuft es seit einer ganzen Weile nicht gut. Wo eine Person verwaltet, protokolliert und die Gemeinschaft rechtlich berät — und zugleich Vertrauensanwältin des Präsidenten ist — existiert innerhalb der Organe der Comunidad kein zweiter Blick mehr. Die Kontrollfunktion, die das Gesetz auf mehrere Schultern legt, ruht jetzt auf den Eigentümern selbst. Dafür müssen sie sie erst einmal bemerken.
❓ Prüfsteine für die nächsten Wochen
- Kommt die Acta vom 7. März?
- Wo sind die Computer, und wer hat welche Daten?
- Wird die Steigerung des Haushalts Posten für Posten begründet?
- Wird die Doppelrolle der Verwalterin sichtbar — oder verschwindet sie, wenn es darauf ankommt?
Das Cita hat in seinen Jahrzehnten viel überlebt. Was es jetzt braucht, ist nicht die günstigste Lösung, sondern die sauberste.
CITA News begleitet.
Redaktionelle Anmerkung
Matthias Camenzind ist Herausgeber und Chefredakteur von CITA News sowie Administrador Único einer Gesellschaft, die Eigentümerin im Centro Comercial Cita ist. In dieser Eigenschaft vertritt er einen Eigentümer in der Comunidad de Propietarios. Am 7. März 2026 wurde er zum Secretario en funciones der neu gewählten Junta de Gobierno bestellt und hat dieses Amt bis zum 6. April 2026 ausgeübt. Diese Interessenkonflikte werden hiermit offengelegt. Namentlich erwähnte Personen können Stellungnahmen und Korrekturen jederzeit an [email protected] senden.
Rechtlicher Hinweis
Geschützt durch Art. 20 der spanischen Verfassung. Tatsachenbehauptungen beruhen auf schriftlich dokumentierten Quellen.
