Ein Stützgerüst, eine Kühltruhe, ein ganzes Wochenende

In Valsequillo spricht man über die Rallye, wie anderswo über die Kirmes — nur mit mehr Ernst. Das Bergdorf 25 Kilometer südlich von Las Palmas de Gran Canaria ist in diesem Jahr zum zweiten Mal Schauplatz einer Weltmeisterschaftsetappe. Und für viele Bewohner beginnt die Vorbereitung darauf nicht erst in der Woche davor, sondern zwölf Monate im Voraus — im Urlaubsantrag beim Arbeitgeber.

Die Tageszeitung Canarias7 hat heute Morgen ein Fan-Quartett aus dem Ort porträtiert: Jonathan, seinen Vater Jorge, dazu die Freunde Toni und Samuel. Die vier haben ihre freien Tage bereits direkt nach der Rallye-Ausgabe des vergangenen Jahres beantragt, um den 50. Rally Islas Canarias vom 23. bis 26. April komplett mitzuerleben. Ihre Begründung, in einem Satz zusammengefasst: Die besten Fahrer und Wagen der Welt durch die Kurven des eigenen Dorfes jagen zu sehen, sei mit Geld nicht zu bezahlen.

Der Plan der Gruppe ist minutiös. Donnerstagabend: Auftakt mit der Spezialprüfung BP Ultimate — Circuito Islas Canarias im Estadio de Gran Canaria, Tickets bereits in der Tasche. Übernachtung wird in San Mateo improvisiert — Grund: Am Freitagmorgen um 9.23 Uhr und am Nachmittag um 15.59 Uhr donnern die Wagen zweimal zwischen Tejeda und San Mateo durch. Samstag dann mit dem Motorrad in den Süden, nach Maspalomas, Durchgänge um 8.20 und 14.50 Uhr. Der Höhepunkt folgt am Sonntag: die Etappe Ingenio–Valsequillo, vermutlich entscheidend für die Gesamtwertung. Jonathan und Freunde werden sie von einem selbst aufgebauten Gerüst auf einem Transporter aus beobachten, Standort: Las Vegas, ein Ortsteil von Valsequillo. Dazu Kühltruhe, Getränke, mehrere Kilo Fleisch auf dem Rost. Wer vorbeikommt, darf mitessen.

Die 50. Auflage — mit Weltmeistern und einem Lokalmatador

Der Rally Islas Canarias geht in diesem Jahr zum zweiten Mal als offizieller Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) über die Bühne — ein Status, den die Veranstaltung mit der Premiere 2025 erreicht hat. Auf der Startliste stehen Namen, die man sonst nur aus Finnland oder Monte Carlo kennt: der achtfache Weltmeister Sébastien Ogier (Toyota), der belgische Spitzenpilot Thierry Neuville (Hyundai), dazu Dani Sordo, kantabrischer Publikumsliebling, der schon vergangene Woche in Valsequillo testfuhr. Für viele der Porträtierten ist das ein «Vorgeschmack» auf die eigentliche Woche.

Und mittendrin: Pedro Peñate. Dakar-Veteran aus Valsequillo, der in diesem Frühjahr als erster Spanier überhaupt alle Kategorien der Rally Dakar abgeschlossen hat. Nun gibt er im Renault Clio Rally5 sein WRC-Debüt — an seiner Seite Fátima Toledo, erste Frau aus La Palma in der Rallye-Weltmeisterschaft. Peñate ist der erste Sohn Valsequillos, der auf WRC-Niveau antritt; Bürgermeister Juan Carlos Atta spricht von einem «tremendem Stolz für die ganze Gemeinde». Wenn die Wagen durch Las Vegas pfeifen, werden zwischen Ogier und Neuville also auch ein paar heisere Rufe für einen der eigenen zu hören sein.

Programm 50. Rally Islas Canarias (WRC) — 23.–26. April 2026

  • Donnerstag, 23. April: Auftakt mit Spezialprüfung BP Ultimate — Circuito Islas Canarias im Estadio de Gran Canaria
  • Freitag, 24. April: Tejeda–San Mateo (Durchgänge 9.23 und 15.59 Uhr)
  • Samstag, 25. April: Maspalomas (Durchgänge 8.20 und 14.50 Uhr)
  • Sonntag, 26. April: Ingenio–Valsequillo, Königsetappe und Entscheidung

Warum das über Valsequillo hinausweist

Vier Freunde mit einem Stützgerüst und einer Portion Grillfleisch sind für sich genommen eine Anekdote. Was die Szene zeigt, reicht weiter: Der Rally Islas Canarias ist in kurzer Zeit vom regionalen Saisonhöhepunkt zum Identitätsanker einer ganzen Gemeinde geworden. In Valsequillo wird die Rallye-Woche inzwischen so behandelt, wie andere Orte ihre Patronatsfeste behandeln — mit Urlaubstagen, Familienaufgebot und einem Selbstverständnis, das kein Tourismusamt hätte herbeischreiben können.

Für Besucher, die dem Wochenende zuschauen wollen: Die Strecke Ingenio–Valsequillo am Sonntag ist der Klassiker mit Aussicht — wer nicht selbst ein Gerüst mitbringt, findet entlang der GC-41 genug natürliche Hänge, die einen Überblick erlauben. Früh kommen, Wasser mitbringen, Schuhe nicht weiss.

Die Reportage über Jonathan, Jorge, Toni und Samuel stammt ursprünglich von David Rodríguez Medina in Canarias7 (Ausgabe vom 20. April 2026). CITA News hat Szenen, Zeitangaben und Programmpunkte in eigener Darstellung nacherzählt. Fahrer- und Starterinformationen: offizielle Teilnehmerliste des Veranstalters sowie WRC.com.