Die Borrasca Therese hält die Kanarischen Inseln seit Mittwoch in Atem. Was als Sturmwarnung begann, hat sich zum schwersten Wetterereignis der Saison entwickelt: Schulen geschlossen, Flüge gestrichen, Straßen gesperrt, Karnevalsveranstaltungen verschoben. CITA News, Ihr Nachrichtenportal für Gran Canaria, zieht die erste Bilanz — und erklärt, warum das Wochenende gefährlich bleibt.
400 Einsätze und 2.300 ohne Strom
Bis Freitagabend verzeichneten die Notdienste des Gobierno de Canarias kanarenweit rund 400 Einsätze. Die Mehrzahl betraf Felsstürze, umgestürzte Bäume und überflutete Fahrbahnen. Auf Gran Canaria allein meldete das Cabildo über 40 Einzelfälle — vor allem in San Bartolomé de Tirajana, Telde, San Mateo, Mogán, Teror und Agaete. Rund 2.300 Menschen waren zwischenzeitlich ohne Strom.
Am stärksten betroffen: die Cumbre und die Südseite der Insel. Die GC-505 (Arguineguín–Soria) und die GC-608 blieben gesperrt. Bewohner der Barrancos von Arguineguín und Huesa Bermeja wurden evakuiert.
Therese in Zahlen — Stand 21. März
400 Einsätze kanarenweit
2.294 Menschen ohne Strom (Höchststand)
123 km/h Windböe in Agaete (stärkste gemessene)
6 Presas auf Gran Canaria überlaufen
600.000+ m³ Wasser in die Stauseen eingelaufen
3 Straßen gesperrt (GC-505, GC-608, GC-200)
25+ Flüge gestrichen oder umgeleitet
Rettung im Barranco de Arguineguín
Die dramatischste Szene spielte sich im Süden von Mogán ab: Die Bomberos retteten eine Frau, die im Barranco de Arguineguín durch die plötzlich ansteigenden Wassermassen eingeschlossen worden war. Die Person wurde mit Unterkühlung behandelt. Die Aktion wurde auf Video dokumentiert und verbreitete sich über die Nachrichtenkanäle der Inseln.
Insgesamt wurden vier Personen durch die Borrasca direkt verletzt — drei durch Stürze, eine durch die Unterkühlung bei der Barranco-Rettung.
Stauseen laufen erstmals seit 2015 über
Die gute Nachricht inmitten der Zerstörung: Die Stauseen von Gran Canaria füllen sich wie seit Jahren nicht mehr. Sechs Presas laufen bereits über — Candelaria, El Vaquero, Lugarejos, El Parralillo, Siberio und Las Hoyas. La Sorrueda meldet starken Zulauf, El Mulato steht bei 75 Prozent, Caidero droht ebenfalls überzulaufen.
Insgesamt sind über 600.000 Kubikmeter Wasser in die Stauseen eingelaufen — und das vor dem kräftigen Samstags-Front, der die Zahlen noch deutlich erhöhen dürfte. Das Cabildo will Anfang nächster Woche eine Abschlussbilanz vorlegen. Zum Vergleich: Die letzte Überflutung der Presa de Lugarejos war 2015. Die Borrascas Emilia und Francis hatten Ende 2025 bereits 2,5 Millionen Kubikmeter beigetragen — jetzt kommen nochmals hunderttausende dazu.
Cabildo-Präsident Antonio Morales betonte, dass die Wasserreserven nun die Bewässerung der Landwirtschaft für 2026 und teilweise 2027 sichern könnten — nach fünf Jahren Dürre eine historische Wende.
Wind, Wellen, Schnee: Therese hat viele Gesichter
Die Borrasca brachte nicht nur Regen. In Agaete wurden Böen von 123 km/h gemessen. An der Küste von Adeje (Teneriffa) mussten Bewohner von El Puertito evakuiert werden, weil das Meer bis in die Häuser vordrang. In Teror riss der Wind eine große Festzelt-Konstruktion auf der Plaza de Sintes um.
Auf dem Teide auf Teneriffa liegt Schnee bis unter 1.800 Meter. Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel saß mit seiner Frau im Parador de Las Cañadas fest und fragte per Instagram, ob jemand wisse, wie man zum Flughafen komme — er wollte zur Volta a Catalunya fliegen.
Die AEMET meldete Aviso Naranja (Orange Warnung) für den gesamten Samstag auf Gran Canaria: heftige Niederschläge, Gewitter mit Hagel in den Medianías und anhaltend starker Südwestwind.
Was Touristen im Süden wissen müssen
Für Urlauber in Maspalomas, Playa del Inglés und Meloneras: Strandbesuche sind bei roter Flagge verboten. Küstenwege können durch Wellenschlag überflutet werden. Barrancos sind bei Regen lebensgefährlich — auch trockene Flussbetten können sich in Minuten füllen. Mietwagen nie in Senken oder Barrancos parken.
Die Gran Cabalgata von Maspalomas wurde bereits auf den 28. März verschoben. Das Karneval-Programm für den Sonntag (Entierro de la Sardina) ist noch offen. Mogán hat seine Cabalgata auf den 29. März verlegt, um nicht mit Maspalomas zu kollidieren.
Der Fußball-Verband Gran Canarias hat alle Partien auch am Samstag abgesagt. Das Rally Villa de Santa Brígida wurde verschoben. Das Festival Días de Poesía in Las Palmas pausiert eine Woche.
Wochenende: Keine Entwarnung
Die AEMET warnt: Die Borrasca Therese bleibt stationär nordwestlich der Kanaren und schwächt sich erst ab Sonntag langsam ab. Der Samstag bringt einen weiteren kräftigen Front mit Sturzregen, Gewittern und Böen bis 90 km/h. Ab Montag wird eine progressive Besserung erwartet — echte Stabilität soll erst Mittwoch zurückkehren.
Cabildo-Präsident Antonio Morales hat die Bevölkerung aufgefordert, am Wochenende nicht in die Cumbre zu fahren. Die Straßenverhältnisse seien noch nicht sicher, es drohten weitere Erdrutsche.
CITA News verfolgt die Lage weiter. Aktuelle Warnungen: aemet.es und @112canarias.
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