70 Logins nach dem Ruhestand
Das technische Herzstück der Ermittlungen ist ein Bericht der Spezialeinheit für Technologie-Ermittlungen der Guardia Civil. Demnach soll sich Setién zwischen dem 1. März und dem 29. Dezember 2023 — also bis zu neun Monate nach seiner Pensionierung — 70 Mal aus der Ferne in die Server der Stadtplanung und der Gesellschaft Geursa eingeloggt haben. Verteilt auf 64 Tage, mit einer Gesamtdauer von fast 158 Stunden, in denen laut Bericht 235 Akten und Dokumente der Stadtverwaltung abgerufen wurden.
Möglich gewesen sei das durch einen VPN-Fernzugang, der mit den Zugangsdaten der damaligen Geursa-Geschäftsführerin Marina Más eingerichtet worden sei. Die Ermittler werten das als Trick, um externe Zugriffe zu verschleiern: Ein Privatmann habe so ohne jede administrative oder rechtliche Kontrolle auf vertrauliche Informationen, strategische Karten und laufende Verfahren zugreifen können. Más und der Geursa-Jurist Luis Pérez gelten als Mitbeschuldigte; auch die Gesellschaft Geursa selbst ist Beschuldigte. Es gilt für alle die Unschuldsvermutung.
«De-facto-Chef» — die zentrale These
Die Guardia Civil zieht in ihrem über hundertseitigen Bericht eine deutliche Schlussfolgerung: Setién habe die Stadtplanung «de facto» weitergeleitet. Seine Eingriffe in Ausschreibungen, EU-Fördermittel und strategische Pläne zeigten, so die Ermittler, dass die offiziellen Entscheidungen des Rathauses in Wahrheit die Umsetzung seiner persönlichen Vorgaben gewesen seien — formuliert aus einem Privathaus, über inoffizielle Kanäle.
In den ausgewerteten Chats taucht ein Tonfall auf, der diese Hierarchie illustrieren soll. In einer Nachricht schreibt die Geschäftsführerin an Setién: «Ich bin für das da, wofür ich da bin, CHEF» — Grossschreibung im Original. Die Ermittler lesen darin ein Indiz, dass die formelle Chefin sich dem Pensionierten unterordnete.
Schlüssel, Stempel, und eine Notiz zur Aktenvernichtung
Der Verdacht beschränkt sich nicht auf die digitale Ebene. Bei der Hausdurchsuchung fanden die Ermittler nach eigenen Angaben drei physische Schlüssel zu Amtsräumen sowie offizielle Stempel mit den Aufschriften «Beglaubigt» und «Dienststellenleiter». Besonders heikel: handschriftliche Notizen, die laut Bericht die «Vernichtung von Unterlagen zu Ausschreibungen» anordneten. Die Guardia Civil schliesst daraus, Setién habe mutmasslich auch physisch ausserhalb der Dienstzeiten Zugang zu den Büros gehabt — und damit die Möglichkeit zur Manipulation.
Wohin die Spur führt: Geschäftsinteressen
Warum das alles? Eine der Ermittlungslinien dreht sich um mögliche Geschäftsinteressen Dritter. Im Fokus steht der Unternehmer Felipe Guerra, ebenfalls beschuldigt. Setién soll laut Bericht vermittelt haben, um ausstehende städtische Rechnungen zugunsten von Guerras Firmengeflecht schneller bezahlen zu lassen — eine «bevorzugte Finanzverwaltung gegenüber der Verwaltung», wie die Ermittler es nennen. Als Kontaktperson zwischen Setién, Geursa und der Unternehmerfamilie wird Guerras Tochter genannt. Eine weitere Spur führt zu einem Architekturbüro.
In den Chats tauchen auch prominente Namen aus der Politik auf — etwa der frühere Bürgermeister und heutige Cabildo-Vizepräsident Augusto Hidalgo, mit dem Setién über stadtplanerische Fragen geschrieben haben soll, sowie ein sozialistischer Abgeordneter, der sich per WhatsApp zur kanarischen Wohnungsregelung beraten liess. Wichtig zur Einordnung: Diese Personen sind nicht beschuldigt; ihr Auftauchen in den Nachrichten ist Kontext, kein Vorwurf.
Was das für die Inseln bedeutet
Der Fall Valka trifft einen empfindlichen Nerv. Stadtplanung ist überall dort, wo Grundstücke viel wert sind, ein Einfallstor für Einflussnahme — und auf den Kanaren, wo um jeden Quadratmeter Bauland und um Touristenlizenzen gerungen wird, besonders. Was die Ermittler zeichnen, ist das Bild einer Verwaltung, deren formelle Kontrolle sich zugunsten persönlicher Einflüsse aufgelöst haben soll. Dass verschlüsselte Festplatten und abgebaute Server die Arbeit der Guardia Civil erschwerten, nährt zusätzlich Zweifel an den internen Sicherheits- und Kontrollmechanismen des Rathauses.
Für die Bürgerinnen und Bürger steht dabei mehr auf dem Spiel als ein einzelner Beamter: Es geht um die Grundannahme, dass öffentliche Entscheidungen in Amtsstuben fallen und für alle nachvollziehbar sind — nicht in einem Privathaus über einen heimlichen Fernzugang. Das Verfahren ist eine Ermittlung, kein Urteil; bewiesen ist noch nichts. Aber allein die Detailtiefe des Berichts macht Valka zu einem der brisantesten Verwaltungsskandale, die Las Palmas seit Langem gesehen hat.
Stand 05.06.2026. Quellen u. a. Bericht der Guardia Civil, Canarias7, eldiario.es, Libertad Digital. Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren; alle Vorwürfe sind gerichtlich nicht erwiesen. Für sämtliche Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung. Namentlich genannte, aber nicht beschuldigte Personen werden ausschliesslich zur Einordnung erwähnt.
Häufige Fragen
Was ist der Fall Valka?
Ein Ermittlungsverfahren um eine mutmassliche «parallele Verwaltungsstruktur» in der Stadtplanung von Las Palmas de Gran Canaria. Im Zentrum steht der Vorwurf, ein pensionierter Beamter habe die Stadtplanung faktisch weitergeleitet.
Wer ist der Hauptbeschuldigte?
José Manuel Setién, bis März 2023 Koordinator der Stadtplanung und Chef der städtischen Gesellschaft Geursa. Laut Guardia Civil griff er auch danach per VPN auf städtische Server zu. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Was wird ihm konkret vorgeworfen?
70 Fernzugriffe über fremde Zugangsdaten, das faktische Weiterleiten der Stadtplanung aus dem Privathaus, der Besitz von Amtsschlüsseln und -stempeln sowie mutmassliche Vermittlung zugunsten eines Unternehmers. Bewiesen ist davon gerichtlich noch nichts.
Sind Politiker beschuldigt?
Nein. In den Chats erwähnte Politiker wie der frühere Bürgermeister Augusto Hidalgo oder ein PSOE-Abgeordneter sind nicht Teil der Beschuldigtenliste. Ihr Auftauchen ist Kontext, kein Vorwurf.
Wie geht es weiter?
Das Verfahren ist im Stadium der Vorermittlungen. Der Ermittlungsrichter und der Antikorruptionsstaatsanwalt werten Geräte und Akten aus. Ein Urteil gibt es nicht; ob Anklage erhoben wird, ist offen.