Die Wohnungen sollen unter Marktpreis vermietet werden — so das Ziel.

Worum es geht

Auf den Kanaren stehen viele Wohnungen leer. Gleichzeitig finden Familien kaum bezahlbaren Wohnraum. Die Regierung will das ändern, ohne neu bauen zu müssen.

Die Idee: Ein externer Dienstleister wird bezahlt, um mit Eigentümern zu reden, Wohnungen zu akquirieren und sie an geprüfte Mieter zu vermitteln. Im Gegenzug übernimmt die öffentliche Hand das Risiko.

Zuständig für die Ausschreibung ist das staatliche Unternehmen Visocan. Vorgestellt hat die Massnahme der Consejero für Wohnen, Pablo Rodríguez, in der Montags-Pressekonferenz nach dem Kabinett.

Wie viel günstiger wird die Miete?

Das ist die Frage, die alle stellen — und hier liegt ein wichtiger Punkt.

Das Diario de Avisos titelte am 21. April mit 30 Prozent Mietsenkung. Diese Zahl steht aber nirgendwo in den offiziellen Mitteilungen. Weder die Landesregierung noch Visocan bestätigen eine konkrete Prozentzahl.

Die einzige Zahl, die Rodríguez und Präsident Fernando Clavijo bisher öffentlich genannt haben — beim Wohnungskongress in Las Palmas im Dezember 2025 — lag zwischen 20 und 25 Prozent unter Marktpreis.

Verbindlich ist erst, was im fertigen Vertrag steht.

Was Eigentümer bekommen

Wer eine Wohnung einbringt, bekommt Garantien:

  • Die Miete wird gezahlt, auch wenn der Mieter nicht zahlt
  • Die Wohnung kommt im vereinbarten Zustand zurück
  • In manchen Fällen gibt es Zuschüsse für die Renovierung

Genau diese Unsicherheiten — ausbleibende Miete, Schäden, Rechtsstreit — haben viele Eigentümer dazu gebracht, ihre Wohnungen gar nicht mehr zu vermieten. Das sagte auch Rodríguez. "Der Schlüssel ist die Vermittlung", so der Consejero.

Was der Dienstleister macht

Der beauftragte Anbieter übernimmt das gesamte Paket. Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und spezialisierte Einrichtungen können sich bewerben.

Die Aufgaben im Überblick:

  • Marktanalyse pro Insel und Gemeinde
  • Eigentümer ansprechen und Wohnungen ins Programm holen
  • Mietinteressenten vorprüfen
  • Verträge zwischen beiden Seiten aufsetzen
  • Laufende Betreuung des Mietverhältnisses

Teil eines grösseren Plans

Die Bolsa Activa ist nicht allein unterwegs. Die Regierung hat in den letzten Monaten mehrere Instrumente auf den Weg gebracht:

März 2026: Neues Dekret für öffentliche Wohnungen. Statt Lotterie jetzt Punktesystem nach wirtschaftlichen, sozialen und familiären Kriterien. Anmeldung online.

April 2025: Gesetzesdekret zur Beschleunigung der Baugenehmigungen auf unter sechs Monate. Neue Wohnkategorie "Vivienda Asequible Incentivada" für die Mittelschicht.

In Vorbereitung: Eine Hipoteca Joven Canaria, bei der der Staat bis zu 95 Prozent des Kaufwerts absichert. Dazu Mietzuschüsse für junge Menschen.

Die Ausgangslage

Die Landesregierung hat eine Wohnungsnotlage offiziell erklärt. Ihre Zahlen:

  • Rund 4.000 geförderte Wohnungen in verschiedenen Bauphasen
  • Über 200 weitere Wohnungen bereits gekauft
  • 150 fertiggestellt

Leerstehende Wohnungen mobilisieren ist günstiger und schneller als neu bauen. Besonders auf den Inseln, wo Baugrund knapp ist, ist das ein Vorteil.

Was noch offen ist

Drei Fragen bleiben unbeantwortet:

1. Welcher Mietnachlass steht am Ende wirklich im Vertrag? 2. Wie viele Wohnungen schafft die Bolsa Activa in den ersten Jahren? 3. Reichen die Garantien, um misstrauische Eigentümer zurückzuholen?

Antworten gibt es, sobald der Auftrag vergeben und der Dienst gestartet ist.

Aktuelle Informationen veröffentlicht die Consejería de Obras Públicas, Vivienda y Movilidad auf gobiernodecanarias.org. Die Ausschreibungsunterlagen sind über Visocan einsehbar.