Was ist ein Autónomo? Die spanische Bezeichnung für Selbstständige und Freiberufler — registriert im RETA (Régimen Especial de Trabajadores Autónomos)
Kosten im 1. Jahr: 80 €/Monat (Tarifa Plana) — auf den Kanaren mit Cuota Cero praktisch 0 €
Steuer-Vorteil Kanaren: 7 % IGIC statt 21 % IVA (Festland) — 14 Prozentpunkte Ersparnis
Voraussetzung: NIE-Nummer + Empadronamiento + spanisches Bankkonto
Neue Autónomos auf den Kanaren 2024: Über 12.000, davon 4.500 auf Gran Canaria
Was genau ist ein Autónomo?
Autónomo ist die spanische Rechtsform für alle, die auf eigene Rechnung arbeiten: Freelancer, Berater, Coaches, Online-Unternehmer, Handwerker, Fotografen, Übersetzer — jede selbstständige Tätigkeit. Es ist das Äquivalent zum deutschen Einzelunternehmer oder Freiberufler, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Als Autónomo haftest du persönlich und unbeschränkt mit deinem gesamten Vermögen.
Für EU-Bürger ist die Anmeldung relativ unkompliziert. Du brauchst keine spezielle Arbeitserlaubnis — das Recht auf Niederlassung und Erwerbstätigkeit gilt innerhalb der EU. Was du brauchst, sind ein paar Behördengänge, die in der richtigen Reihenfolge erledigt werden müssen.
Voraussetzungen: Was du vorher brauchst
Bevor du dich als Autónomo anmelden kannst, müssen drei Dinge erledigt sein. Erstens: die NIE-Nummer — deine spanische Steuer- und Identifikationsnummer. Ohne NIE geht in Spanien nichts. Zweitens: das Empadronamiento — die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt deiner Gemeinde. Drittens: ein spanisches Bankkonto, über das die Sozialversicherungsbeiträge per SEPA-Lastschrift eingezogen werden.
Der berüchtigte Teufelskreis — Bank will Residencia, Residencia braucht Autónomo, Autónomo braucht Bankkonto — lässt sich lösen: Einige Banken auf Gran Canaria eröffnen Konten auch ohne Residencia, zum Beispiel Openbank, N26 oder bestimmte Filialen der CaixaBank.
Schritt 1: Anmeldung bei der Hacienda (Finanzamt)
Der erste offizielle Schritt ist die Anmeldung beim spanischen Finanzamt, der Agencia Tributaria (umgangssprachlich: Hacienda). Du reichst das Modelo 036 oder das vereinfachte Modelo 037 ein. Dabei wählst du deine Tätigkeit aus dem offiziellen Katalog der Wirtschaftsaktivitäten (IAE — Impuesto sobre Actividades Económicas) und gibst an, ab wann du tätig sein willst.
Wichtig für die Kanaren: Du meldest dich nicht für die IVA (Mehrwertsteuer des Festlands) an, sondern für die IGIC — die kanarische Umsatzsteuer von nur 7 Prozent. Das ist einer der größten Vorteile gegenüber dem Festland, wo 21 Prozent IVA fällig werden. Bei einem Jahresumsatz von 50.000 Euro sind das 7.000 Euro Unterschied.
Schritt 2: Anmeldung bei der Seguridad Social
Der zweite Schritt ist die Registrierung im RETA über das Online-Portal Import@ss der Seguridad Social. Hier meldest du dich als Selbstständiger an und wählst deine Beitragsbasis. Für den Zugang brauchst du ein Certificado Digital oder Cl@ve PIN.
Mit der Anmeldung bei der Seguridad Social bist du automatisch im spanischen Gesundheitssystem versichert — Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung. Du erhältst eine Tarjeta Sanitaria für den Arztbesuch. Viele Expats schließen zusätzlich eine private Zusatzversicherung ab, um kürzere Wartezeiten zu haben.
Tarifa Plana: 80 Euro im Monat im ersten Jahr
Seit 2023 gilt für neue Autónomos die sogenannte Tarifa Plana: Im ersten Jahr zahlst du nur rund 80 Euro monatlich an die Seguridad Social (mit dem MEI-Zuschlag real etwa 89 Euro). Das gilt unabhängig von deinem Einkommen. Im zweiten Jahr kannst du die Tarifa Plana verlängern, wenn dein Nettoeinkommen unter dem Salario Mínimo Interprofesional (SMI) liegt.
Die Voraussetzungen: Du darfst in den letzten zwei Jahren nicht als Autónomo registriert gewesen sein (drei Jahre, falls du die Tarifa Plana schon einmal genutzt hast), und du darfst keine offenen Schulden bei Hacienda oder der Seguridad Social haben.
Cuota Cero: Die Kanaren erstatten alles zurück
Und hier kommt der kanarische Bonus: Die Cuota Cero. Das Programm des Gobierno de Canarias erstattet dir die gesamte Tarifa Plana des ersten Jahres zurück — also rund 960 Euro. Du zahlst die Beiträge zunächst ganz normal, stellst dann einen Antrag, und bekommst das Geld als Subvention zurückerstattet.
Die Konvokatoría 2026 ist seit März geöffnet und läuft bis zum 15. Oktober 2026. Das Budget beträgt 3,3 Millionen Euro. Du hast zwei Monate nach Ablauf deiner 12-monatigen Tarifa Plana Zeit, den Antrag über die Sede Electrónica des Gobierno de Canarias einzureichen. In der letzten Runde haben rund 3.620 Autónomos auf den Kanaren diese Erstattung erhalten — 36 Prozent mehr als im Vorjahr.
Kostenrechnung 1. Jahr auf den Kanaren:
Tarifa Plana: ca. 89 €/Monat × 12 = ca. 1.068 €
Cuota Cero Erstattung: bis zu 960 € zurück
Effektive Kosten Sozialversicherung: ca. 108 € im gesamten ersten Jahr
IGIC statt IVA: 7 % statt 21 % — 14 Prozentpunkte weniger Umsatzsteuer
Laufende Pflichten: Steuererklärungen und Buchhaltung
Als Autónomo musst du vierteljährlich Steuererklärungen abgeben: das Modelo 130 (Einkommensteuervorauszahlung) und das Modelo 420 (IGIC-Erklärung auf den Kanaren — nicht das Modelo 303, das gilt nur für IVA auf dem Festland). Dazu kommt die jährliche Einkommensteuererklärung (Renta) und die jährliche IGIC-Zusammenfassung.
Die Buchhaltungspflicht ist real: Einnahmen- und Ausgabenbuch, Rechnungen nach spanischem Recht, und ab 2026 gelten strengere Anforderungen an die digitale Rechnungsstellung. Die meisten Expats lagern die Buchhaltung an eine Gestoría aus — ein spanisches Steuerbüro, das alle Fristen und Meldungen übernimmt. Rechne mit 80 bis 150 Euro monatlich für einen guten Gestor.
Autónomo oder S.L.? Wann lohnt sich eine Gesellschaft?
Die Alternative zum Autónomo ist die S.L. (Sociedad Limitada) — die spanische GmbH. Vorteile der S.L.: beschränkte Haftung, niedrigerer Körperschaftsteuersatz (15 Prozent im ersten Jahr, dann 25 Prozent), und auf den Kanaren zusätzlich die Reserva de Inversiones Canarias (RIC) (Preuschoff), die bis zu 90 Prozent Steuerreduktion ermöglichen kann.
Nachteile: Gründungskosten (Notar, Handelsregister), komplexere Buchhaltung und höhere laufende Kosten. Das gesetzliche Mindestkapital wurde im Oktober 2022 mit der Ley 18/2022 von 3.000 Euro auf 1 Euro gesenkt; bei einem Kapital unter 3.000 Euro gelten allerdings zusätzliche Rücklage- und Haftungspflichten. Als Faustregel: Unter 40.000 Euro Jahresgewinn ist der Autónomo meistens günstiger. Darüber lohnt sich eine Beratung beim Steuerberater, ob die S.L. Sinn macht.
Typische Fehler — und wie du sie vermeidest
Der häufigste Fehler: Sich zuerst bei der Seguridad Social anmelden und erst danach bei der Hacienda. Die Reihenfolge muss stimmen — erst Hacienda (Modelo 036/037), dann Seguridad Social (Import@ss). Sonst kann die Tarifa Plana verweigert werden.
Zweiter Fehler: Die SEPA-Lastschrift vergessen. Wenn die Seguridad Social den monatlichen Beitrag nicht abbuchen kann, fallen sofort Säumniszuschläge zwischen 10 und 35 Prozent an. Dritter Fehler: Quartalsfristen verpassen. Die Modelo-130- und IGIC-Meldungen sind am 20. des Folgemonats nach Quartalsende fällig (also 20. April, 20. Juli, 20. Oktober, 30. Januar). Wer die Frist verpasst, zahlt Strafe.
Checkliste Autónomo-Anmeldung:
1. NIE-Nummer beantragen
2. Empadronamiento (Einwohnermeldeamt)
3. Spanisches Bankkonto eröffnen
4. Certificado Digital oder Cl@ve beantragen
5. Hacienda: Modelo 036/037 einreichen (IGIC, nicht IVA!)
6. Seguridad Social: RETA-Anmeldung über Import@ss
7. Tarifa Plana beantragen (im Anmeldeprozess)
8. Gestoría beauftragen (Buchhaltung + Quartalsmeldungen)
9. Nach 12 Monaten: Cuota Cero beim Gobierno de Canarias beantragen