Gebrauchtimmobilien auf den Kanaren: zwei Indizes, zwei Zahlen
Der Preis für gebrauchte Wohnimmobilien auf den Kanaren stieg im August 2026 um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3.336 Euro pro Quadratmeter, so der Index des Portals idealista. Der Immobilienindex von Fotocasa nennt für denselben Monat und dieselbe Region 7,5 Prozent und 3.375 Euro je Quadratmeter. Beide Zahlen stimmen, keine von beiden ist ein Fehler.
Foto: hh oldman, CC BY 3.0 (Symbolbild).
Der Abstand von fast einem Prozentpunkt und 39 Euro pro Quadratmeter ist keine Nebensache. Er erklärt, warum in derselben Woche unterschiedliche Schlagzeilen über denselben Markt erscheinen können. Im Folgenden geht es darum, wer welchen Index veröffentlicht, was jeder davon tatsächlich misst und was sich über den August auf den Kanaren sicher sagen lässt.
Die Augustzahlen im Einzelnen
Laut idealista schloss die Region den August 2026 mit 3.336 Euro pro Quadratmeter und einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. In dieser Tabelle sind die Kanaren die viertteuerste autonome Gemeinschaft, hinter den Balearen (5.595 Euro/m²), Madrid (5.059) und dem Baskenland (3.784).
Laut Fotocasa lag der Archipel bei 3.375 Euro pro Quadratmeter, mit einem Jahresplus von 7,5 Prozent und einem Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. In dieser Rangliste stehen die Kanaren an fünfter Stelle, hinter Madrid, den Balearen, dem Baskenland und Katalonien. Für eine typische Wohnung von 80 Quadratmetern errechnet Fotocasa einen Anstieg des geforderten Preises von 251.008 auf 269.997 Euro binnen eines Jahres.
Fotocasa liefert zusätzlich Zahlen für die beiden Provinzen: Las Palmas 2.899 Euro/m² mit einem Plus von 14,7 Prozent, der stärkste Anstieg des Archipels, und Santa Cruz de Tenerife 3.687 Euro/m² mit 3,6 Prozent. Die teurere Provinz steigt also am langsamsten, die günstigere am schnellsten. In einem regionalen Durchschnitt verschwindet dieser Gegensatz vollständig.
Warum zwei glaubwürdige Indizes auseinanderliegen
Idealista und Fotocasa messen scheinbar dasselbe, aber nicht auf derselben Grundlage. Beide bilden ihren Index aus den Inseraten des eigenen Portals: Es sind Angebotspreise, also das, was Verkäufer verlangen, nicht das, was Käufer am Ende beim Notar unterschreiben. Jedes Portal sieht nur den eigenen Bestand, mit einer eigenen Mischung aus Lagen, Objekttypen und Wohnungsgrößen, und wendet eigene Filter und Gewichtungen an. Kommen in einem Monat bei einem Portal mehr Küstenvillen und beim anderen mehr Stadtwohnungen hinzu, verschiebt sich der Durchschnitt, ohne dass sich der Markt verändert hätte.
Hinzu kommt die Arithmetik der Jahresrate. Eine Veränderung wird immer gegen denselben Monat des Vorjahres gerechnet, und wenn die Basis vom August 2025 bei beiden Portalen unterschiedlich war, weichen die Prozentwerte voneinander ab, selbst wenn die aktuellen Niveaus fast identisch sind. Ein Prozentpunkt Unterschied zwischen zwei Angebotspreisindizes ist in der Praxis eher methodisches Rauschen als ein Streit über die Richtung: Beide zeigen nach oben.
Daneben steht eine andere Familie von Indikatoren. Das spanische Registerkollegium, das Colegio de Registradores, arbeitet mit eingetragenen Kaufverträgen, also mit tatsächlich beurkundeten Preisen. Der Wohnimmobilienpreisindex des Statistikamts INE beruht auf realen Verkäufen und erscheint quartalsweise, nicht monatlich. Tinsa geht von Bewertungen aus, also von einem durch Gutachter geschätzten Wert. Drei Blickwinkel, drei Ergebnisse, die sich nicht wie eine einzige Reihe aneinanderreihen lassen.
Die Kanaren im Vergleich zum übrigen Spanien
Hier steht die überraschendste Zahl. Beide Portale sehen den kanarischen Anstieg deutlich unter dem spanischen. Idealista nennt für Gesamtspanien im August 2.924 Euro/m² und ein Jahresplus von 12,5 Prozent bei einem Minus von 0,3 Prozent gegenüber Juli und betont, dass das Land inzwischen zwanzig Monate mit zweistelligen Jahresraten hinter sich hat. Die Kanaren fallen mit ihren 6,7 Prozent aus dieser Gruppe heraus, zusammen mit den Balearen (5,1 Prozent), Madrid (7 Prozent) und La Rioja (7,8 Prozent). Fotocasa beziffert den spanischen Augustanstieg auf 15,6 Prozent, den siebzigsten Monat in Folge mit steigenden Preisen.
Beide Indizes zusammen ergeben dasselbe Bild: Die Kanaren gehören weiterhin zu den teuersten Regionen Spaniens, aber nicht mehr zu denen, die sich am schnellsten verteuern. Relativ betrachtet verlangsamt sich der Archipel gegenüber einem nationalen Markt, der schneller läuft. Regionen, die schon länger angespannt sind, erreichen diese Phase in der Regel früher als andere.
Die transaktionsbasierten Indikatoren erzählen eine ähnliche Geschichte, aber mit anderem Kalender. Nach der Registerstatistik des Colegio de Registradores, zitiert von der Zeitung La Provincia, überschritten die Kanaren im zweiten Quartal 2026 erstmals die Marke von 3.000 Euro pro Quadratmeter und erreichten 3.052 Euro, ein Plus von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während die Zahl der Kaufverträge um 15,3 Prozent auf 5.970 zurückging. Vom INE ließ sich als jüngste regionale Aufschlüsselung nur das erste Quartal 2026 überprüfen: 10,76 Prozent für die Kanaren gegenüber 12,9 Prozent im Landesschnitt. Der kanarische Wert für das zweite Quartal konnte für diesen Beitrag nicht bestätigt werden und wird hier deshalb nicht behauptet.
Was den Anstieg treibt
Die Diagnose, die sich in den ausgewerteten Quellen wiederholt, lautet: ein Ungleichgewicht zwischen knappem Angebot und einer Nachfrage, die nicht nachlässt. Im Juni 2026 entfielen laut La Provincia rund 77 Prozent der Kaufverträge auf den Kanaren auf gebrauchte Wohnungen und nur 23 Prozent auf Neubau. Der Markt hängt fast vollständig am vorhandenen Bestand.
Der Neubau bewegt sich, aber nicht unbedingt dorthin, wo er fehlt. Das Portal Canarias en Pleno berichtet, dass die Baugenehmigungen an den Küsten der Inseln um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten, weist zugleich aber darauf hin, dass sich die Projekte vor allem an das Ferien- und Zweitwohnungssegment richten, das rentabler ist als der Bau für Dauerbewohner.
Die Nachfrage von außen ist der zweite sichtbare Faktor. Laut Colegio de Registradores entfielen im zweiten Quartal 2026 rund 29,3 Prozent der Wohnungskäufe auf den Kanaren auf ausländische Käufer, in Santa Cruz de Tenerife 32,2 Prozent und in Las Palmas 26,5 Prozent; auf Käufer aus der Europäischen Union entfielen etwa 18 Prozent. Zur konkreten Wirkung der Regulierung von Ferienvermietungen auf die Kaufpreise liegt in den ausgewerteten Quellen keine quantitative Messung vor. Die Ferienvermietung taucht als Druckfaktor auf das Wohnungsangebot auf, ihr einen bezifferten Anteil am Preisanstieg zuzuschreiben ginge jedoch über die Daten hinaus.
Was das praktisch bedeutet
Für Käufer ist nicht der Prozentsatz die entscheidende Größe, sondern die Belastung. Tinsa bezifferte den Kaufaufwand in den Küstengemeinden im ersten Quartal 2026 auf rund 40 Prozent des verfügbaren Einkommens eines durchschnittlichen Haushalts, oberhalb der 35 Prozent, die üblicherweise als vorsichtige Grenze genannt werden. Eine Auswertung von idealista sieht den Kaufaufwand in den kanarischen Hauptstädten bei etwa 25 Prozent in Las Palmas de Gran Canaria und 24 Prozent in Santa Cruz de Tenerife, Werte, die stark davon abhängen, welches Einkommen und welche Finanzierung unterstellt werden.
Für Mieter ist der Druck unmittelbarer. Fotocasa nannte für die Kanaren im Juli 2026 eine Durchschnittsmiete von 16,09 Euro pro Quadratmeter, 7,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, was für 80 Quadratmeter etwa 1.287 Euro im Monat entspricht. Nach einer von La Provincia im August zitierten Auswertung von idealista verschlingt die Miete in den kanarischen Hauptstädten inzwischen rund 31 Prozent des Einkommens.
Für Eigentümer fällt die Augustbotschaft zweigeteilt aus: Der Angebotswert steigt im Jahresvergleich weiter, doch die Monatsveränderung war sowohl bei Fotocasa für die Kanaren negativ (minus 0,7 Prozent) als auch bei idealista für Gesamtspanien (minus 0,3 Prozent). Ein einzelner Monat markiert keine Wende, und der Preis, den ein Inserat verlangt, ist nicht der Preis, den ein Register am Ende einträgt. Dieser Text beschreibt Marktindikatoren und enthält keine Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder zur Geldanlage.
Die wichtigsten Zahlen
- Kanaren, August 2026: 3.336 Euro/m² und plus 6,7 Prozent im Jahresvergleich, laut idealista
- Kanaren, August 2026: 3.375 Euro/m², plus 7,5 Prozent im Jahresvergleich und minus 0,7 Prozent im Monatsvergleich, laut Fotocasa
- Spanien, August 2026: 2.924 Euro/m² und plus 12,5 Prozent laut idealista; plus 15,6 Prozent laut Fotocasa
- Provinzen, August 2026 (Fotocasa): Las Palmas 2.899 Euro/m² (plus 14,7 Prozent); Santa Cruz de Tenerife 3.687 Euro/m² (plus 3,6 Prozent)
- Kanaren, zweites Quartal 2026: 3.052 Euro/m² eingetragener Preis, Kaufverträge minus 15,3 Prozent zum Vorquartal, laut Colegio de Registradores
- Ausländische Käufer: 29,3 Prozent der kanarischen Wohnungskäufe im zweiten Quartal 2026, laut Colegio de Registradores
FAQ
- Wie stark stiegen die Preise für Gebrauchtimmobilien auf den Kanaren im August 2026?
- Um 6,7 Prozent auf 3.336 Euro pro Quadratmeter laut idealista und um 7,5 Prozent auf 3.375 Euro laut Fotocasa. Beides sind Angebotspreisindizes, und beide Zahlen beziehen sich auf denselben Monat.
- Warum stimmen idealista und Fotocasa nicht überein?
- Weil jedes Portal die Inserate des eigenen Bestands misst, mit unterschiedlichen Stichproben, Objekttypen und Gewichtungen, und weil auch die Vergleichsbasis vom August 2025 unterschiedlich war. Keiner der beiden misst beurkundete Kaufpreise.
- Welcher Index kommt dem tatsächlich gezahlten Preis am nächsten?
- Die Statistiken des Colegio de Registradores und der Wohnimmobilienpreisindex des INE, die auf realen Verkäufen beruhen. Beide sind quartalsweise und erscheinen später als die Portalzahlen.
- Steigen die Preise auf den Kanaren stärker als im übrigen Spanien?
- Nach beiden Portalen nicht. Idealista nennt plus 12,5 Prozent für Spanien gegenüber plus 6,7 Prozent für die Kanaren, Fotocasa plus 15,6 gegenüber plus 7,5 Prozent. Die Inseln bleiben beim Niveau teuer, nicht beim Tempo.
- Gibt es Unterschiede zwischen den beiden kanarischen Provinzen?
- Ja. Laut Fotocasa lag Las Palmas im August bei 2.899 Euro/m² mit plus 14,7 Prozent und Santa Cruz de Tenerife bei 3.687 Euro/m² mit plus 3,6 Prozent.
Weiterlesen
- Wohnungsfrage wird auf den Kanaren zum PolitikumKanaren · 28. April
- Kanaren: Polizei warnt vor WhatsApp-Betrug mit TanzvotingKanaren · 22. Oktober
- Clásico am 25. Oktober: Barça gilt als klarer FavoritKanaren · 21. Oktober
- Kanaren: 4.982 Flüge am Pilar-Wochenende bis MontagKanaren · 11. Oktober
- Madeira ab den Kanaren: Schengen, Levadas, Dos und Don'tsKanaren · 21. Oktober
- Alle Events auf den Kanaren →