Größter Umweltskandal der Kanaren aufgedeckt
Die Guardia Civil und der Zollfahndungsdienst der spanischen Steuerbehörde (Agencia Tributaria) haben ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, das bis zu 650 Tonnen gefährliche Abfälle illegal per Schiffscontainer vom Hafen Santa Cruz de Tenerife nach verschiedene afrikanische Länder exportiert hat. Die Operation, die am 17. März 2026 bekanntgegeben wurde, richtet sich gegen 32 verdächtige Personen und vier Unternehmen mit Sitz auf Teneriffa, Gran Canaria und Mallorca.
Drahtzieher saßen auf Gran Canaria
Das Netzwerk wurde von fünf Personen mit klar verteilten Rollen gesteuert. Zwei der Hauptverantwortlichen operierten von Gran Canaria aus und waren für die gesamte Dokumentation und Logistik der illegalen Exporte zuständig. Drei weitere Personen auf Teneriffa organisierten den direkten Versand der Abfälle und beschafften die erforderlichen Papiere – ob legal, irregulär oder gefälscht.
Um die Ware als ordnungsgemäß dekontaminiert erscheinen zu lassen, nutzte die Organisation mehrere Scheinfirmen, die Rechnungen auf den Namen Dritter ausstellten. In einigen Fällen wussten diese Personen nicht einmal, dass ihre Identitäten missbraucht wurden.
Was wurde verschifft?
Bei den exportierten Materialien handelte es sich hauptsächlich um Elektro- und Elektronikaltgeräte, insbesondere Motoren und Kompressoren aus Kühlschränken, die ohne vorherige Dekontaminierung verschickt wurden. Dadurch konnten gefährliche Kühlgase unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen – ein erhebliches Risiko für Gesundheit und Umwelt. Zusätzlich wurden Autoersatzteile ohne Entsorgungsbehandlung, rund 38 Tonnen Feuerlöscher sowie ganze Fahrzeuge mit gefälschten Dokumenten als „Gebrauchtwaren" deklariert und nach Afrika verschifft.
Die Spur begann auf La Palma
Die Ermittlungen wurden durch den Seprona (Naturschutzdienst der Guardia Civil) auf La Palma und Zollbeamte in Santa Cruz de Tenerife eingeleitet, nachdem ein auffällig konstanter Strom von Containerlieferungen in Richtung Afrika aufgefallen war. Die angebliche Handelsdokumentation erwies sich bei näherer Untersuchung als Tarnung für den wahren Charakter der Fracht.
Rechtliche Konsequenzen und internationale Dimension
Der illegale Transport gefährlicher Abfälle ist seit 2015 im spanischen Strafgesetzbuch als Delikt verankert und wird mit drei Monaten bis einem Jahr Gefängnis oder Geldstrafen von sechs bis achtzehn Monaten geahndet. Zusätzlich droht ein Berufsverbot für den gleichen Zeitraum. Der Fall berührt auch das Basler Übereinkommen über die Kontrolle grenzüberschreitender Verbringung gefährlicher Abfälle, das derartige Praktiken international ächtet.
Die Ermittlungen dauern an. Die Behörden prüfen, ob weitere Personen und Unternehmen in das Netzwerk involviert sind.
Bedeutung für Gran Canaria
Auch wenn die physischen Lieferungen über den Hafen von Teneriffa abgewickelt wurden, saßen zwei der fünf Drahtzieher auf Gran Canaria. Der Fall wirft Fragen zur Kontrolle des Frachtverkehrs im kanarischen Archipel auf und zeigt, dass auch die Nachbarinsel in internationale Umweltkriminalität verwickelt sein kann. Für die aufnehmenden Länder in Afrika bedeuten die unkontrollierten Abfälle eine potenzielle Gesundheitskatastrophe – eine Schattenseite der Handelsrouten, die die Kanaren mit dem afrikanischen Kontinent verbinden.
CITA News verfolgt die weiteren Entwicklungen in diesem Fall. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite des spanischen Innenministeriums.