Das Siam-Park-Projekt in El Veril kommt nicht zur Ruhe. Nach der Annullierung des alten Plans durch den Obersten Gerichtshof, nach der Umweltbeschwerde von Turcon und nach elf Jahren Verzögerung hat jetzt der Cabildo de Gran Canaria einen offiziellen Bericht vorgelegt — und darin klare Bedingungen für das geplante Hotel formuliert. Die Botschaft: Wenn schon gebaut wird, dann nur unter strengsten Auflagen.
Was der Cabildo fordert
Die Consejería de Política Territorial des Cabildo de Gran Canaria hat ihren Bericht zum neuen PMM (Plan de Modernización, Mejora e Incremento de la Competitividad) von El Veril vorgelegt. Das PMM ist das städtebauliche Instrument, das den Bau des Siam Park überhaupt erst ermöglichen soll — und wird derzeit vom Gobierno de Canarias tramitiert.
Die Kernforderungen des Cabildo:
Gestaffelt und in die Landschaft integriert. Das Hotel darf nicht als monolithischer Block gebaut werden. Der Cabildo verlangt eine gestaffelte Bauweise (escalonado) und eine Anpassung an die Umgebung (mimetizado). Wer den Standort kennt — zwischen der Autobahn GC-1 und der Küstenstrasse GC-500, am Eingang zu Playa del Inglés — weiss, wie sichtbar jedes Gebäude dort ist.
Nur 5-Sterne Gran Lujo. Die Parcela fällt teilweise in eine der sieben neuen «Piezas Territoriales Turísticas» der Insel. In diesen Gebieten lässt der Inselplan (Plan Insular) ausschliesslich Hotels der höchsten Kategorie zu: 5-Sterne Gran Lujo. Kein normales 5-Sterne-Hotel. Kein 4-Sterne. Nur die Spitze.
Maximal 25 Plätze pro Hektar. Die Dichtebegrenzung ist streng. Bei einer Parcela von knapp 184.000 Quadratmetern (18,4 Hektar) bedeutet das theoretisch maximal 460 Betten. Das Projekt sieht derzeit 300 Betten vor — das würde passen, lässt aber kaum Spielraum für spätere Erweiterungen.
Extreme Umweltmassnahmen. Der Cabildo verwendet die Formulierung «extremar las medidas ambientales». Das ist kein Standardsatz. Es ist eine explizite Warnung: Die Umweltverträglichkeit wird zum zentralen Prüfstein.
Warum das wichtig ist
Der Bericht des Cabildo ist kein Veto. Der Cabildo kann das PMM nicht blockieren — die Kompetenz liegt beim Gobierno de Canarias. Aber der Bericht setzt einen Rahmen, der das Projekt teurer, komplizierter und anspruchsvoller macht.
Ein Hotel der Kategorie 5-Sterne Gran Lujo ist eine völlig andere Kalkulation als ein normales Resort-Hotel. Die Baukosten sind höher, die Betriebskosten sind höher, die Zielgruppe ist kleiner. Für die Kiessling-Familie, die bereits 160 Millionen Euro Gesamtinvestition veranschlagt und 122,3 Millionen Euro Schadenersatz von drei Verwaltungen fordert, ist das ein weiterer Kostenfaktor in einem Projekt, das seit 2014 kein einziges Mal den Spaten in die Erde bekommen hat.
Die Geschichte der Verzögerungen
Für alle, die den Faden verloren haben — eine Kurzfassung:
2014–2015: Erster PMM für El Veril wird vom Gobierno de Canarias genehmigt. Siam Park soll auf einer knapp 184.000 m² grossen Parcela am Eingang von Playa del Inglés entstehen: Wasserpark plus Hotel mit 300 Betten.
2016: Baubeginn war geplant. Passiert ist nichts.
2022: Der Tribunal Supremo annulliert den PMM — wegen eines fehlenden Berichts des Consejo Insular de Aguas über die Wasserressourcen. Ein Formfehler, aber ein tödlicher.
2023: Loro Parque fordert 122,3 Millionen Euro Schadenersatz von Ayuntamiento, Cabildo und Gobierno. Der Cabildo lehnt ab, gestützt auf ein Gutachten des Consejo Consultivo.
2024: Ayuntamiento San Bartolomé de Tirajana genehmigt einstimmig die Neuaufstellung des PMM. Gesplan bestätigt: Der Boden ist weiterhin urbanisierbar.
Februar 2026: Ayuntamiento schickt neuen Umweltbericht an Gobierno de Canarias.
März 2026: Turcon-Ecologistas reicht Beschwerde beim Finanzministerium ein — mögliche Nutzung von Staatsgelände.
April 2026: Cabildo legt Bericht vor mit strengen Bedingungen fürs Hotel.
Elf Jahre. Drei Verwaltungsebenen. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. Dutzende Berichte. Und immer noch kein Spatenstich.
Was als nächstes passiert
Das Gobierno de Canarias muss jetzt die Umweltverträglichkeitserklärung (Declaración Ambiental Estratégica) ausstellen und den neuen PMM genehmigen. Erst dann kann das Ayuntamiento eine Baulizenz erteilen. Der Cabildo-Bericht fliesst in diesen Prozess ein — nicht als Veto, aber als gewichtiger Rahmen.
Ob der Siam Park jemals gebaut wird, weiss heute niemand. Was sicher ist: Mit jedem neuen Bericht, jeder neuen Bedingung und jedem weiteren Jahr wird das Projekt teurer, komplizierter und politisch aufgeladener.
Wir haben im März über die Turcon-Beschwerde und die Verzögerungsgeschichte berichtet. Dieser Artikel ist ein Update zu dieser Berichterstattung.
→ Siam Park Gran Canaria: Neue Beschwerde stoppt Bauprojekt (März 2026)