Die Kanarische Regierung hat am 9. März 2026 das strengste Sozialwohnungsgesetz Spaniens verabschiedet: Wer eine öffentlich geförderte Wohnung auf den Kanaren erhalten möchte, muss mindestens zwölf Jahre ununterbrochenen Wohnsitz nachweisen — oder fünfzehn Jahre bei unterbrochenem Wohnsitz. Zusätzlich fünf Jahre in der Gemeinde. CITA News, Ihr Nachrichtenportal für Gran Canaria, erklärt, was das neue Dekret für Residenten, Expats und Zugezogene auf den Kanarischen Inseln bedeutet.

Schluss mit dem Losverfahren

Das bisherige System basierte auf einem Losverfahren. Das neue Dekret ersetzt es durch eine objektive Baremación: Bewertung nach sozialen, wirtschaftlichen und familiären Kriterien. Familien mit niedrigem Einkommen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung und Opfer häuslicher Gewalt erhalten Vorrang.

Consejero Pablo Rodríguez erklärte, das Ziel sei ein „gerechteres, transparenteres" System. Die Einschreibung erfolgt künftig digital.

Neues Sozialwohnungsgesetz Canarias — Die Eckpunkte

Residenzpflicht: 12 Jahre ununterbrochen (oder 15 unterbrochen) auf den Kanaren

Gemeinde-Bindung: 5 Jahre Wohnsitz oder Arbeit in der Gemeinde

Einkommensgrenze: Max. 2,5× IPREM (~21.000 €/Jahr) für 100%-geförderte Wohnungen

Jugend-Quote: Min. 20 % für unter 35-Jährige reserviert

Ausnahme: Opfer häuslicher Gewalt von Gemeinde-Bindung befreit

Untervermietung: Verboten — auch als Ferienwohnung

Zwölf Jahre: Spaniens höchste Hürde

Die Kanaren setzen die höchste Residenzanforderung in ganz Spanien. Madrid plant zehn Jahre für Eigentum und fünf für Miete, das Baskenland verlangt nur ein Jahr. Der Consejo Consultivo de Canarias bewertete die Zeitspanne als „sehr hoch" — die Regierung setzte sich darüber hinweg.

Der Hintergrund: Touristischer Boom, steigende Mieten und Knappheit an bezahlbarem Wohnraum, besonders im Süden von Gran Canaria — Maspalomas, Playa del Inglés, San Bartolomé de Tirajana. Die Regierung will sicherstellen, dass öffentlicher Wohnraum an langjährige Bewohner geht.

Kritik: „Illegal und diskriminierend"

Das Kollektiv Derecho al Techo forderte die Annullierung und bezeichnete das Dekret als „illegal und juristisch anfechtbar". Kritiker argumentieren, es verstosse gegen Artikel 47 der Verfassung und Artikel 22 des kanarischen Autonomiestatuts. Der Vorwurf: Statt die strukturelle Wohnungsnot zu lösen, werde das Problem auf die Schwächsten abgewälzt.

Was bedeutet das für Expats?

Für europäische Residenten auf Gran Canaria — Deutsche, Briten, Skandinavier — hat das Dekret begrenzte direkte Auswirkungen, da die meisten nicht auf Sozialwohnungen angewiesen sind. Allerdings signalisiert es einen klaren Trend: Die Kanarische Regierung priorisiert langjährige Inselbewohner bei öffentlichen Ressourcen. Für Zugezogene mit wenigen Jahren Aufenthalt wird der Zugang zu staatlicher Wohnhilfe praktisch verschlossen.

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