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Warum die Kanaren steuerrechtlich nicht Spanien sind

Die Kanaren gehören zur EU, sind aber nicht Teil der EU-Mehrwertsteuerunion. Das ist der ganze Trick. Es gibt hier keine 21 Prozent IVA wie auf dem Festland, sondern ein eigenes Steuersystem: den IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) und in bestimmten Fällen den AIEM (Arbitrio sobre Importaciones y Entregas de Mercancías).

Der IGIC liegt für die meisten Waren bei 7 Prozent — also deutlich niedriger als die spanische Mehrwertsteuer von 21 Prozent. Klingt nach gutem Geschäft, ist es manchmal auch. Aber: Jedes Paket, das vom Festland oder aus dem EU-Ausland auf die Inseln kommt, gilt zollrechtlich als Import. Es muss verzollt werden. Und genau da fängt es an, kompliziert zu werden.

Der AIEM trifft nur bestimmte Warengruppen, die auf den Kanaren auch lokal produziert werden — Tabak, Bier, manche Lebensmittel, Baumaterialien, ein paar Kosmetika. Wer eine PlayStation oder einen Lautsprecher bestellt, zahlt nur den IGIC. Wer einen Karton Käse bestellt, kann auf den AIEM stossen.

Dazu kommt das DUA (Documento Único Administrativo) — die formelle Importerklärung. Sie ist Pflicht für jedes Paket über 150 Euro Warenwert. Unter 150 Euro greift das Vereinfachte Verfahren, was die Sache deutlich schneller macht. Die Schwelle ist die wichtigste Zahl im ganzen System. Wer sie kennt, plant Bestellungen darum herum.

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Amazon, die 150-Euro-Schwelle und das DUA

Amazon liefert auf die Kanaren — sowohl Amazon.es als auch über Amazon Global Store. Aber die Bestellseite verhält sich anders als auf dem Festland. Zwei Dinge fallen sofort auf.

Erstens: Beim Bezahlen verlangt Amazon die NIE (oder NIF) des Empfängers. Ohne sie geht nichts, weil der Zoll diese Nummer für die Einfuhrabwicklung braucht. Wer die NIE noch nicht hat, bekommt das Paket nicht ausgeliefert — siehe Relocate #8 zur Anmeldung.

Zweitens: Im Warenkorb wird der IVA-Abzug sichtbar gemacht. Der Preis fällt um die spanische Mehrwertsteuer von 21 Prozent. Das ist nicht der Endpreis. Auf den Nettopreis kommt im Versand der IGIC drauf — meist 7 Prozent, plus eine DUA-Gebühr, wenn die Bestellung über 150 Euro liegt. Bei Amazon Global Express zieht Amazon einen «Import Fees Deposit» direkt von der Karte ab. Wenn die echte Rechnung niedriger ausfällt, gibt Amazon die Differenz zurück.

Die Bose-Box für 249 Euro: 249 minus 21 Prozent IVA = 205,79 Euro netto. Darauf 7 Prozent IGIC = 14,40 Euro plus DUA-Gebühr (meist um 15 bis 20 Euro). Endpreis um die 235 Euro. Das ist günstiger als auf dem Festland — wenn man die Lieferzeit und das Risiko mitrechnet.

Die 150-Euro-Schwelle ist der Schlüssel. Wer eine Bestellung auf zwei Pakete à 80 Euro aufteilt, spart sich zwei Mal die DUA-Gebühr — bekommt aber zwei separate Sendungen mit zwei Wartezeiten. Wer eine grosse Bestellung über 200 Euro macht, zahlt einmal DUA und hat alles in einem Paket. Pragmatische Faustregel: Bei Einzelartikeln unter 150 Euro lohnt sich die Trennung, ab da nicht mehr.

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Was Prime hier wirklich heisst

Amazon Prime auf den Kanaren ist nicht Amazon Prime auf dem Festland. Es ist «kostenloser Standardversand» — was hier 5 bis 10 Werktage bedeutet, nicht «morgen». Same-Day oder Next-Day-Delivery existiert nicht. Filme und Musik laufen wie überall, das funktioniert.

Wer wirklich schnell etwas braucht, hat zwei Optionen: Amazon Global Express kostet extra, kommt in 2 bis 4 Werktagen, Amazon übernimmt die Zollabwicklung komplett. Oder lokale Händler — auf Gran Canaria heisst das vor allem El Corte Inglés in Las Palmas, MediaMarkt am Centro Comercial 7 Palmas, oder spezialisierte Shops wie Pccomponentes.com (Lager auf den Kanaren) für Elektronik.

Die häufigste Enttäuschung bei Auswanderern in den ersten drei Monaten: Sie bestellen am Sonntagabend etwas «Dringendes» bei Amazon, das nicht da steht «Lieferung morgen», und sind dann am Mittwoch verwundert, dass es noch nicht da ist. Mittwoch ist Tag drei. Tag zehn ist das obere Ende.

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Andere Online-Shops — was geht, was geht nicht

Die schlechte Nachricht zuerst: Viele europäische Online-Shops schliessen die Kanaren explizit aus oder verlangen Mondpreise. Zalando liefert, aber langsamer und mit Zollabwicklung. IKEA liefert nur über teure Speditionspartner — wer ein Sofa bestellen will, sollte direkt im IKEA Las Palmas (San Cristóbal de La Laguna auf Teneriffa und Telde auf Gran Canaria gibt's beide) kaufen. MediaMarkt.es liefert, aber prüft die Versandkostenanzeige im Warenkorb genau.

Pccomponentes.com hat ein eigenes Lager auf den Kanaren — wer Computer-Komponenten oder Elektronik braucht, kriegt von dort manchmal in 24 bis 48 Stunden, ohne IGIC-Schreck im Checkout, weil schon eingerechnet. El Corte Inglés online funktioniert genauso, mit Inselversand.

Deutsche Versender wie Otto oder Notebooksbilliger liefern in der Regel nicht oder zu Preisen, die jeden Vorteil zerstören. Wer aus Deutschland etwas Spezielles braucht, lässt sich das eher von Freunden zur nächsten Reise mitnehmen — oder bestellt bei Amazon.de mit Versand an eine deutsche Adresse und holt es beim nächsten Besuch ab. Wirklich.

Apple liefert direkt auf die Kanaren, mit eigener Logistik, eigener Steuerverrechnung. Preise sind etwa gleich wie auf dem Festland minus 14 Prozent. Wer ein MacBook bestellt, bekommt es in 5 bis 8 Werktagen.

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Correos — Briefe, Pakete von zu Hause

Die spanische Post (Correos) ist der Hauptkanal für Briefe und Pakete von Freunden oder Familie. Wer aus Deutschland ein Päckchen geschickt bekommt, läuft über Correos und durch den Zoll.

Briefe (bis 50 Gramm) sind unkompliziert, kosten ab Deutschland 1,25 bis 1,90 Euro je nach Versandart, kommen in 5 bis 10 Tagen an. Bei Päckchen über 150 Euro Warenwert wird DUA-Bearbeitung fällig: Correos schickt einen Brief oder eine SMS, das Paket wartet im Zentralpostamt, IGIC plus Gebühr sind zu zahlen, dann kommt die Auslieferung. Die Bearbeitung läuft online über die App von Correos oder die Webseite correosaduanas.es — beides funktioniert.

Innerhalb der Kanaren läuft die Post normal: Ein Paket bis 250 Gramm von Las Palmas nach Tenerife kostet 4,86 Euro, bis 2 Kilo 10,15 Euro. Schnell, problemlos.

Vom Festland auf die Kanaren ist es teurer und langsamer: Ein Paket bis 1 Kilo kostet bei Correos 24,71 Euro, bis 5 Kilo 35,01 Euro. Plus die DUA-Bearbeitung, wenn der Warenwert über 150 Euro liegt. Die Wahl zwischen See- und Luftweg macht den Unterschied: Schifftransport (donnerstags ab Festland, 48–72 Stunden Transit) ist billiger, Luftweg geht in 1–2 Tagen aber kostet rund 50 Prozent mehr.

Was viele übersehen: Päckchen unter 150 Euro Warenwert brauchen kein DUA. Das macht kleine Sendungen — ein Buch, eine Brille, Vitamin-D-Tabletten von der Lieblingsapotheke — relativ entspannt. Wer Familie hat, die «mal eben was schickt», sollte die 150-Euro-Schwelle als Geschenk-Limit kommunizieren.

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SEUR, MRW, GLS, DHL — die privaten Anbieter

Wer ein Paket schneller oder grösser braucht, geht zu den privaten Speditionen. Auf den Kanaren aktiv:

SEUR und Correos Express sind die zwei grossen. SEUR liefert mit eigener Insel-Infrastruktur, Standardlieferzeiten 3 bis 5 Werktage vom Festland. Tracking gut, Service zuverlässig. Wird oft von Online-Shops als Versanddienst gewählt.

MRW ist die spanische Alternative, ähnliche Preise und Geschwindigkeit. Etwas mehr Probleme mit Inselbüros bei kleinen Orten — wer in Maspalomas oder Costa Adeje wohnt, problemlos. Wer in Agüimes wohnt, sollte vorher prüfen, ob der Anbieter direkt zustellt.

GLS und DHL liefern beide, aber die deutsche DHL ist hier nicht Marktführer. Pakete aus Deutschland kommen meist über Correos in den Zoll. Wer auf DHL-Standard hofft, wartet manchmal überrascht — der internationale DHL-Express funktioniert, kostet aber ab 50 Euro für ein normales Paket.

Logista und Tipsa sind Industrie-Alternativen für Geschäftsversender. Für Privatpersonen relevanter: Wer einen Anbieter braucht, vergleicht über Packlink oder Sendago — beide Plattformen rechnen für jeden Versender Preis und Lieferzeit aus.

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Die häufigsten Fehler

Die NIE vergessen. Ohne NIE keine Lieferung. Wer noch in der Anmeldephase ist, kann zwischenzeitlich an einen NIE-Inhaber als Empfänger schicken lassen — Freund, Arbeitskollege, Sprachschule. Aber nicht dauerhaft.

Die 150-Euro-Schwelle ignorieren. Wer ein Paket von 149 Euro bestellt, spart bares Geld und Wartezeit gegenüber 151 Euro. Bei knappen Bestellungen lohnt es sich, einen Artikel rauszunehmen oder einen günstigeren zu wählen.

Bei Amazon den IVA-Abzug übersehen. Die Preise im Amazon-Warenkorb wirken auf den ersten Blick «zu billig» — die 21 Prozent IVA sind schon weg. Dafür kommt im Versand der IGIC plus DUA drauf. Die Endrechnung ist meist 5 bis 10 Prozent niedriger als auf dem Festland, nicht 21.

Alles auf Express bestellen. Standard reicht meistens. Wer Geduld hat, spart bei jeder Bestellung 15 bis 30 Euro. Wer wirklich was Eiliges braucht, fährt zum Centro Comercial und kauft vor Ort — die Preise sind kompetitiv.

Auf deutsche Versender warten. Wer noch einen Monat auf das Paket aus Hamburg wartet, hätte die Sache auf den Kanaren in zwei Tagen gehabt. Lokale Lieferketten sind besser, als die meisten Auswanderer denken — die Insel ist klein, die Logistik straff.

Sich auf «Lieferung morgen» verlassen. Auf den Kanaren gibt es kein «Morgen» bei Amazon. Wer Geburtstage und Termine plant, bestellt eine Woche im Voraus. Mit Puffer.

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Q&A

Ich brauche ein neues Handy — auf Amazon bestellen oder im MediaMarkt kaufen?

MediaMarkt im Centro Comercial 7 Palmas oder online bei Pccomponentes.com sind oft konkurrenzfähig und liefern in 24–48 Stunden. Wer ein spezielles Modell braucht, das hier nicht im Lager ist, geht über Amazon — mit 5–10 Tagen Lieferzeit.

Funktioniert Amazon Prime hier oder soll ich kündigen?

Filme, Musik, kostenloser Standardversand funktionieren. Same-Day, Next-Day, Prime Now nicht. Wer Prime hauptsächlich für die Geschwindigkeit hatte, kann erwägen zu kündigen. Wer es für Filme nutzt, behält es.

Mein Vater will mir aus Deutschland Vitamine schicken — was muss er wissen?

Päckchen unter 150 Euro Warenwert kommen mit Vereinfachtem Verfahren durch. Inhalt klar deklarieren, Wert ehrlich angeben, NIE des Empfängers nicht auf das Paket schreiben, sondern bei der Anmeldung des Pakets im Zollverfahren angeben. Das passiert online über die App von Correos, wenn das Paket eingetroffen ist.

Lohnt es sich, einen Brief aus Deutschland einzuschreiben?

Für reine Briefe selten. Für wichtige Dokumente (Verträge, Beglaubigungen) ja — Einschreiben mit Rückschein, das geht durch und ist nachverfolgbar.

Wie versende ich selbst zurück zum Festland?

Über Correos: Tarifa Plana zum Festland kostet ab 11,50 Euro bis 250 Gramm. Bei Online-Bestellungen, die zurückgeschickt werden: Der Verkäufer übernimmt meistens, aber prüf das Rücksendeetikett — manche Online-Shops verschicken Etiketten, die nur ab Festland gültig sind. Im Zweifel direkt beim Verkäufer melden und um ein Kanaren-Etikett bitten.

Welche Adresse soll ich Online-Shops geben — die Insel-Adresse oder eine Festland-Adresse?

Die echte. Versuche, eine Festland-Adresse anzugeben und das Paket dann weiterleiten zu lassen, kosten am Ende mehr und nehmen mehr Zeit als die direkte Lieferung. Ausnahme: wer regelmässig in Madrid oder Barcelona ist und Familie dort hat — kleine Pakete unter 150 Euro mitbringen ist legitim und spart Zeit.