Elf Tage, mehr als hundert Titel, ein offizieller Wettbewerb — das Festival Internacional de Cine de Las Palmas de Gran Canaria feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag mit einer ungewöhnlich dichten Ausgabe. Eröffnet wird am 23. April im Auditorio Alfredo Kraus, Zeremonienmeister ist der Schauspieler Asier Etxeandia. Der Vorverkauf für die Vorstellungen im Cine Yelmo Las Arenas startet heute, 20. April.
Zum Jubiläum hat sich die Festivalleitung eine symbolische Geste ausgedacht: Wer 25 Jahre alt ist oder in diesem Jahr 25 wird — also Jahrgang 2000 oder 2001 — kommt gratis in alle Vorstellungen. Die Eintrittspreise bewegen sich ansonsten zwischen 4,50 Euro für ein Einzelticket und 12 Euro für den Viererbonus.
Zehn Langfilme, ein Thema: sich selbst im Spiegel begegnen
Der offizielle Langfilm-Wettbewerb, kuratiert von Festivaldirektor Luis Miranda, ist dieses Jahr eine thematische Klammer geworden. Es geht, mit unterschiedlichen Tonlagen, um Identität, Familie, Zugehörigkeit und die Suche nach Gemeinschaft. Der Katalogtext spricht von einer Begegnung «wie in einem Spiegel».
Im Rennen um die Preise der Sección Oficial sind:
- Songs of the Forgotten Trees von Anuparna Roy (Indien, 2025)
- Lucky Lu von Lloyd Lee Choi (USA / Kanada, 2025)
- Remake von Ross McElwee (USA, 2026)
- How to Divorce During the War von Andrius Blaževičius (Litauen / Tschechien, 2026)
- Lo demás es ruido von Nicolás Pereda (Mexiko / Deutschland / Kanada, 2026)
- Bosque arriba en la montaña von Sofía Bordenave (Argentinien, 2026)
- Trial of Hein von Kai Stänicke (Deutschland, 2026)
- 17 von Kosara Mitić (Nordmazedonien / Serbien, 2026)
- Nina Roza von Geneviève Dulude-De Celles (Kanada, 2025)
- If I Go Will They Miss Me von Walter Thompson-Hernández (USA, 2026)
Fünf dieser Arbeiten kommen direkt von der Berlinale nach Las Palmas, zwei aus Sundance, zwei aus Venedig, eine aus Cannes — kein schlechtes Kaliber für eine Stadtgrösse von rund 380 000 Einwohnern.
Fünfzehn Kurzfilme, alle Premiere in Spanien
Der Kurzfilm-Wettbewerb umfasst 15 Arbeiten, die bislang keine einzige spanische Vorführung gesehen haben: 13 spanische Premieren, eine Europapremiere und eine absolute Weltpremiere. Darunter Chuuraa von Evgenia Arbugaeva (Grossbritannien, 2026, 18 Minuten) — die britische Filmemacherin war zuletzt mit ihrem vorhergehenden Kurzfilm Haulout für den Oscar nominiert. Weitere Arbeiten kreisen um Geisterwesen (Gone People), ein von Diktaturen gesteuertes Kontrollsystem (Citizen-Inmate), die Stille vor einer Schwangerschaft (Heartbeat), die Druckdynamik einer Schulklasse (Hyena, Locarno-Sieger), oder die Frage, was künstliche Intelligenz mit menschlichen Beziehungen macht (We Were Here).
Zwei Bemerkungen zum Rand
Zum einen: Die Tageszeitung Canarias7 hat in ihrer Schlagzeile vom 15. April von «14 Kurzfilmen» geschrieben — im Fliesstext werden aber 15 Titel aufgezählt. Die offizielle Zahl der Stadt Las Palmas de Gran Canaria und der Festivalleitung lautet 15, an der bleiben wir.
Zum anderen: Neu im Programm ist die Sektion Panorama España, die in diesem Jahr einer Jugendjury übertragen wird — Studierende, die in Festivalprogrammierung und Filmbewertung ausgebildet werden und sich dann an einer echten Entscheidung messen sollen. Eine kleine, aber kluge Erneuerung; Nachwuchs beurteilt Nachwuchs.
Warum sich die Fahrt nach Las Palmas lohnt
Für Bewohner des Südens gilt: Wer nicht jeden Abend in die Stadt fährt, kann sich an einem Wochenende mehrere Titel mit dem Viererbonus anschauen. Für Leser aus dem europäischen Ausland, die im Mai ohnehin auf Gran Canaria sind: Das Festival ist eines der wenigen internationalen Schaufenster, die der spanische Inselraum überhaupt besitzt. Dass es dieses Jahr zwei der grossen Festivalstädte gleichzeitig im Angebot hat — Berlinale und Cannes —, hat diese Ausgabe bereits vor Eröffnung von einem regionalen zu einem bemerkenswerten gemacht.
Das vollständige Programm sowie die Uhrzeiten der Vorführungen sind unter lpafilmfestival.com abrufbar. Freikarten für die Eröffnung am 23. April und für die Jornadas del Oficio Cinematográfico (mit Oliver Laxe, Javier Cámara, Laia Costa, Asier Etxeandia, Alberto Rodríguez und Albert Serra) werden ab heute über die Plattform der Fundación Auditorio y Teatro vergeben.
Angaben zum Programm: offizielle Pressemitteilung der Stadt Las Palmas de Gran Canaria vom 14. April 2026 sowie Berichterstattung in Canarias7 (15. April 2026) und Audiovisual451. Eintrittspreise und Altersregelung laut Festivalleitung, Stand 20. April 2026.