Erste Papstreise nach Spanien seit 2011 — und die Kanaren im Zentrum

Es ist die erste Papstreise nach Spanien seit 2011 — und die Kanarischen Inseln stehen im Zentrum. Papst León XIV. wird vom 6. bis 12. Juni 2026 Spanien besuchen, mit Stationen in Madrid, Barcelona, Gran Canaria und Teneriffa. Der Vatikan hat diese Woche die ersten konkreten Programmpunkte bestätigt.

Das Reiseprogramm — offiziell ein «Viaje Apostólico» — folgt einer Einladung von König Felipe VI. und der spanischen Bischofskonferenz. Es ist die vierte Auslandsreise León XIV. seit seiner Wahl im Mai 2025, und die erste eines Papstes auf die Kanaren überhaupt.

Der Kanaren-Teil: Arguineguín, Kathedrale, Stadion

Am Donnerstag, dem 11. Juni, beginnt der Papst seinen Kanaren-Besuch in Arguineguín auf Gran Canaria. Der Hafen im Süden der Insel wurde 2020 international als «Muelle de la Vergüenza» bekannt, als dort über 2.300 Migranten unter unwürdigen Bedingungen kampierten. Die Diözese hatte dem Vatikan diesen Ort vorgeschlagen — und der Papst stimmte sofort zu.

Dort wird León XIV. Migranten treffen und diejenigen ehren, die die Kirche «Engel des Ozeans» nennt: die Seenotretter von Salvamento Marítimo, die Guardia Civil, die Policía Nacional und die Fischergenossenschaften, die oft als erste Hilfe leisten, wenn Boote an der Küste ankommen.

Der Bischof der Diözese Kanaren, José Mazuelos, erklärte, dass die Migrationskrise ein zentrales Motiv für die Papstreise auf die Inseln sei. León XIV. erfülle damit einen ausdrücklichen Wunsch seines Vorgängers Franziskus, der vor seinem Tod den Wunsch geäussert hatte, das kanarische Volk zu besuchen und die humanitäre Arbeit dort anzuerkennen.

Nach Arguineguín ist ein Besuch der Kathedrale Santa Ana in Las Palmas de Gran Canaria vorgesehen, verbunden mit einem Papamobil-Korso durch das Umfeld der Kathedrale — allerdings ist dieser Teil noch nicht vom Vatikan bestätigt. Bischof Mazuelos bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass der Papst in Las Palmas übernachtet, auf «90,9 Prozent».

Höhepunkt auf Gran Canaria wird eine Messe im Estadio de Gran Canaria in Siete Palmas. Die Diözese plant mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Besuchern — sollte der Rasen freigegeben werden, könnten es bis zu 80.000 werden. Zur Messe werden Marienfiguren aus verschiedenen Gemeinden herbeigebracht. Der Zugang erfolgt über eine Voranmeldung auf der offiziellen Website conelpapa.es; rund 2.000 Anmeldungen waren bis Freitag bereits eingegangen.

Am Freitag, dem 12. Juni, reist der Papst weiter nach Teneriffa, wo er im Hafen von Santa Cruz de Tenerife eine Abschlussmesse für voraussichtlich 50.000 Menschen feiert — das Finale der gesamten Spanienreise.

Madrid und Barcelona: Vigilie, Fronleichnam, Sagrada Familia

Der Besuch beginnt am 6. Juni in Madrid mit einer grossen Gebetsvigilie für Jugendliche an der Plaza de Lima. Am 7. Juni, dem Fronleichnamsfest, zelebriert León XIV. eine Messe auf der Plaza de Cibeles mit anschliessender Prozession — ein historisch einmaliges Bild.

Am 10. Juni steht Barcelona auf dem Programm: Der Papst weiht den neuen, höchsten Turm der Sagrada Familia ein — im Rahmen des hundertsten Todestags von Antoni Gaudí.

Programm auf einen Blick

  • 6. Juni: Ankunft Madrid, Jugend-Vigilie an der Plaza de Lima
  • 7. Juni: Messe auf der Plaza de Cibeles, Fronleichnamsprozession
  • 10. Juni: Barcelona, Messe in der Sagrada Familia, Turmeinweihung
  • 11. Juni: Gran Canaria — Arguineguín (Migranten), Kathedrale Santa Ana, Messe im Estadio de Gran Canaria
  • 12. Juni: Teneriffa — Abschlussmesse im Hafen von Santa Cruz

Der Hymnus: «Alza la mirada»

Am 16. April wurde der offizielle Hymnus der Papstreise vorgestellt: «Alza la mirada» (Erhebe den Blick). Das Lied wurde am 21. März gleichzeitig in vier Kathedralen aufgenommen — der Almudena in Madrid, der Sagrada Familia in Barcelona, der Kathedrale von La Laguna auf Teneriffa und der Kathedrale von Gran Canaria. Über 1.700 Freiwillige sangen mit.

Die musikalische Leitung lag beim tinerfeñischen Produzenten Pablo Cebrián. Elf Komponisten aus verschiedenen Bereichen der katholischen Musik Spaniens waren beteiligt, darunter Mitglieder der Gruppen Hakuna und TUYO. Die Einnahmen aus den Streaming-Reproduktionen fliessen in soziale Projekte der Kirche, mit besonderem Fokus auf die Migrationskrise auf den Kanaren.

Organisation und Finanzierung

Die Spanische Bischofskonferenz hat ein Nationales Organisationskomitee eingerichtet, geleitet von Koordinator Yago de la Cierva. Der Besuch wird nicht vom spanischen Staat finanziert — die Kosten tragen die Kirche, Gläubige und Sponsoren. Ein Mäzenatentum-System mit Beiträgen von 1.000 bis eine Million Euro wurde eingerichtet; die Bücher werden geprüft und offengelegt. Bischof Mazuelos betonte eigens, dass die Gelder «hier bleiben und nicht an den Papst oder das Bistum gehen».

Auf den Kanaren werden noch 500 zusätzliche Freiwillige gesucht — von den benötigten 1.500 haben sich bisher 1.000 gemeldet. Die Anmeldung für Besucher und Freiwillige läuft über conelpapa.es.

Was der Besuch für die Kanaren bedeutet

Der Hilfs-Bischof der Diözese, Cristóbal Déniz, bezeichnete den Besuch als «ein grosses Geschenk der Promotion für die Kanaren» — tausende Besucher und internationale Medienaufmerksamkeit werden erwartet. Gleichzeitig sei das Ziel, dass der Besuch nicht nur ein historisches Ereignis bleibt, sondern «einen positiven Abdruck im Zusammenleben hinterlässt».

Alle Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist aus Sicherheitsgründen obligatorisch. Die definitive Agenda hängt noch von der endgültigen Bestätigung durch den Vatikan ab.