Das Wichtigste

Schauplatz: ZEC Franja Marina Teno-Rasca, Südwestküste Teneriffa — einziges offizielles Walschutzgebiet der EU in der Region

Projekt 1 — Cuna del Alma: 420 Luxusvillen im Puertito de Adeje, bereits im Bau trotz mehrfacher Teilbaustopps

Projekt 2 — Underwater Gardens: Meeresfreizeitpark auf 10,6 Hektar, bis zu 3.000 Besucher täglich, teils in EU-Schutzgebiet

Widerstand: Plattform «Salvar Punta Blanca», 34 Kollektive, 62.000 Unterschriften international

Greenpeace heute: neue Petition gestartet, erklärt Teneriffa «am Punkt der Umkehrbarkeit»

Quellen: elDiario.es Canarias, ecoticias.com, eldigitalsur.com, atlanticohoy.com, kanaren-heute.de

Es gibt einen Satz, den Greenpeace selten verwendet — weil er so endgültig klingt. «Punto de no retorno»: Punkt der Umkehrbarkeit. Der Moment, nach dem das, was verloren geht, nicht zurückkommt.

Für die Südwestküste Teneriffas ist dieser Moment laut Greenpeace jetzt. Die Organisation hat heute eine internationale Petition gestartet und verlangt vom Cabildo de Tenerife den sofortigen Stopp zweier Grossprojekte — eines, das bereits im Bau ist, und eines, das kurz vor der Genehmigung steht.

Was gebaut wird — und warum das ausgerechnet hier gefährlich ist

Die Franja Marina Teno-Rasca ist ein EU-Schutzgebiet der Kategorie ZEC — ein Meeresschutzgebiet, das als einziges in der EU offiziell als Walschutzgebiet ausgewiesen ist und zu den artenreichsten marinen Ökosystemen der Kanaren zählt. Obwohl die Küste des südlichen Teneriffa bereits zu den touristisch am stärksten verdichteten Zonen der Kanaren gehört, bedrohen neue Projekte die letzten unberührten Küstenabschnitte dieser Schutzzone.

Cuna del Alma: Das Projekt ist bereits im Bau und sieht die Errichtung von 420 Luxusvillen im Puertito de Adeje vor — trotz mehrfacher Teilbaustopps wegen der Auswirkungen auf Biodiversität und archäologische Stätten. Ein Gericht ordnete zuletzt einen vorläufigen Baustopp für einen Abschnitt an und leitete Ermittlungen wegen möglicher Verstösse gegen das Küstenschutzrecht ein.

Underwater Gardens: Das Projekt sieht den Bau eines Meeresthemenparks auf über 10 Hektar an der Küste von Guía de Isora vor — auf landwirtschaftlichem Schutzgebiet — zusätzlich zu Unterwasserinstallationen innerhalb der ZEC Teno-Rasca. Die Anlage würde bis zu 3.000 Besucher täglich anziehen.

Greenpeace und die Plattform Salvar Punta Blanca nennen Underwater Gardens «Greenwashing von Lehrbuchhaftigkeit»: Das Projekt präsentiert sich als «regenerativer Park» mit Taucherlebnissen — ist aber laut den Umweltschützern eine verschleierte touristische Grossinfrastruktur, die unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit Natur zerstört. «Es ist Raubbau mit besserem Image», fasst die Plattform zusammen.

62.000 Unterschriften — und warum das nicht reicht

Rund um den Widerstand hat sich die Plattform «Salvar Punta Blanca» formiert — 34 Kollektive, darunter Greenpeace, Naturschutzorganisationen, Surfclubs wie Wave Legends und Bürgerinitiativen. Die internationale Petition auf WeMoveEurope hat bereits mehr als 62.000 Unterschriften gesammelt. Offizielle Einwände wurden eingereicht, öffentliche Aktionen organisiert, die EU-Kommission informiert.

Greenpeace fordert, dass Teno-Rasca «Ruhe und Erholung» bekommt — keine weitere Infrastruktur. Konkret verlangt die Organisation vom Cabildo de Tenerife das öffentliche Bekenntnis, keine «als Nachhaltigkeit verkleideten» Tourismusprojekte mehr zu unterstützen, strengere Umweltverträglichkeitsprüfungen und aktive Restaurierungsprojekte für das Küstenökosystem.

Das grössere Bild

Greenpeace warnt, dass die Kanaren bis zum Ende dieses Jahrhunderts bis zu 80 % ihrer Strände verlieren könnten — durch den Anstieg des Meeresspiegels kombiniert mit der fortschreitenden Überbauung der Küste. 47 Küstenabschnitte auf den Kanaren gelten bereits als Hochrisikozone.

Was auf Teneriffa passiert, ist kein Ausnahmefall. Es ist das Muster: Ein Schutzgebiet wird «von Interesse» erklärt, ein Projekt erhält grünes Licht, Proteste beginnen, Gerichte verhängen Teilbaustopps — und gebaut wird trotzdem. Cuna del Alma ist der Beweis, dass selbst mehrfache Gerichtsentscheide den Prozess nur verlangsamen, aber nicht stoppen.

Der Unterschied zu früheren Küstenkonflikten: Dieses Mal sind es nicht nur lokale Aktivisten, die protestieren. 62.000 internationale Unterschriften, EU-Kommission informiert, Greenpeace-Jahresbericht — die Frage der Küstenzerstörung auf Teneriffa wird inzwischen europäisch wahrgenommen.

Häufige Fragen

Was ist die ZEC Teno-Rasca?
Eine der bedeutendsten marinen Schutzzonen Europas im Südwesten Teneriffas — offiziell ausgewiesenes Walschutzgebiet der EU und eines der artenreichsten Meeresgebiete der Kanaren.
Was ist Cuna del Alma?
Ein Luxusresort mit 420 Villen im Puertito de Adeje. Bereits im Bau — trotz mehrfacher Teilbaustopps wegen Verstössen gegen Küstenschutz- und Archäologierecht.
Was ist Underwater Gardens?
Ein geplanter Meeresfreizeitpark auf 10,6 Hektar in Guía de Isora, mit Unterwasserinstallationen in der ZEC Teno-Rasca. Kapazität: bis zu 3.000 Besucher täglich. Von Greenpeace als «Greenwashing» eingestuft.
Was fordert Greenpeace konkret?
Sofortiger Stopp beider Projekte, öffentliches Bekenntnis des Cabildo gegen «Nachhaltigkeits-Greenwashing», strengere Umweltprüfungen, aktive Küstenrestaurierung.
Kann man die Petition unterzeichnen?
Ja — die Petition läuft auf greenpeace.es und auf der internationalen Plattform WeMoveEurope.