Warum ein Auto auf den Kanaren fast Pflicht ist
Ohne Auto sind die Kanaren schwierig. Der öffentliche Nahverkehr existiert, aber er ist langsam, lückenhaft und für den Alltag jenseits der Hauptstädte kaum praktikabel. Wer im Süden von Gran Canaria oder außerhalb der Stadtgebiete von Teneriffa lebt, kommt um ein Fahrzeug nicht herum.
| Option | Kosten | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Kauf Neuwagen | IGIC 7 % (0 % E-Auto) | Eigentum, langfristig günstig | Hohe Anfangsinvestition |
| Kauf Gebraucht (privat) | Kein ITP (steuerfrei) | Keine Steuer beim Kauf | Zustand unbekannt |
| Langzeitmiete | 350–600 €/Monat | Flexibel, inkl. Versicherung | Langfristig teurer |
| Renting (Leasing) | ab 250 €/Monat | Steuerlich absetzbar | Kein Eigentumsrecht |
Die Frage ist nur: kaufen oder mieten? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: wie lange man bleibt, wie viel Kapital man binden will und ob man selbständig oder angestellt ist.
Die drei Optionen im Überblick
| Kriterium | Kauf | Langzeitmiete | Renting |
|---|---|---|---|
| Kapitalbindung | Hoch | Keine | Gering |
| Laufzeit | Unbegrenzt | 1–12 Monate | 12–48 Monate |
| Versicherung | Selbst | Inklusive | Inklusive |
| Wartung / ITV | Eigene Verantwortung | Inklusive | Inklusive |
| Wertverlust | Eigenes Risiko | Kein Risiko | Kein Risiko |
| Flexibilität | Gering | Sehr hoch | Mittel |
| Kosten ab | 3.000–5.000 € | 350–500 €/Mon. | 250–400 €/Mon. |
Option 1: Auto kaufen
Wer länger als ein bis zwei Jahre bleibt und wenig Lust hat, monatlich Geld für etwas zu zahlen, das ihm am Ende nicht gehört, kauft am besten. Die Kanaren haben dabei einen echten Steuervorteil: Statt der 21 % Mehrwertsteuer (IVA) des Festlands gilt hier der IGIC — zwischen 7 % und 13,5 % für Neuwagen. Für Elektroautos und Hybride unter 110 g/km CO₂ beträgt der IGIC sogar 0 %.
Neuwagen vom Händler
IGIC fällt auf den Kaufpreis an (7 % für normale Pkw). Dazu kommt der Impuesto de Matriculación, der sich nach dem CO₂-Ausstoß richtet — bei sparsamen Fahrzeugen unter 120 g/km: 0 %. Erst ab 160 g/km wird es teuer (bis 14,75 %).
Gebrauchtwagen von privat
Hier liegt der große Unterschied zum Festland. Auf dem spanischen Festland zahlt man beim Privatverkauf den ITP (4–8 % je nach Region). Auf den Kanaren gibt es keinen ITP — Gebrauchtwagenkäufe zwischen Privatpersonen sind steuerfrei. Trotzdem muss das Modelo 620 bei der Agencia Tributaria Canaria eingereicht werden.
Gebrauchtwagen vom Händler
Der Händler berechnet 7 % IGIC auf den Verkaufspreis.
Auto vom Festland importieren?
Wer ein Auto aus Peninsular-Spanien oder einem anderen EU-Land auf die Kanaren bringt, muss das Fahrzeug beim Zoll anmelden (DUA) und IGIC auf den Fahrzeugwert zahlen: 9,5 % bei bis zu 11 CVf, 15 % darüber. Dazu kommen Fährkosten (ca. 1.500–2.500 €). Wer aus beruflichen Gründen umzieht, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Steuerbefreiung beantragen.
Option 2: Langzeitmiete
Die Langzeitmiete (alquiler de larga duración) ist die klassische Lösung für die ersten Monate nach dem Umzug — oder für Menschen, die flexibel bleiben wollen. Mehrere kanarische Anbieter haben sich auf Mietzeiten von einem bis zwölf Monaten spezialisiert, darunter Cicar, TopCar, Autoreisen und Islacar.
Die Monatsraten liegen, je nach Fahrzeugklasse, zwischen 350 und 600 Euro und beinhalten in der Regel Vollkaskoversicherung, Wartung und Pannenhilfe.
Vorteil: keine Kapitalbindung, kein Wertverlust, kein Papierkram mit Zulassung und Versicherung. Nachteil: auf Dauer teurer als ein eigenes Auto, und die Vertragsbedingungen (Kilometergrenze, Selbstbeteiligung bei Schäden) variieren stark zwischen den Anbietern.
Klassische Kurzzeitmieter wie Europcar oder Hertz sind für Langzeitmieten in der Regel deutlich teurer als die lokalen Anbieter.
Option 3: Renting (Leasing)
Das Renting ist eine Mischform zwischen Kauf und Miete — populär bei Freiberuflern und kleinen Unternehmen, weil die monatliche Rate als Betriebsausgabe absetzbar ist. Anbieter wie Avanti Renting, myCarflix und Lencar bieten Verträge von 12 bis 48 Monaten an, mit Raten ab ca. 250 €/Monat.
Im Preis enthalten: Versicherung, Wartung, ITV und oft auch Reifenwechsel.
Vorteil gegenüber Langzeitmiete: niedrigere Monatsrate bei längerer Bindung. Nachteil gegenüber Kauf: Am Ende des Vertrags hat man kein Auto. Einige Anbieter bieten allerdings eine Kaufoption zum Restwert an.
Der Führerschein: Was gilt für Zugezogene?
EU-Bürger (einschließlich EWR: Island, Liechtenstein, Norwegen) können mit ihrem nationalen Führerschein auf den Kanaren fahren, solange dieser gültig ist. Eine Umschreibung ist freiwillig — kann aber sinnvoll sein, weil der spanische Führerschein 15 Jahre lang gültig ist und keine Übersetzung nötig ist.
Nicht-EU-Bürger dürfen mit ihrem ausländischen Führerschein nur sechs Monate nach Erlangung des Wohnsitzes in Spanien fahren. Danach muss der Führerschein umgeschrieben werden — aber nur, wenn Spanien ein Abkommen mit dem Herkunftsland hat. Gibt es kein Abkommen, muss die spanische Fahrprüfung vollständig abgelegt werden.
Die Umschreibung erfolgt bei der Jefatura Provincial de Tráfico — auf Gran Canaria in Las Palmas. Termin über die DGT-Website oder 060. Unterlagen: gültiger Führerschein (Original), NIE/DNI, Empadronamiento, Psicotécnico-Gutachten (30–40 €) und ein Passfoto. Bearbeitung: zwei Wochen bis sechs Monate.
ITV — die spanische Hauptuntersuchung
Die ITV (Inspección Técnica de Vehículos) entspricht dem deutschen TÜV oder der Schweizer MFK. Neue Fahrzeuge müssen erstmals nach vier Jahren zur ITV, danach alle zwei Jahre, und ab zehn Jahren Fahrzeugalter jährlich.
- Neuwagen: erste ITV nach 4 Jahren
- 4–10 Jahre: alle 2 Jahre
- Über 10 Jahre: jährlich
Die Prüfung kostet je nach Fahrzeugtyp zwischen 30 und 60 Euro. Auf Gran Canaria gibt es ITV-Stationen in Las Palmas, Telde und Maspalomas. Ohne gültige ITV ist das Fahrzeug nicht versichert und darf nicht im Straßenverkehr bewegt werden.
Versicherung und Schadenfreiheitsrabatt
Die Kfz-Haftpflichtversicherung (seguro a terceros) ist in Spanien gesetzlich vorgeschrieben. Die Jahresprämie für eine Basishaftpflicht liegt auf den Kanaren, je nach Fahrzeug und Fahrerprofil, zwischen 250 und 500 Euro. Eine Vollkaskoversicherung (seguro a todo riesgo) kostet 600 bis 1.200 Euro/Jahr.
Wichtig: Das spanische Schadenfreiheitssystem (bonus-malus) ist nicht direkt mit dem deutschen oder Schweizer vergleichbar. Wer aus dem Ausland kommt, startet bei den meisten Versicherern ohne Rabatt. Es lohnt sich, einen Nachweis der Schadenfreiheit vom bisherigen Versicherer mitzubringen — einige spanische Anbieter (Línea Directa, Mutua Madrileña, Pelayo) berücksichtigen ausländische Schadenfreiheitsjahre auf Anfrage.
Die Empfehlung: gestaffelt vorgehen
Für die meisten Zugezogenen bewährt sich ein Stufenmodell: In den ersten ein bis drei Monaten eine Langzeitmiete, um die Insel kennenzulernen und herauszufinden, welches Auto zum eigenen Alltag passt. Braucht man Allrad für die Berge? Reicht ein Kleinwagen?
Danach ein Gebrauchtwagen von privat — steuerfrei, mit Verhandlungsspielraum, und auf Plattformen wie Milanuncios, Wallapop oder den lokalen Facebook-Gruppen leicht zu finden.
Wer als Selbständiger oder Unternehmer auf die Inseln kommt, sollte das Renting-Modell prüfen — die steuerliche Absetzbarkeit kann den Preisunterschied zum Kauf weitgehend neutralisieren.