Der Gobierno de Canarias hat fünf europäischen Fluggesellschaften insgesamt 695.796 Euro an Steuergeldern bewilligt — für die Eröffnung von sieben neuen internationalen Direktrouten auf die Kanarischen Inseln. Die Empfänger: Jet2, TUI, easyJet, SAS und Volotea. Die Partei Drago Canarias fordert den sofortigen Stopp der Subventionen. CITA News, Ihr Nachrichtenportal für Gran Canaria, ordnet die Debatte ein.

Fast 700.000 Euro für sieben neue Routen

Die Zahlen stehen im Boletín Oficial de Canarias vom 27. Januar 2026. Die höchsten Beträge gehen an Jet2: 180.236 Euro für die Verbindung Birmingham–La Palma und 171.314 Euro für London–La Palma. TUI erhält 103.452 Euro für Stockholm–Fuerteventura, SAS bekommt 85.019 Euro für Kopenhagen–Fuerteventura. easyJet kassiert 66.270 Euro für Basel–La Palma, Volotea 46.835 Euro für Nantes–La Palma und 42.668 Euro für Marseille–Gran Canaria.

Das Programm zielt auf Inseln mit weniger Direktverbindungen — vor allem La Palma und Fuerteventura profitieren. Für den Süden Gran Canarias ist die neue Verbindung Marseille–Gran Canaria relevant: eine Route, die den französischen Markt direkt an Maspalomas und Playa del Inglés anbindet.

Die sieben subventionierten Routen

Jet2: Birmingham → La Palma (180.236 €) · London → La Palma (171.314 €)

TUI: Stockholm → Fuerteventura (103.452 €)

SAS: Kopenhagen → Fuerteventura (85.019 €)

easyJet: Basel → La Palma (66.270 €)

Volotea: Nantes → La Palma (46.835 €) · Marseille → Gran Canaria (42.668 €)

Gesamt: 695.796,65 €

Drago Canarias: „Die Inseln haben ihre Kapazitätsgrenze überschritten"

Die kanarische Partei Drago Canarias hat die Subventionen scharf kritisiert. Nationalsprecherin Carmen Peña: „Wir sind uns alle einig, dass die Kanaren ihre Belastungsgrenze überschritten haben — aber sie bringen trotzdem immer mehr Touristen." Die Partei sieht Opportunitätskosten: Während die Regierung Flugrouten finanziere, seien die Etats für Wissenschaft, Technologie und Forschung chronisch unterfinanziert.

Der Vorwurf trifft einen Nerv. 2025 war ein Rekordjahr: 18,4 Millionen Touristen besuchten die Kanarischen Inseln, davon 16,3 Millionen aus dem Ausland. Der Gesamtumsatz des Sektors erreichte 23,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst die Anti-Tourismus-Bewegung — die Kanaren landeten 2026 auf Fodor's No-Travel-Liste.

Die Gegenposition: Ohne Subventionen stirbt die Anbindung

Befürworter des Programms argumentieren, dass die Subventionen gerade nicht den Massentourismus auf Teneriffa oder Gran Canaria befeuern, sondern Inseln mit dünnem Routennetz stützen. La Palma — nach dem Vulkanausbruch 2021 wirtschaftlich geschwächt — erhält allein fünf der sieben geförderten Routen. Ohne Anschubfinanzierung würden Airlines das Risiko neuer Strecken zu kleinen Inseln nicht eingehen.

Zudem: 700.000 Euro sind im Verhältnis zum 23-Milliarden-Tourismuskuchen ein Rundungsfehler. Die eigentliche Overtourism-Debatte dreht sich um Kreuzfahrtschiffe, All-Inclusive-Resorts und den Wohnungsmarkt — nicht um sieben Nischenrouten.

Was bedeutet das für Gran Canaria?

Für den Süden Gran Canarias hat die Debatte direkte Relevanz. Die Insel verzeichnete 2025 über 4,1 Millionen ausländische Touristen — ein Plus von 3,5 Prozent. Die neue Volotea-Route Marseille–Gran Canaria ergänzt das bestehende Netz und könnte den französischen Markt stärken, der bisher hinter Großbritannien und Deutschland zurückbleibt.

Gleichzeitig stehen die steigenden Spritpreise durch die Iran-Krise im Kontrast zu den Subventionen: Die Regierung zahlt Airlines fürs Kommen, während die Treibstoffkosten den Tourismus ohnehin unter Druck setzen. Und auf der ITB Berlin warb Gran Canaria gerade erst um noch mehr deutsche Touristen.

Ausblick: Debatte wird lauter

Die Subventionsfrage ist Teil eines größeren Konflikts. Die kanarische Gesellschaft ist gespalten: Jeder vierte Arbeitsplatz hängt am Tourismus — aber die Wohnungspreise explodieren, die Infrastruktur ächzt, und die Lebensqualität der Einheimischen leidet. Die Forderung nach einer Tourismussteuer oder einem Moratorium wird 2026 weiter an Fahrt aufnehmen.

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