Man fährt aus dem heißen, hellen Süden hinein — und plötzlich wird es grün. Der Barranco de Guayadeque ist eine der größten Schluchten der Kanaren, ein tiefer Einschnitt zwischen den Gemeinden Agüimes und Ingenio, an dessen Hängen Palmen, Mandelbäume und Feigenkakteen wachsen. Von oben wirkt er wie eine Ader Leben in einer trockenen Landschaft.

Das Besondere steckt aber in den Wänden selbst. Über Jahrhunderte haben Menschen hier nicht Häuser gebaut, sondern Höhlen gegraben — und einige bewohnen sie noch heute. Guayadeque ist damit weniger ein Ausflugsziel als ein bewohntes Stück Vergangenheit.

Höhlen, in denen bis heute Menschen leben

Zwei kleine Siedlungen prägen das Tal. Cueva Bermeja, benannt nach dem rötlichen Gestein, ist der erste Ortskern; weiter oben liegt die Montaña de las Tierras, auch „Los Marteles“ genannt, wo man traditionelle Höhlenwohnungen besichtigen kann. Die Häuser sind keine Kulisse: Es sind gewachsene, oft kühle und im Winter angenehm warme Wohnräume, in die von außen nur Türen und Fenster gesetzt wurden.

So begegnet man dem Ort richtig Die Höhlenhäuser sind teils bewohnter Privatbesitz — bitte respektieren und nicht ungefragt betreten. Am besten hält man am Besucherzentrum und in den ausgewiesenen Bereichen, dann bekommt man ein gutes Gefühl für das Leben im Fels.

Das Erbe der Altkanarier

Lange vor den Spaniern lebten hier die Ureinwohner der Insel. In den Wänden des Barrancos finden sich hunderte Höhlen: Wohnungen, aber auch Kornspeicher und Grabhöhlen. Guayadeque gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Zonen Gran Canarias und wurde 1991 als Bien de Interés Cultural geschützt; die Ausgrabungen gehen weiter, 2020 wurden unberührte Bereiche entdeckt.

Viele der wichtigsten Funde — darunter Mumien und Alltagsgegenstände — sind heute im Museo Canario in Las Palmas zu sehen. Wer Guayadeque besucht und danach ins Museum geht, versteht das Tal noch einmal ganz anders.

Essen im Fels — und eine Kapelle in der Höhle

Guayadeque ist auch ein Ort zum Genießen. Mehrere Restaurants sind direkt in den Fels gegraben: Man sitzt im kühlen Stein, während draußen die Sonne brennt, und isst kanarische Hausmannskost — Fleisch vom Grill, Papas arrugadas, kräftigen Wein. Es ist eine der stimmungsvollsten Arten, auf der Insel zu Mittag zu essen.

Ebenfalls in den Berg gehauen ist die kleine Ermita de San Juan Bautista, eine Kapelle im Fels. Sie zeigt, wie selbstverständlich das Leben hier mit dem Stein verwoben ist — vom Wohnhaus bis zum Gotteshaus.

Natur, Schutz und der Besuch

Seit 2000 ist der Barranco ein Monumento Natural. In ihm leben endemische Arten, die es nur auf Gran Canaria gibt, darunter die Rieseneidechse der Insel und seltene Pflanzen. Ein Besucherzentrum am Eingang des Tals erklärt Geologie, Geschichte und Natur — ein guter erster Halt.

Gut zu wissen Die Straße zieht sich schmal und kurvig das Tal hinauf; an Wochenenden und zur Mittagszeit ist es voll, besonders vor den Höhlen-Restaurants. Wer die Ruhe sucht, kommt früh. Archäologische Bereiche und bewohnte Höhlen bitte nicht betreten.

Häufige Fragen

Wo liegt der Barranco de Guayadeque?
Im Südosten Gran Canarias, zwischen den Gemeinden Agüimes und Ingenio; die Zufahrt erfolgt von dort.
Leben dort wirklich noch Menschen in Höhlen?
Ja. In Siedlungen wie Cueva Bermeja und Montaña de las Tierras werden Höhlenhäuser bis heute bewohnt; einige sind zu besichtigen.
Kann man dort essen?
Ja, in mehreren Restaurants, die direkt in den Fels gegraben sind — mit kanarischer Küche.
Was hat es mit den Altkanariern auf sich?
Guayadeque war schon vor der spanischen Eroberung besiedelt; hunderte Höhlen dienten als Wohnungen, Kornspeicher und Gräber. Viele Funde sind im Museo Canario in Las Palmas.
Wie kommt man hin?
Am besten mit dem Auto von Agüimes oder Ingenio; ein Halt am Besucherzentrum lohnt sich für den Einstieg.

Stand 11.07.2026. Angaben nach Wikipedia und Turismo de Gran Canaria. Öffnungszeiten von Restaurants, Besucherzentrum und Wegen können sich ändern und erfolgen ohne Gewähr; archäologische und bewohnte Bereiche sind zu respektieren.