Wer am Samstag, 23. Mai 2026, um kurz nach sieben Uhr morgens ins Wasser der Playa Grande in Puerto del Carmen geht, weiss: Die nächsten 15 Stunden werden keine normalen sein. 3,8 Kilometer schwimmen im Atlantik, 180,2 Kilometer mit dem Rad durch schwarze Lavafelder und über den berüchtigten Anstieg zum Mirador del Río, 42,2 Kilometer Marathon an der Küste — das ist der IRONMAN Lanzarote. Stand heute eine der härtesten Langdistanzen im internationalen Kalender, gemeinsam mit Kona und Nizza in einer Liga.
Die 34. Ausgabe wird in mehrfacher Hinsicht historisch sein. Es ist das letzte Mal, dass Club La Santa — der Sportkomplex im Norden der Insel, der den Wettkampf seit 1992 ausrichtet — als Veranstalter und Namensgeber auftritt. In einer gemeinsamen Mitteilung mit der Marke IRONMAN bestätigten beide Parteien am 14. April 2026, dass sich der Club nach diesem Jahr aus der Organisation zurückzieht. Der Wettkampf soll danach weiterlaufen, dann aber unter direkter Regie der IRONMAN-Gruppe. Wie genau, ist offen.
Warum diese Strecke eine Ausnahme ist
Der IRONMAN Lanzarote hat seit seiner ersten Auflage 1992 den Ruf, die härteste IRONMAN-Strecke Europas zu sein. Mehr als 2.500 Höhenmeter auf dem Radkurs, dazu die Passatwinde, die zwischen Timanfaya-Nationalpark und Mirador del Río kaum eine Sekunde Pause lassen. Die Profi-Triathletin Lucy Charles-Barclay, die 2017 und 2025 hier gewann, nennt es „einen der fairsten Wettkämpfe der Welt" — was in der Sprache der Szene heisst: Hier kann man sich nicht durchmogeln, hier zählen nur Kraft und Kopf.
Die Route führt durch Landschaften, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt: die Lavafelder von Timanfaya, den Weinberg-Kessel von La Geria, die Küste bei Puerto del Carmen, den Aufstieg zum Mirador del Río mit Blick auf La Graciosa. Der Marathon endet in Puerto del Carmen, wo an der Zielgeraden jedes Jahr Tausende Zuschauer bis weit in die Nacht stehen bleiben — auch für die Athleten, die mehr als vierzehn Stunden brauchen.
In der Ausgabe 2025, bei 1.150 gestarteten Triathleten, bewerteten 91,5 Prozent der Teilnehmer die Veranstaltung positiv — fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Sieger wurden der Franzose Dylan Magnien und die Britin Lucy Charles-Barclay, der Spanier Jordi Montraveta belegte bei den Herren den zweiten Platz.
50.000 Athleten in 34 Jahren
Zahlen, die das Ausmass zeigen: Laut Club La Santa haben seit 1992 rund 50.000 Athleten an der Strecke teilgenommen. Das sind keine abstrakten Zahlen — das sind 50.000 Menschen, die in Lanzarote Monate an Vorbereitung investiert haben, Flugtickets gekauft, Hotelbetten gebucht, Verpflegung organisiert. Für die Insel ist der IRONMAN seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Impulse für Sporttourismus.
Entsprechend liest sich die Liste der Unterstützer wie ein Who's Who der kanarischen Institutionen: Die Regierung der Kanaren, der Cabildo de Lanzarote, Lanzarote Sports Destination und die Rathäuser aller sieben Gemeinden der Insel stehen hinter der Veranstaltung. Zum Rennwochenende werden neben den Athleten mehrere tausend Angehörige und Zuschauer erwartet — in einer Woche, in der die Insel ohnehin in der Vorsaison schon hohe Auslastung hat.
Was 2027 passiert, ist noch offen
Die Ankündigung von Club La Santa vor knapp einer Woche lässt offen, wie der Wettkampf nach 2026 aussehen wird. Das Cabildo de Lanzarote versicherte gegenüber der Nachrichtenagentur EFE, dass die Veranstaltung auf der Insel bleibt — in welcher organisatorischen Form, welcher Marke, mit welchem Anbieter vor Ort, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommuniziert.
Fabio Cabrera, der Rennleiter, dankte in der Abschiedsmitteilung allen Institutionen, Sicherheitskräften, Rettungsdiensten, Sponsoren, Angestellten und den Hunderten Freiwilligen, „deren Einsatz das Ereignis jedes Jahr möglich macht". Der Club selbst wird weiter im Sportbereich aktiv bleiben — unter anderem mit der Vuelta Ciclista a Lanzarote, dem Volcano Triathlon (dem ältesten Triathlon Spaniens) und dem 4 Stage MTB Race Lanzarote.
Der 23. Mai: mehr als ein Sportereignis
Für Teilnehmer, die an diesem Morgen in Puerto del Carmen ins Wasser gehen, ist der 23. Mai 2026 zunächst einmal ein persönlicher Extremtag. Für Lanzarote ist es der Schlusspunkt einer 34-jährigen Geschichte unter einem Namen, der weit über die Insel hinaus bekannt ist. Die Anmeldung ist seit August 2025 geöffnet, die Startplätze sind limitiert; wer 2026 dabei sein will, sollte nicht lange warten.
Was bleibt, ist der Kurs — Schwimmen an der Playa Grande, Radfahren durch Timanfaya und La Geria, Hinaufkämpfen zum Mirador del Río, Marathon zurück an die Küste. Das hat sich in 34 Jahren kaum verändert, und wird sich auch 2027 nicht ändern. Nur der Name am Startbogen, der wird ein anderer sein.