Drei russische Gastanker der sogenannten „Darkfleet" befinden sich derzeit in den Gewässern rund um die Kanarischen Inseln — das entspricht zwölf Prozent der gesamten russischen LNG-Flotte. Einer der Tanker, die „Buran", liegt direkt an der Grenze der spanischen Hoheitsgewässer nördlich von Gran Canaria. Das Schiff steht auf der Sanktionsliste der EU, der USA und Grossbritanniens. Der Süden von Gran Canaria, Europas beliebtestes Wintersonnen-Ziel, sieht sich damit einer geopolitischen Bedrohung ausgesetzt, die direkt vor seiner Haustür lauert. CITA News, Ihr Nachrichtenportal für Gran Canaria, analysiert die Lage auf den Kanarischen Inseln.
Geisterflotte: Was steckt hinter der Darkfleet?
Seit den westlichen Sanktionen gegen Russland nach der Invasion der Ukraine 2022 hat Moskau eine Schattenflotte aus rund 1.000 Tankern aufgebaut, die unter Billigflaggen wie Gabun, Palau oder den Cookinseln fahren. Diese Schiffe transportieren russisches Öl und Gas an den Sanktionen vorbei — oft in desolatem Zustand, ohne bekannten Eigner und ohne ausreichende Versicherung. Die Route durch den Suezkanal ist wegen des Konflikts im Roten Meer blockiert, weshalb die Tanker über den Atlantik fahren — direkt an den Kanaren vorbei.
Canarias als verwundbares Glied in der Kette
Experten warnen seit Monaten vor der wachsenden Gefahr. Rafael Muñoz, Doktor der Zivilen Schifffahrt und Experte für maritime Sicherheit, beschreibt die Lage unmissverständlich: Die Gewässer um die Kanarischen Inseln hätten sich in eine Art Wartezone für dubiose Tanker verwandelt. Ein Unfall mit einer Ölpest vor den Küsten Gran Canarias wäre für den Tourismus der Inseln eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses — vergleichbar mit dem Prestige-Desaster vor Galicien 2002.
Das Problem: Spanien hat keinen einheitlichen Küstenwachdienst. Die Armada patrouilliert zwar mit dem Schiff „Relámpago" in kanarischen Gewässern, doch die Überwachung der riesigen Exklusiven Wirtschaftszone (ZEE) ist personell und technisch unzureichend. Die Tanker wissen das — und bewegen sich gezielt am Rand der 12-Meilen-Zone.
Darkfleet vor Gran Canaria — Die Fakten
Aktuell: 3 russische Gastanker in kanarischen Gewässern (12% der russischen LNG-Flotte)
„Buran": Sanktioniert von EU, USA und UK — liegt nördlich von Gran Canaria an der Grenze der Hoheitsgewässer
Geschätzte Darkfleet: ~1.000 Schiffe weltweit, viele über 20 Jahre alt
Risiko: Ölpest ohne identifizierbaren Eigner = keine Entschädigung
Route: Umleitung über Atlantik wegen Suezkanal-Blockade → Kanaren im Fadenkreuz
Überwachung: Armada-Schiff „Relámpago" patrouilliert, aber Ressourcen begrenzt
Marokko als Drehscheibe, Las Palmas als Eingangstor
Anfang 2026 sorgte ein weiterer Vorfall für Aufsehen: Ein Tanker aus dem marokkanischen Hafen Tanger lief in Las Palmas de Gran Canaria ein. Experten vermuten, dass Marokko als Zwischenstation für russischen Treibstoff dient — das Land hat keine eigene Raffineriekapazität in relevantem Umfang, ist aber regelmässiger Anlaufpunkt russischer Tanker geworden. Der Ursprung der Ladung bleibt formell russisch, auch wenn er über Drittstaaten umgeleitet wird.
Was bedeutet das für den Tourismus im Süden?
Für Maspalomas, Playa del Inglés und Mogán ist die Geisterflotte eine abstrakte, aber reale Bedrohung. Eine Ölpest würde nicht nur die Strände und die Dünenlandschaft zerstören, sondern auch das Sicherheitsimage untergraben, das Gran Canaria gerade im Kontext des Iran-Kriegs als „Refuge Effect"-Destination aufgebaut hat. Die kanarische Regierung und Experten fordern eine aktivere Rolle der spanischen Armada und eine europäische Koordination zur Überwachung der Darkfleet in atlantischen Gewässern.
Mehr zur Sicherheitslage auf den Kanaren erfahren Sie bei der Canarias7.