Dieser Guide wird monatlich aktualisiert. Letzte Aktualisierung: 23. März 2026

NIE beantragen: Deine erste Amtshandlung

Die NIE (Número de Identificación de Extranjero) ist deine persönliche Steueridentifikationsnummer in Spanien. Du brauchst sie für fast alles: Bankkonto eröffnen, Mietvertrag unterschreiben, Autokauf, SIM-Karte, Arbeitsvertrag. Die Nummer ist lebenslang gültig und ändert sich nie.

NIE beantragen auf Gran Canaria

Wo: Oficina de Extranjería, Calle Luis Doreste Silva 101, Las Palmas

Kosten: ca. 12 € (Tasa 790, bei CaixaBank zahlbar)

Dauer: Mit Termin 1–2 Stunden, NIE sofort ausgehändigt

Formulare: EX-15 (nur NIE) oder EX-18 (NIE + Residencia)

Dokumente: Reisepass + Kopie, Adressnachweis (Mietvertrag), Einkommensnachweis (min. 600 €/Monat oder 5.000 € Ersparnisse)

Tipp: Termine werden morgens zwischen 7 und 8 Uhr freigeschaltet. Täglich prüfen — Stornierungen werden sofort neu vergeben. Agenturen verlangen 100–200 € für den gleichen Prozess — unnötig.

Residencia: Wann du sie brauchst

Die NIE allein macht dich nicht zum Residenten. Die Residencia (offiziell: Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión) wird verlangt, wenn du länger als drei Monate am Stück auf den Kanarischen Inseln lebst. EU-Bürger haben grundsätzlich das Recht dazu — vorausgesetzt sie können Einkommen oder ausreichende Mittel nachweisen.

Die Residencia bringt konkrete Vorteile: 50% Rabatt auf Flüge zwischen den Inseln und zum spanischen Festland, Zugang zum Empadronamiento (Anmeldung beim Rathaus) und in der Folge zu allen kommunalen Leistungen. Wer offiziell Resident wird, ist in der Regel auch steuerlich in Spanien ansässig — die Konsequenzen für Rente, Einkommen und Erbschaft solltest du vorher mit einem Steuerberater klären.

Steuern: IGIC statt Mehrwertsteuer

Einer der größten Vorteile des Lebens auf den Kanaren: Es gibt keine Mehrwertsteuer. Stattdessen gilt der IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) — mit einem Normalsatz von nur 7% statt 21% wie im restlichen Spanien. Lebensmittel, Wasser, Bücher und öffentlicher Transport werden sogar mit 0% besteuert.

Steuersystem Kanaren — Überblick

IGIC: 7% Normalsatz (statt 21% IVA auf dem Festland)

IGIC 0%: Lebensmittel, Wasser, Bücher, Transport zwischen Inseln

IGIC 3%: Reduzierter Satz für Industrie, Medikamente, bestimmte Dienstleistungen

ZEC: Zona Especial Canaria — nur 4% Körperschaftsteuer (statt 25% in Spanien / 21% EU-Schnitt)

IGIC-Befreiung ab Juli 2026: Selbstständige unter 50.000 € Jahresumsatz müssen kein IGIC berechnen (REPEP-Regime)

Erbschaftsteuer: 99,9% Ermäßigung auf die Steuerschuld — nicht auf die Erbschaft — für die Gruppen I bis III (Artikel 24 ter, Decreto Legislativo 1/2009). Bei 200.000 Euro vom Vater an den Sohn bleiben rund 27 Euro, bei fünf Millionen rund 1.620 Euro; war die Wohnung die Hauptwohnung des Verstorbenen, können es null sein

Für Digital Nomads und Freelancer besonders relevant: Ab 1. Juli 2026 können Selbstständige mit einem Jahresumsatz unter 50.000 € die IGIC-Befreiung beantragen. Statt vier Quartalsmeldungen gibt es dann nur noch eine Jahresmeldung — ein enormer Bürokratie-Abbau. Mehr dazu in unserem Artikel zur IGIC-Befreiung.

Die ZEC (Zona Especial Canaria) ist für Unternehmensgründer interessant: Wer eine neue Gesellschaft auf den Kanaren gründet, bestimmte Investitions- und Beschäftigungsbedingungen erfüllt und eine ZEC-Zulassung erhält, zahlt nur 4% Körperschaftsteuer. Das ist der niedrigste Satz in der EU.

Krankenversicherung & Gesundheit

EU-Bürger mit Europäischer Krankenversicherungskarte (EHIC) haben Anspruch auf medizinische Notversorgung. Für einen dauerhaften Aufenthalt brauchst du aber eine vollwertige Krankenversicherung — entweder über die spanische Seguridad Social (bei festem Job) oder eine private Krankenversicherung.

Im Süden Gran Canarias gibt es mit dem Hospital San Roque Maspalomas ein modernes Privatkrankenhaus. Das öffentliche Hospital Doctor Negrín in Las Palmas ist das größte der Insel. Apotheken (Farmacias) sind gut verteilt — auch in Playa del Inglés und Maspalomas gibt es mehrere mit Notdienst.

Notfallnummer: 112 (europaweit, mehrsprachig)

Mietmarkt im Süden: Die Realität

Der Mietmarkt in Maspalomas, Playa del Inglés und Umgebung ist angespannt. Die Preise sind in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen — getrieben durch Ferienvermietung, ausländische Käufer und begrenzte Neubautätigkeit. Ein Einzimmer-Apartment in Playa del Inglés kostet aktuell zwischen 700 und 1.200 € pro Monat. In Maspalomas oder Meloneras liegen möblierte Wohnungen bei 1.000 bis 1.800 €.

Die Gemeinde San Bartolomé de Tirajana hat kürzlich eine 12-jährige Residenzpflicht für Sozialwohnungen eingeführt. Und die Kanarische Regierung arbeitet daran, den Wohnungskauf durch ausländische Nicht-Residenten zu beschränken. Der Markt ist in Bewegung.

Tipp: Idealista.com und Fotocasa.es sind die größten Portale. Für Langzeitmieten im Süden lohnt sich auch ein direkter Besuch bei lokalen Immobilienbüros — viele Angebote erscheinen nie online.

Arbeiten & Coworking

Las Palmas hat rund 50 Coworking Spaces — im Süden Gran Canarias ist das Angebot dünner, aber wachsend. Die meisten Nomaden im Süden arbeiten aus ihren Apartments, Cafés oder Hotel-Lobbys. Wer einen dedizierten Arbeitsplatz sucht, findet Optionen in der Nähe von San Agustín und Vecindario.

Internet ist kein Problem: Glasfaser ist in den touristischen Gebieten des Südens Standard mit 100–500 Mbit/s. Auch Mobilfunk (4G/5G) ist gut ausgebaut. Die Zeitzone GMT/WEZ (UTC+0 im Winter, UTC+1 im Sommer) macht die Kanaren zum idealen Arbeitsplatz für europäische Remote-Worker — eine Stunde hinter dem Festland.

Bankkonto eröffnen

Ein spanisches Bankkonto ist nicht zwingend nötig — viele Expats nutzen N26, Revolut oder Wise problemlos. Für Mietverträge, Strom und Internet wird aber oft ein spanisches Konto verlangt. CaixaBank, Sabadell und Openbank (Online-Bank der Santander-Gruppe) sind für Ausländer am unkompliziertesten. Du brauchst: NIE + Reisepass + Adressnachweis.

Empadronamiento: Anmeldung beim Rathaus

Das Empadronamiento ist die Anmeldung deines Wohnsitzes bei der Gemeinde. Es ist Pflicht für jeden der in Spanien lebt und Voraussetzung für viele Leistungen — von der SIP-Gesundheitskarte bis zum Residentenrabatt auf Flüge. In San Bartolomé de Tirajana (zuständig für Maspalomas/Playa del Inglés) geht das im Rathaus in San Fernando oder online. Du brauchst: NIE, Reisepass, Mietvertrag oder Eigentumsnachweis.

Alltag im Süden: Was du wissen solltest

Sprache: Im touristischen Süden kommst du mit Englisch und Deutsch gut zurecht. Für Behördengänge und den Alltag außerhalb der Touristenzonen ist Spanisch aber essentiell. Viele Immobilienbüros, Ärzte und Anwälte im Süden sprechen Deutsch.

Autofahren: Ein Mietwagen oder eigenes Auto ist im Süden fast unvermeidlich. Der öffentliche Bus (Guaguas Global) verbindet die Hauptorte, aber die Taktung ist limitiert. Es gibt keine Autobahnmaut auf Gran Canaria. Tankstellen sind billiger als auf dem Festland dank niedrigerer Steuern.

Lebenshaltungskosten: Supermarkt-Ausgaben liegen bei ca. 200–300 € pro Monat. Essen gehen ist günstiger als in Mitteleuropa — ein Menú del Día kostet 8–12 €. Strom ist teurer als auf dem Festland, Wasser ist knapp und kostbar.

Sicherheit: Der Süden Gran Canarias gilt als eines der sichersten Gebiete Europas. Unser Safety Guide zeigt einen Sicherheitsindex von 82 — höher als viele europäische Großstädte.

Expat-Checkliste Gran Canaria

1. NIE beantragen (Extranjería Las Palmas)

2. Residencia beantragen (wenn >3 Monate Aufenthalt)

3. Empadronamiento beim Rathaus

4. Bankkonto eröffnen (mit NIE)

5. Krankenversicherung klären (EHIC oder privat)

6. SIP-Gesundheitskarte beantragen (Centro de Salud)

7. Steuerberater konsultieren (IGIC, Einkommensteuer)

8. Mietvertrag oder Immobilie sichern

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