Borrasca Therese — Die Zahlen

Dauer: seit Mittwoch, 18. März — Tag 8 (Stand 25.3.)

Niederschlag kumuliert: über 700 l/m² in 6 Tagen (zentrale Höhenlagen)

Spitzenwert: 153 l/m² in Bañaderos (Arucas) in wenigen Stunden

Notfalleinsätze (112): 1.783 seit Beginn, 653 allein am Dienstag

Staudämme am Limit: 24 lassen Wasser ab oder laufen über

Evakuierte/Isolierte: über 3.000 Personen

Infrastrukturschäden: geschätzt 8 Mio. € (Stand 24.3.)

Wer am Dienstagmorgen in Maspalomas, Playa del Inglés oder Meloneras aufwachte, hörte den Regen auf den Dächern trommeln — und auf dem Handy die Warnungen der Behörden. Gran Canaria hatte soeben den Stufe-2-Notstand ausgerufen, die höchste Alarmstufe des inseleigenen Katastrophenschutzes. Der Grund: Die Borrasca Therese, die seit einer Woche über den Kanarischen Inseln kreist, hatte sich in der Nacht vom Montag auf Dienstag mit einer konvektiven Zelle über dem Norden und der Inselmitte reaktiviert — mit historischen Regenmengen, die selbst Experten überraschten. CITA News, Ihr Nachrichtenportal für Gran Canaria, fasst die Lage zusammen.

Stufe 2: Warum Gran Canaria das Militär rief

Cabildo-Präsident Antonio Morales (Nueva Canarias) erklärte am Dienstagvormittag den Notstand: „Wir stehen vor einer historischen Situation. Das Wasser kommt von überall, es dreht sich über der Insel und schlägt unberechenbar zu.“ Stufe 2 bedeutet, dass die Koordination von der Inselregierung an die Autonome Gemeinschaft (Gobierno de Canarias) übergeht — und vor allem: dass die UME (Unidad Militar de Emergencias), Spaniens militärische Katastrophenschutzeinheit, eingesetzt werden kann. Innerhalb weniger Stunden verließen UME-Truppen die Luftwaffenbasis Gando und rückten nach Arucas und Bañaderos aus, wo in wenigen Stunden 153 Liter pro Quadratmeter gefallen waren.

Morales nutzte die Pressekonferenz für eine politische Forderung, die er seit Monaten vorträgt: Die Cabildos müssen die UME direkt anfordern können, ohne erst den Notstand auf Stufe 2 hochstufen zu müssen. Aktuell kann die UME nur kommen, wenn die Autonome Gemeinschaft die Koordination übernimmt — ein bürokratisches Verfahren, das in einer akuten Krise wertvolle Stunden kostet. Alle sieben Cabildos der Kanaren teilen diese Forderung.

24 Staudämme am Limit: Fataga, Ayagaures, Santa Brígida

Federico Grillo, Technischer Direktor des Katastrophenschutzes beim Cabildo, sprach von einem „barbarischen“ Ereignis. Seit Beginn der Borrasca seien über 700 Liter pro Quadratmeter gefallen — hauptsächlich im Zentrum und in den Höhenlagen der Insel. 24 Staudämme ließen gleichzeitig Wasser ab oder liefen über. Die Presa de Fataga war am Dienstagmorgen übergelaufen und hatte rund 50 Personen im Barranco isoliert. Später warnte das Cabildo, dass auch die Presa de Ayagaures überlaufen würde — Anwohner in der Nähe des Flusslaufs wurden evakuiert. In Santa Brígida erreichte die Staumauer ihre maximale Kapazität.

„Wir hatten Glück, dass der Regen über das Zentrum der Insel verteilt fiel und die Staudämme das Wasser gehalten haben“, sagte Grillo. „Aber sie sind am Limit. Wenn noch eine größere Menge kommt, wird es kritisch.“

3.000 Evakuierte, zehn Straßen gesperrt, Arucas abgeschnitten

Mehr als 3.000 Menschen auf Gran Canaria wurden evakuiert oder waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. In Arteara und Fataga — Dörfer im Barranco zwischen San Bartolomé de Tirajana und der Cumbre — waren Erdrutsche die Ursache. In Arucas im Norden war die Hauptzufahrt über die GC-20 blockiert; die Umleitung führte über die GC-330 bei Bañaderos. Im Südosten wurde der Anschluss Tarajalillo auf der Autobahn GC-1 bei Bahía Feliz geschlossen. Im Barranco de Arguineguín waren über 2.000 Anwohner betroffen — am Vortag hatte dort bereits eine Frau, die sich an einen Baum klammerte, aus den Fluten gerettet werden müssen.

Auf Tenerife verschlechterte sich die Lage am Dienstagabend dramatisch: Die AEMET aktivierte den Aviso Rojo (höchste Warnstufe) für die Metropolregion Santa Cruz de Tenerife. Das Cabildo rief ebenfalls Stufe 2 aus und forderte die UME an. Der Zivilschutz schickte eine ES-Alert-Nachricht auf alle Handys: „Vermeiden Sie jede Fortbewegung.“

Schulen geschlossen, Flüge gestrichen, Chaos an den Flughäfen

Die Regierung der Kanarischen Inseln ordnete die Schließung aller Schulen auf Gran Canaria, Tenerife und La Palma an — sowohl am Dienstagnachmittag als auch für den gesamten Mittwoch. Die Universitäten ULPGC (Las Palmas) und ULL (La Laguna) stellten auf Fernunterricht um. Beide Flughäfen auf Tenerife waren schwer betroffen: Flüge wurden nach Gran Canaria und Fuerteventura umgeleitet, Passagiere berichteten von stundenlangen Warteschlangen und ausgefallenen E-Gates. Für Touristen im Süden Gran Canarias blieb der Flughafen LPA in Betrieb, aber mit erheblichen Verzögerungen.

Was Touristen jetzt wissen müssen

Flughafen Gran Canaria (LPA): In Betrieb, aber Verzögerungen möglich. Früh erscheinen.

Straßen im Süden: GC-1 (Autobahn) kann bei Starkregen abschnittsweise gesperrt werden. Bergstraßen meiden.

Strände: Maspalomas und Playa del Inglés bei roter Flagge nicht betreten. Starke Brandung.

Barrancos: Nicht in die Nähe gehen — auch wenn es gerade nicht regnet. Sturzfluten kommen ohne Vorwarnung aus den Höhenlagen.

112: Notrufnummer der Kanarischen Inseln. Funktioniert auf Spanisch, Englisch und Deutsch.

Karneval Maspalomas: Gala Drag zum dritten Mal verschoben

Der Karneval von Maspalomas wird von der Borrasca Therese regelrecht zerrissen. Die Gala Drag Queen — eines der Highlights des Karnevals und Touristenmagnet mit Stargast Mónica Naranjo — wurde nun zum dritten Mal verschoben: von Donnerstag 19.3. auf Mittwoch 25.3. und jetzt auf Donnerstag, 26. März, 21:00 Uhr im CC Yumbo. Der Grund: Am Dienstag galt noch der Notstand, und das Rathaus von San Bartolomé de Tirajana entschied, dass Maspalomas „zu viele offene Wunden hat, um den Fokus auf eine Gala zu legen“.

Karneval Maspalomas — Neues Programm

Do 26.3.: Gala Drag Queen, 21:00 Uhr, CC Yumbo (mit Mónica Naranjo)

Do 26.3.: Carnaval Canino (Hundekarneval), 17:00 Uhr

Fr 27.3.: Rescate de la Sardina, 12:00 Uhr, Playa de Maspalomas

Fr 27.3.: Gala del Turista, 21:00 Uhr + Mogollones ab 23:00 Uhr

Sa 28.3.: Gran Cabalgata, 17:00 Uhr (115 Karossen)

So 29.3.: Entierro de la Sardina, 19:00 Uhr + Tributo Juan Luis Guerra, 21:00 Uhr

Ob die Gran Cabalgata am Samstag tatsächlich stattfinden kann, hängt von der Wetterentwicklung der kommenden Tage ab. Die Veranstalter rechnen mit über 300.000 Besuchern — viele haben Flüge und Hotels bereits gebucht. Gleichzeitig kollidiert der Termin mit den Karnevalsumzügen in Carrizal (Ingenio) und Arguineguín (Mogán).

Historisch: Was Therese von anderen Stürmen unterscheidet

Die Borrasca Therese ist kein gewöhnlicher Sturm. Ihre Besonderheit ist die Dauer: Seit dem 18. März kreist das Tiefdruckgebiet über dem Archipel, zieht nicht weiter und reaktiviert sich immer wieder mit neuen konvektiven Zellen. Grillo verglich die Situation mit dem Unwetter von La Garita (Telde) im Jahr 2015, als 60 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit fielen und schwere Schäden anrichteten. Diesmal fielen in Bañaderos 153 Liter — mehr als das Doppelte.

Die Regenmengen sind die höchsten, die ganz Spanien in dieser Woche verzeichnet hat. In Südtenerife hat der Regen paradoxerweise eine Segnung gebracht: In Vilaflor de Chasna fielen über 300 Liter pro Quadratmeter — Mengen, die seit 15 Jahren nicht mehr erreicht wurden. Die Winzer sprechen von einer „Rettung“ für ihre Reben, die kurz vor dem Verdorren standen.

Wie geht es weiter?

Die AEMET erwartet, dass Therese ab dem Wochenende schwächer wird, aber die Instabilität über den Kanaren mindestens bis Anfang nächster Woche anhält. Für den heutigen Mittwoch gelten auf Gran Canaria, Tenerife, La Palma, La Gomera und El Hierro weiterhin Warnungen vor starken Regenfällen und Erdrutschen. Der Rat der Behörden bleibt: Unnötige Fahrten vermeiden, Barrancos meiden, offizielle Kanäle verfolgen. Der Cabildo warnte am Dienstag ausdrücklich: „Es gibt Leute, die die Borrasca auf die leichte Schulter nehmen. Es kann Tote geben. Das Wasser kommt plötzlich aus den Höhenlagen.“

Für Urlauber in Maspalomas und Playa del Inglés heißt das: Die Hotels und Restaurants im Süden sind geöffnet, die Grundversorgung steht. Aber Ausflüge in die Berge, ins Zentrum der Insel oder nach Arucas sollten bis auf Weiteres verschoben werden. Der Karneval geht weiter — aber unter dem Vorbehalt des Wetters.

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