Im Überblick: Warum es teurer wird
- Kerosinpreis hat sich seit Beginn des Konflikts verdoppelt (+100 Prozent)
- Treibstoff macht rund 27 Prozent eines Kanaren-Pauschalpreises aus
- Erwarteter Aufschlag: 7,5 bis 9 Prozent, voraussichtlich ab Juni
- Deutschland ist mit knapp 20 Prozent der zweitgrösste Quellmarkt nach Grossbritannien
- Quelle: Lagebericht der Unternehmensallianz Excelcan, 19. Mai
Inhalt
Was die Familie aus Dortmund jetzt zahlt
Die kanarische Unternehmensallianz Excelcan, in der die grossen Namen der Branche sitzen – von der Hotelgruppe Lopesan über die Inselfluglinie Binter bis zum Loro Parque –, hat am Dienstag, dem 19. Mai, ihren Lagebericht für das erste Quartal 2026 vorgelegt. Die Schlagzeile daraus betrifft jeden, der eine Pauschalreise auf die Inseln plant: Der Krieg im Nahen Osten könnte die Pakete ab Juni um 7,5 bis 9 Prozent verteuern.
Der Grund liegt im Tank. Excelcan-Vizepräsident José Carlos Francisco rechnete vor, dass sich der Kerosinpreis bereits verdoppelt hat – ein Plus von 100 Prozent. Und Flugbenzin ist bei einem Mittelstreckenziel wie den Kanaren kein Randposten: Es macht rund 27 Prozent des gesamten Paketpreises aus. Wenn dieser Sprung durchgereicht wird, landet er als spürbarer Aufschlag auf der Endrechnung.
Warum Kerosin und der Nahost-Krieg dahinterstehen
Für unsere Dortmunder Familie wären acht Prozent auf 2.400 Euro fast 200 Euro extra – der Preis eines guten Ausflugstags für vier Personen.
Die etwas beruhigendere Nachricht: Laut Francisco ist das eine Grössenordnung, die «die Wertschöpfungskette absorbieren kann». Übersetzt heisst das: Die Airline verdient etwas weniger, der Reiseveranstalter auch, der Hotelier nimmt eine leicht kleinere Marge – und am Ende bleibt nicht der volle Aufschlag beim Gast hängen. Excelcan hält trotz allem an der Prognose eines insgesamt soliden Tourismusjahres 2026 fest, auf dem Niveau von 2025 oder mit einem leichten Rückgang.
Was die Wertschöpfungskette tragen kann
Wer hier lebt statt Urlaub macht, ist auf andere Weise betroffen. Der deutsche Rentner in Maspalomas, der seine Enkel zu Besuch einfliegen lässt, der Online-Unternehmer in Las Palmas, der zwischen Insel und Festland pendelt – für sie verteuert sich nicht das Paket, sondern der einzelne Flug. Und wer eine Ferienwohnung vermietet, sollte die Rechnung im Hinterkopf behalten: Wenn die Anreise teurer wird, sitzt das Geld der Gäste vor Ort entweder etwas lockerer oder eben nicht.
Es gibt auch eine Kehrseite, die für die Inseln günstig ausfällt. Schon im Frühjahr hatte Tourismusministerin Jéssica de León darauf hingewiesen, dass die Instabilität gerade die direkten Mittelmeer-Konkurrenten der Kanaren trifft – Türkei, Ägypten, Tunesien. Manche Veranstalter lenken Kapazität deshalb auf die Inseln um; TUI hat neue Verbindungen aus Deutschland nach Fuerteventura und Gran Canaria angekündigt. Gleichzeitig dünnt der Billigflieger Volotea Frequenzen aus, weil er beim Spritpreis nicht mithalten kann. Die Folge ist ein Markt, der sich gerade neu sortiert – mit Gewinnern und Verlierern auf beiden Seiten der Rechnung.
Risikoszenario und konkrete Buchungs-Tipps
Das eigentliche Risiko liegt ohnehin woanders. Excelcan nennt ein zweites, unwahrscheinliches, aber gefährliches Szenario: eine echte Kerosin-Knappheit. Spanien produziert mehr Flugbenzin, als es verbraucht – Deutschland und Grossbritannien aber haben ein Defizit. Bleiben die Maschinen aus Frankfurt oder Birmingham am Boden, weil der Treibstoff fehlt, wäre das für ein Inselziel, das vom Flugverkehr lebt, ein echtes Problem.
Konkret für Ihre nächste Buchung: Wer im Sommer oder Herbst auf die Inseln will und flexibel ist, bucht eher früher als später – die Aufschläge greifen ab Juni. Ein Preisvergleich zwischen Pauschalpaket und Einzelbuchung, also Flug und Unterkunft getrennt, kann sich gerade jetzt lohnen, weil die Kerosin-Komponente in beiden unterschiedlich durchschlägt. Und ein Blick auf die Gesamtrechnung statt nur auf den Flugpreis schützt vor Überraschungen an der Kasse.
- Warum werden Kanaren-Reisen teurer?
- Der Krieg im Nahen Osten hat den Kerosinpreis verdoppelt. Flugbenzin macht bei einem Mittelstreckenziel wie den Kanaren rund 27 Prozent des Pauschalpreises aus. Laut der Unternehmensallianz Excelcan könnte das die Pakete ab Juni um 7,5 bis 9 Prozent verteuern.
- Um wie viel teurer wird eine konkrete Buchung?
- Bei einem Paket von rund 2.400 Euro entspricht ein Aufschlag von acht Prozent fast 200 Euro extra. Wie viel davon tatsächlich beim Gast landet, hängt davon ab, wie viel die Airline, der Veranstalter und das Hotel von ihren Margen abgeben.
- Sollte ich jetzt buchen oder warten?
- Die Aufschläge greifen voraussichtlich ab Juni. Wer flexibel ist und im Sommer oder Herbst reisen will, bucht eher früher als später. Ein Preisvergleich zwischen Pauschalpaket und getrennter Buchung von Flug und Unterkunft kann sich derzeit lohnen.