Wenn du Ende April oder Anfang Mai einen Arzttermin hast — schau nach, ob er noch steht.
Die kanarischen Ärzte legen die Arbeit nieder. An vier Tagen in neun Tagen. Tausende Termine werden gestrichen. Hunderte Operationen fallen aus.
Und es wird schlimmer, nicht besser.
Wie sieht das für mich aus?
Beim letzten Streik im März wurden auf den Kanaren 16.000 Arzttermine abgesagt und 345 Operationen verschoben.
Und das waren zwei Tage. Jetzt kommen vier.
Was heisst das praktisch:
- Hausarztbesuch? Nur noch im Notfall.
- Termin beim Kardiologen, Dermatologen, Augenarzt? Verschoben.
- Geplante OP — Knie, Hüfte, Katarakt? Neuer Termin irgendwann.
- Routine-Blutabnahme, Ultraschall, Röntgen? Fällt aus.
- Echter Notfall, Schmerz, Unfall? Urgencias sind offen. Notärzte bleiben im Dienst.
Also: Niemand stirbt, weil die Ärzte streiken. Aber wer auf seinen Termin gewartet hat — manchmal monatelang — muss noch länger warten.
Warum streiken sie eigentlich?
Hier wird es interessant. Denn die Ärzte streiken nicht für mehr Geld. Jedenfalls nicht in erster Linie.
Was sie fordern, klingt erstmal trocken — ist aber handfest. Drei Beispiele:
1. Sie wollen endlich mit jemandem reden können, der entscheiden darf.
Momentan verhandeln die kanarischen Ärzte mit Beamten, die zu allem erst in Madrid nachfragen müssen. Die Ärzte sagen: Gebt uns einen Tisch, an dem jemand sitzt, der auch Ja sagen kann. Das kostet null Euro. Keine Ausrede zieht. Und trotzdem passiert es nicht.
2. Sie wollen die gleichen Bedingungen wie ihre Kollegen auf dem Festland.
Ein Arzt in Madrid oder Sevilla verdient bei gleicher Qualifikation oft mehr als sein Kollege in Las Palmas oder Teneriffa. Der Kanaren-Arzt macht die gleiche Arbeit, trägt die gleiche Verantwortung — aber bekommt weniger. Das wollen sie angleichen.
3. Sie wollen nicht mehr 24-Stunden-Schichten für einen Apfel und ein Ei machen.
Der Nacht- und Wochenenddienst — "Guardias" — wird so schlecht bezahlt, dass viele junge Ärzte das Weite suchen. Wer will schon für ein paar Euro pro Stunde die ganze Nacht im Krankenhaus stehen? Ergebnis: Personalmangel in den Notaufnahmen. Mehrstündige Wartezeiten. Ärzte am Limit.
Das ist nicht Gier. Das ist gesunder Menschenverstand.
Ist das gerechtfertigt?
Urteil bilden sich die Leser selbst. Hier die Fakten, die auf dem Tisch liegen.
Die Gesundheitsministerin der Kanaren hat sich seit Beginn der Streiks — null mal — mit den Ärzten getroffen.
Kein einziges Gespräch. Sie heisst Esther Monzón. Sie regiert in Koalition (Coalición Canaria und PP). Sie ist formal für die Sache zuständig. Und sie war nicht ein einziges Mal am Verhandlungstisch.
Stattdessen hat sie die Sache an Madrid delegiert. Als würde das Problem in Madrid liegen. Es liegt nicht in Madrid. Es liegt in ihrem Büro.
Der Chef des kanarischen Gesundheitsdiensts verdient 38.000 Euro mehr als sein Vorgänger.
Das ist kein Gerücht. Das ist aktenkundig. Das Verfassungsgericht in Madrid hat diese Gehaltserhöhung suspendiert — weil sie rechtlich fragwürdig ist.
Der Mann heisst Adasat Goya. Während er diese 38.000 Euro mehr bekommt, sagt er den Ärzten, für ihre Forderungen sei kein Geld da.
Die kanarische Gesundheitsverwaltung zahlt 574 Millionen Euro ohne gültige Verträge.
Auch das ist dokumentiert. 574 Millionen. 125 Millionen davon gehen an private Kliniken.
Du liest das richtig: Während den Ärzten im öffentlichen Dienst gesagt wird, es sei kein Geld da, fliessen Hunderte Millionen an Privatkliniken — ohne dass die Verträge sauber gemacht sind.
Ein Arzt, der das weiss, ist wütend. Und seine Wut ist nicht unberechtigt.
Was sagt die Regierung dazu?
Wenig. Und das ist das Problem.
Die Ministerin Monzón hat am 6. April ein Sieben-Tage-Ultimatum von den Ärzten bekommen: Redet mit uns, oder es gibt Streik.
Ihre Antwort? Schweigen. Sieben Tage lang. Dann kam der Streik.
Ein Ärzte-Vertreter, Eric Álvarez, sagt dazu: "Streik ist das letzte Mittel, zu dem wir greifen, wenn wir keine Alternativen mehr haben."
Die Ärzte streiken nicht gern. Jeder Streiktag ist auch für sie Gehaltsverlust — Streiktage werden nicht bezahlt. Sie machen das, weil ihnen nichts anderes einfällt, um gehört zu werden.
Was bedeutet das für unser Gesundheitssystem?
Eine unbequeme Wahrheit: Das kanarische Gesundheitssystem ist unter Druck. Auch ohne Streik.
Wartelisten wachsen. Fachärzte fehlen. Hausärzte gehen in Rente und finden keine Nachfolger. Junge Mediziner wandern aus — nach Madrid, nach Deutschland, nach England.
Warum? Weil die Arbeitsbedingungen auf den Kanaren nicht mit denen anderer Regionen mithalten können. Genau das, was die Ärzte jetzt zum Thema machen.
Kurz: Wenn sich nichts ändert, wird es für alle schlimmer. Nicht nur für die, die heute einen Termin brauchen. Auch für die, die in fünf Jahren einen brauchen werden.
Die streikenden Ärzte tun also, was die Politik eigentlich tun müsste — sie sagen: So geht es nicht weiter.
Was kommt als nächstes?
27. und 28. April: Streik der ersten Ärztegewerkschaft (SEMCA). Zwei Tage hintereinander.
30. April: Parallel zum nationalen Streik legt auch die zweite Gewerkschaft CESM auf den Kanaren die Arbeit nieder.
4. Mai: Noch ein Streiktag. Nur Kanaren.
Vier Streiktage in neun Tagen. Tausende Menschen werden betroffen sein. Und wenn die Ministerin weiter nicht redet, kommt der nächste Monat und der nächste.
Der CESM-Chef Eric Álvarez hofft, dass der 4. Mai der letzte Streiktag sein wird. Aber er weiss es nicht. Denn er verhandelt seit Monaten mit einer leeren Stelle auf der anderen Seite des Tisches.
Was du jetzt tun solltest
Vor jedem Arzttermin zwischen 27. April und 4. Mai: Ruf deine Klinik oder dein Gesundheitszentrum an und frag, ob der Termin stattfindet.
Bei Notfall: Ganz normal 112 oder Urgencias aufsuchen. Dort wird gearbeitet.
Bei chronischen Medikamenten: Vorher genug Rezepte abholen, falls dein Hausarzttermin ausfällt.
Bei geplanter OP: Die Klinik ruft dich an, wenn sie verschoben wird. Wenn nicht — auch dann lieber vorher nachfragen.
Der Streik trifft dich nicht, weil die Ärzte böse sind. Er trifft dich, weil die Politik nicht redet.
Das ist, kurz gesagt, der ganze Skandal.