Das Wichtigste in Kürze

Stromdefizit: Gran Canaria fehlen 120–140 Megawatt
Lösung: Powership der türkischen Firma Karpowership, Klasse Shark, 125 MW
Problem: Das Schiff belegt 200 Meter Kai im geschäftigsten Atlantikhafen
Vertrag: Mindestens 3 Jahre, jährlich verlängerbar
Politischer Konflikt: Calzada (CC), Darias (PSOE), Morales (NC) blockieren sich gegenseitig
Geopolitischer Kontext: Suez- und Iran-Krise machen Las Palmas zur Pflichtstation der globalen Schifffahrt

Die Ausgangslage: Ein Hafen unter Druck

Der Hafen von Las Palmas (Puerto de la Luz) hat eines der aktivsten Jahre seiner Geschichte hinter sich. Seit die Schifffahrt im Roten Meer durch den Huthi-Konflikt unsicher ist, nutzen große Reedereien wie MSC, Maersk und CMA-CGM die Route um das Kap der Guten Hoffnung — und Las Palmas liegt direkt auf dem Weg. MSC hat den Hafen zu einer dauerhaften Drehscheibe erklärt, nicht mehr nur zu einem Nothafen. Das Bunkering-Geschäft erreichte 2025 rund 2,6 Millionen Tonnen.

Die Eskalation im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus hat den Trend nochmals verstärkt. Große Reedereien haben ihre Routen erneut umgeleitet. Mehr Schiffe bedeuten mehr Bedarf an Kai, Lager und Logistik — und genau in diesem Moment wird der Platz knapp.

Das Powership: 200 Meter Kai für Strom

Gran Canaria hat ein Stromproblem. Die Insel hat ein Defizit von 120 bis 140 Megawatt, und die bestehenden Kraftwerke sind am Limit. Die Lösung des kanarischen Energieministeriums: ein schwimmendes Kraftwerk (Powership) der türkischen Firma Karpowership, Klasse Shark, 125 MW, soll im Hafen anlegen und Strom ins Netz einspeisen.

Das Schiff belegt rund 200 Meter Anlegeplatz — mitten im geschäftigsten Hafen des Atlantiks. Die Hafengemeinschaft reagiert mit Skepsis. Der Vertrag läuft auf mindestens drei Jahre, mit jährlicher Verlängerungsoption, bis die neuen Kraftwerke an Land fertig sind. Niemand weiß genau, wann das sein wird.

Kritiker — darunter Ärzte, Umweltschützer und Politiker — argumentieren, dass das Powership fossile Abhängigkeit verlängert, die Luft in der dicht besiedelten Hafenumgebung belastet und kein strukturelles Problem löst. Einige Akademiker haben sogar einen schwimmenden Nuklearreaktor als Alternative vorgeschlagen.

Das Powership in Zahlen

→ Karpowership Shark-Klasse, 125 MW
→ Betrieb mit schwefelarmem Heizöl oder Schiffsdiesel
→ Ca. 200 Meter Kai belegt
→ Vertragslaufzeit: mindestens 3 Jahre
→ Zweck: Überbrückung bis neue Kraftwerke an Land stehen

Der politische Machtkampf

Der Verwaltungsrat der Hafenbehörde (Autoridad Portuaria de Las Palmas) ist eigentlich ein technisches Gremium. In der Praxis ist er zum Schlachtfeld geworden — befeuert durch die Vorwahlzeit 2027.

Drei Akteure stehen im Zentrum: Beatriz Calzada (Coalición Canaria), Präsidentin der Hafenbehörde. Carolina Darias (PSOE), Bürgermeisterin von Las Palmas. Antonio Morales (Nueva Canarias), Präsident des Cabildo von Gran Canaria.

Die Konflikte haben sich aufgestaut. Das Projekt Puerto-Ciudad — eine Integration von Hafen und Stadt mit Grünflächen und Bürgernutzung — war zwischen Hafenbehörde und Rathaus abgestimmt, bis Missverständnisse zwischen Calzada und Darias den Konsens sprengten. Die Hafenbehörde ließ den Istmo-Park einseitig bauen.

Dann kam der Streit um die Gasanlage von Totisa: Morales und Darias kämpften gemeinsam dagegen, die Regierung von Canarias legte ein negatives Gutachten vor, Totisa zog den Antrag zurück. Das war eine Niederlage für Calzada.

Morales hat zudem Calzadas Annäherung an den Hafen von Dakhla im Westsahara scharf kritisiert — als strategischen Fehler, weil Dakhla zum direkten Konkurrenten von Las Palmas werden könnte.

Der jüngste Konflikt: Die Ernennung der neuen Geschäftsführerin der Stiftung Puertos de Las Palmas zur Vertreterin der Hafenbehörde bei der Universitätsstiftung FULP. Morales warf Calzada vor, die Stiftung parteipolitisch zu nutzen.

Die Akteure

→ Beatriz Calzada (CC) — Präsidentin Hafenbehörde
→ Carolina Darias (PSOE) — Bürgermeisterin Las Palmas
→ Antonio Morales (NC) — Präsident Cabildo Gran Canaria
→ Konflikte: Puerto-Ciudad, Gasanlage, Dakhla, Stiftung

Der geopolitische Bonus

Während die Politiker streiten, boomt das Geschäft. Die Suez-Krise seit 2023 und jetzt die Iran-Eskalation haben Las Palmas zur Pflichtstation für die globale Schifffahrt gemacht. Reedereien wie MSC haben langfristige Kapazitäten aufgebaut — das geht über punktuelle Notfall-Umleitungen hinaus.

Das Bunkering (Schiffsbetankung) bleibt stark, der Containerumschlag steigt, und die Hafenbetreiber melden Platzmangel. In genau dieser Phase soll ein 200-Meter-Schiff für die Stromversorgung einen der besten Liegeplätze belegen. Die Ironie entgeht niemandem.

Was auf dem Spiel steht

Der Hafen von Las Palmas hat eine historische Chance: Die globale Schifffahrt braucht ihn mehr als je zuvor. Gleichzeitig blockieren sich drei Institutionen gegenseitig, die Stromkrise frisst Hafenkapazität, und die Wahlkampfinteressen von 2027 überlagern technische Entscheidungen.

Die Fragen, die sich stellen: Wo genau kommt das Powership hin — und auf wessen Kosten? Kann der Verwaltungsrat über den Wahlkampf hinaus funktionieren? Und nutzt Las Palmas den geopolitischen Moment — oder verschläft die Stadt ihn zwischen drei Büros?

Quellen: AtlánticoHoy (11.4.2026), Canarias7, COPE Gran Canaria, Puente de Mando, elPeriódico de la Energía, CrónicasLanzarote.