Was bedeutet der Leerstand für Wohnungssuchende?
211.400 unbewohnte Wohnungen – das ist ungefähr jede fünfte Wohnung auf dem Archipel. So steht es in Daten des INE aus dem Jahr 2021, über die elDiario Canarias Ahora berichtet.
Für Wohnungssuchende heisst das: Es wäre rechnerisch viel Platz da, aber er bleibt oft ungenutzt.
Wie funktioniert das Programm «Vivienda Vacía»?
Wer eine leere oder nur teilweise genutzte Privatwohnung besitzt, kann sie seit dem 15. Oktober 2026 über die neue Website von «Vivienda Vacía» in eine erschwingliche Mietwohnung verwandeln lassen. Die Regierung der Kanaren hat das Portal freigeschaltet.
Dort suchen Interessenten nach Insel, Gemeinde, Mietpreis und Zahl der Schlafzimmer. Eigentümer bekommen kostenlose Beratung zu Mietpreisen, Mieterauswahl, Verträgen, Inventar und Rechtsfragen.
Wohnungssuchende erhalten Beratung zum spanischen Mietrecht und Hilfe bei der Vertragsunterzeichnung.
Wer darf eine solche Wohnung mieten?
Vorgesehen sind Familien oder Haushaltsgemeinschaften mit begrenzten Einkommen. Sie müssen im Registro de Demandantes de Vivienda Protegida de Canarias eingetragen sein, dem Register für Interessenten an öffentlich geförderten Wohnungen.
Grundsätzlich liegen sie zwischen 1,5 IPREM (etwa 10.422 Euro) und 4 IPREM (27.792 Euro); für kinderreiche Familien oder Familien mit unterhaltsberechtigten Menschen mit Behinderung gilt zusätzlich eine Obergrenze von 5 IPREM (34.740 Euro).
Was kostet die Miete und wie lange läuft der Vertrag?
Die Miete darf höchstens 30 Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens betragen und maximal 500 Euro monatlich. Die Mindestlaufzeit beträgt drei Jahre und kann auf sieben Jahre verlängert werden.
VISOCAN, die öffentliche Wohnungsgesellschaft der Kanaren, zahlt dem Eigentümer die Monatsmiete während der Vertragsdauer auch dann, wenn kein Mieter zahlt. Das soll Eigentümern die Angst vor Mietausfällen nehmen.
Welche Rolle spielen Ferienwohnungen?
Im August 2026 gab es auf den Kanaren 40.837 Ferienwohnungen, gegenüber 47.127 im August 2025. Das ist ein Rückgang um 6.290 Wohnungen beziehungsweise 13,3 Prozent, wie La Provincia berichtet.
Experten weisen darauf hin, dass viele Eigentümer ihre Wohnungen vor erwarteten gesetzlichen Beschränkungen als Ferienwohnungen registriert haben. Das habe die Lizenzzahlen künstlich erhöht, heisst es im Bericht von Canarian News.
Was ist noch offen?
Eine vollständige Insel-für-Insel-Liste verfügbarer Wohnungen und konkrete Einzelmieten hat bisher niemand veröffentlicht. Auch ein abschliessender Zeitplan für die tatsächliche Belegung fehlt.
Die kanarische Regierung kündigt im Rahmen des Programms eine eigene Bestandsaufnahme und Diagnose des Leerstands an. Eine amtliche Gesamtzahl aller leer stehenden Wohnungen ist in den verfügbaren Ergebnissen nicht ausgewiesen.