Was passiert ist
Samstag, 11. April — Zone Izaña. Eine kleine Serie von Erdbeben niedriger Stärke. Das automatische System des IGN registrierte 16 Beben, von denen 11 manuell lokalisiert werden konnten. Die Stärke lag zwischen 1,0 und 1,9 mbLg — weit unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Tiefe: 3 bis 10 Kilometer. Es handelt sich um sogenannte vulkanisch-tektonische Ereignisse — derselbe Typ, der in dieser Zone bereits zwischen Mai und November 2025 aufgetreten ist.
Montag, 13. April, zwischen 00:10 und 00:30 Uhr — Zone westlich der Cañadas del Teide. Hier war die Aktivität anders. Das IGN registrierte 38 Ereignisse in nur zwanzig Minuten — darunter zwei Niedrigfrequenz-Pulse (sogenannte LP-Ereignisse) und mehrere hybride seismische Signale. Drei konnten manuell lokalisiert werden, in einer Tiefe von 12 bis 13 Kilometern. Diese Signale ähneln denen von Februar und März 2026 — sind aber schwächer und zeigen kein repetitives Muster.
Keines der Ereignisse wurde von der Bevölkerung gespürt.
Was das bedeutet — und was nicht
Zwei Zonen gleichzeitig klingt beunruhigend. Aber das IGN ordnet es klar ein: Diese Art von Aktivität — vulkanisch-tektonische Beben bei Izaña, hybride Ereignisse und LP-Signale bei den Cañadas — gehört zum normalen Verhalten eines aktiven Vulkansystems. Der Teide ist einer der am besten überwachten Vulkane Europas. Das IGN betreibt auf Teneriffa über 100 Messstationen, Sensoren und Probenahmepunkte.
Die entscheidenden Punkte:
Keine Bodendeformation. Die geodätischen Messungen (GPS, Satellitenradar) zeigen keine Veränderungen der Erdoberfläche, die auf aufsteigendes Magma hindeuten würden.
Kein repetitives Muster. Die Aktivität vom Montag zeigt keine wiederkehrende Struktur — anders als die Signalserien im Februar und März, die ein klareres Muster hatten.
Kein erhöhtes Eruptionsrisiko. Das IGN formuliert es unmissverständlich: Diese Aktivität erhöht die Eruptionsgefahr weder kurz- noch mittelfristig (Wochen oder Monate).
Luca D'Auria, Leiter der Vulkanüberwachung bei INVOLCAN, erklärt den Mechanismus so: Das Gewicht der Insel selbst erzeugt Spannungen im Gestein, das von Zeit zu Zeit bricht und dabei kleine Erdbeben auslöst. Das ist Geologie, kein Alarmzeichen.
Warum es trotzdem wichtig ist
Der Teide ist nicht irgendein Berg. Er ist mit 3.715 Metern der höchste Gipfel Spaniens und steht über einem der aktivsten Vulkansysteme im Atlantik. Seine letzte Eruption war 1909 — am Chinyero, an der Nordwestflanke. Die Eruptionsgeschichte reicht Jahrtausende zurück.
Seit Ende Februar 2026 registriert das IGN immer wieder seismische Episoden unter Teneriffa. Keine davon hat zu einer Eskalation geführt. Aber jede einzelne wird aufgezeichnet, analysiert und veröffentlicht — weil Transparenz bei Vulkanüberwachung kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit. Eine Million Menschen leben auf Teneriffa. Fünf Millionen Touristen besuchen die Insel jedes Jahr.
Auch La Palma hat sich bewegt
Am Sonntag, 12. April, wurden auf La Palma zwei Erdbeben lokalisiert — bei Fuencaliente und Villa de Mazo. Die Insel, deren Vulkan Tajogaite 2021 drei Monate lang ausbrach, wird ebenfalls permanent überwacht. Die Beben lagen im normalen Bereich der Nach-Eruptions-Seismizität.
Was du wissen solltest
Wer auf Teneriffa lebt oder Urlaub macht: Es gibt keinen Grund zur Sorge. Das IGN überwacht den Teide rund um die Uhr. Die aktuelle Aktivität liegt im Rahmen dessen, was ein aktives Vulkansystem regelmässig produziert. Sollte sich die Lage ändern, wird das IGN informieren — über seine Website (ign.es) und die zuständigen Behörden.
Was man tun kann: Die App «IGN Sismología» zeigt in Echtzeit alle registrierten Erdbeben in Spanien. Wer auf den Kanaren lebt, sollte die Kampagne «Preparémonos juntos» der Asociación Volcanes de Canarias kennen — sieben Tage praktischer Vorbereitung für den Fall, dass ein Vulkan irgendwann tatsächlich aktiv wird.