Gran Canaria hat 2025 einen neuen Meilenstein in der Energiewende erreicht: Laut vorläufigen Daten von Red Eléctrica de España deckten erneuerbare Energien 25,95 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Insel. Von insgesamt 3.387.172 Megawattstunden (MWh) Verbrauch wurden 878.917 MWh aus Wind- und Solarenergie erzeugt. Damit liegt die Insel fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Kanarischen Inseln — ein Signal, das weit über die Energiepolitik hinausreicht.

Rekord am 1. Dezember: 66,5 Prozent erneuerbar

Den absoluten Höhepunkt erreichte Gran Canaria am 1. Dezember 2025 um 12:29 Uhr: In diesem Moment lieferten Wind- und Solarkraftwerke zusammen 66,5 Prozent des Strombedarfs — der höchste jemals gemessene Wert im Inselsystem. Der bisherige Rekord bei der Windenergie allein wurde am 19. August 2025 aufgestellt, als die Windparks 265,29 MWh in einer Stunde produzierten.

Auch die Photovoltaik stellt neue Bestmarken auf: Am 6. Februar 2026 erzeugten die Solaranlagen im Netz 120,92 MWh — ein neuer Inselrekord. Zwei Tage später, am 8. Februar, deckten sie allein 31,2 Prozent der Nachfrage. Und all diese Zahlen schließen den Eigenverbrauch privater Solaranlagen noch nicht einmal ein.

Erneuerbare Energien Gran Canaria 2025

25,95 % — Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch

878.917 MWh — aus Wind und Solar erzeugt

3.387.172 MWh — Gesamtstromverbrauch der Insel

66,5 % — Rekord-Abdeckung am 1. Dezember 2025

265,29 MWh — Windenergie-Rekord pro Stunde

120,92 MWh — Photovoltaik-Rekord am 6. Februar 2026

Cabildo fordert „Ausnahme Makaronesien" beim Strommarkt

Cabildo-Präsident Antonio Morales und sein Energieberater Joan Herrera haben im Februar eine umfassende Reform des kanarischen Strommarktes gefordert. Der Kern: Gran Canaria und die übrigen Inseln sollen von den peninsularen Strommarkt-Regeln ausgenommen werden — so wie es die Azoren und Madeira bereits praktizieren.

Das Problem ist paradox: Je mehr erneuerbare Energie installiert wird, desto mehr davon wird verschwendet. Der Grund liegt im veralteten Dispatch-System, das für fossile Kraftwerke konzipiert wurde und keine modernen Speicher- und Flexibilitätsmechanismen kennt. Morales betonte: „Unser System hängt nach wie vor überwiegend von importierten fossilen Brennstoffen ab — das macht uns wirtschaftlich, klimatisch und geopolitisch verwundbar."

Die rechtliche Grundlage existiert bereits: Artikel 349 des EU-Vertrags (AEUV) erlaubt Sonderregelungen für ultraperiphere Regionen wie die Kanarischen Inseln. Die EU-Kommission hat diesen Rahmen ausdrücklich anerkannt — bisher nutzt ihn Spanien für seine Inseln aber nicht.

Salto de Chira: Der Game-Changer im Bau

Ein Schlüsselprojekt für die Energiezukunft Gran Canarias ist der Salto de Chira — ein Pumpspeicherkraftwerk zwischen den Stauseen Soria und Chira in den Bergen oberhalb von Mogán. Mit einer geplanten Investition von 320 Millionen Euro soll die Anlage überschüssige Wind- und Solarenergie speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen.

Zusammen mit geplanten Offshore-Windparks und Geothermie-Projekten könnte Gran Canaria seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bis 2030 erheblich reduzieren. Das Ziel der kanarischen Regierung: mindestens 58,2 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen bis Ende des Jahrzehnts.

Was bedeutet das für Bewohner und Touristen?

Für Expats und langfristige Residenten auf Gran Canaria bedeutet die Energiewende mittelfristig stabilere und potenziell niedrigere Strompreise — vorausgesetzt, die Speicherinfrastruktur wird rechtzeitig ausgebaut. Aktuell zahlen Verbraucher auf den Kanaren deutlich mehr für Strom als auf dem Festland, obwohl der IGIC-Steuersatz mit 7 Prozent weit unter der peninsularen IVA von 21 Prozent liegt.

Für Touristen in Maspalomas, Playa del Inglés und Meloneras ist die Entwicklung ebenfalls relevant: Hotels und Resorts im Süden investieren zunehmend in eigene Solaranlagen. Der Trend zum nachhaltigen Tourismus wird durch die Inselpolitik aktiv gefördert — ein Argument, das Gran Canaria im internationalen Wettbewerb als zukunftsorientiertes Reiseziel stärkt.

Energiewende Gran Canaria — Ausblick

Ziel 2030: 58,2 % erneuerbare Stromerzeugung

Salto de Chira: 320 Mio. € Pumpspeicherkraftwerk im Bau

6 isolierte Systeme: keine Verbindung zwischen den Inseln

Forderung: „Ausnahme Makaronesien" nach Azoren-Modell

EU-Grundlage: Artikel 349 AEUV (ultraperiphere Regionen)

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