Klima-Grundlagen Gran Canaria
Gran Canaria liegt auf dem 28. Breitengrad — auf gleicher Höhe wie die Sahara. Dass die Insel trotzdem ein mildes Meeresklima hat, verdankt sie zwei Phänomenen:
Der Nordostpassat (Alisio). Bläst das ganze Jahr aus Nordosten, bis in 1.200 bis 1.500 Meter Höhe. Bringt kühle, feuchte Luft aus dem Nordwestatlantik.
Der kühle Kanarenstrom. Wassertemperaturen das ganze Jahr zwischen 19 und 23 Grad. Wirkt wie eine natürliche Klimaanlage für die Küste.
Diese beiden Faktoren erklären, warum Maspalomas im Juli nicht 45 Grad hat wie Marrakech, sondern 27. Es ist kein Wunder. Es ist Geographie.
Was die Daten sagen
Am Flughafen Gran Canaria liegt das Jahresmittel bei 21,1 Grad. Tageshöchst 24,2 Grad, Tagestief 18,0 Grad. Januar ist der kälteste Monat (Tageshoch 20,8 Grad / Tief 15,0 Grad), August der wärmste (27,5 / 21,6). Quelle: AEMET, Klimanormalperiode 1981–2010.
Niederschlag fällt im Schnitt an 22 Tagen im Jahr. Juni, Juli und August sind im langjährigen Mittel komplett trocken — null Millimeter. Der Süden bekommt mit 3.200 bis 3.300 Sonnenstunden pro Jahr das Maximum, Las Palmas im Norden 2.800 bis 2.900.
Die Universität Syracuse (USA) hat Las Palmas 1996 zur Stadt mit dem besten Klima der Welt erklärt.
Die Studie wird seither auf jedem zweiten Touristen-Flyer zitiert — was aber stimmt: extreme Werte gibt es kaum, das Klima ist mild und stabil.
Wann es trotzdem heiss wird
Die Stabilität endet, wenn Calima aus Nordafrika kommt. Dann kippt das ganze System: heisse, trockene Luft schiebt sich über die Insel, der Passat verliert die Kontrolle, die Temperaturen schiessen hoch.
Bei einer richtigen Calima sind 40 Grad im Süden möglich. Mehr dazu in Kapitel 3.
Mikroklimazonen — Nord, Süd, Höhe
Wer nur den Flughafenwert kennt, unterschätzt die Insel. Gran Canaria ist ein Kontinent im Kleinen — auf wenigen Kilometern ändern sich Niederschlag, Sonne und Temperatur extrem.
Das Nord-Süd-Gefälle
Maspalomas im Süden registriert im Jahresmittel rund 43 Millimeter Regen — weniger als Wüstenorte in der Sahara.
Las Palmas im Norden liegt bei etwa 300 Millimeter und hat deutlich mehr bewölkte Stunden.
Im Pinar de Tamadaba und an der Nordkumbre fallen 650 bis 930 Millimeter pro Jahr. Der Rekord stammt aus Cuevas Blancas: 2.508 Millimeter im Jahr 1962/63. Das ist mehr als in vielen Schweizer Alpentälern (InfonorteDigital).
Das ist nicht akademisch. Wenn du in Maspalomas wohnst, fällt im Jahr weniger Regen als in einer mittelguten Woche in Hamburg. Wenn du in San Mateo wohnst, brauchst du eine Regenjacke.
Der "Eselsbauch" — Panza de Burro
Der Nordostpassat drückt eine Tiefstratuswolke gegen die Nordseite der Insel. Diese Wolke heisst auf den Kanaren Panza de Burro — Eselsbauch.
Sie wirkt wie ein natürlicher Sonnenschutz für Las Palmas: hält die Sommerhitze ab, sorgt für Niederschlag in den Nordlagen, löst sich an der Südseite durch den Föhn-Effekt wieder auf.
Konkret heisst das: Las Palmas kann morgens neblig sein, während Maspalomas 30 km weiter südlich klar in der Sonne liegt.
Wer in Las Palmas Strandurlaub macht und auf Sonne wartet, hat manchmal Pech. Wer im Süden wohnt und sich wundert, warum die Hauptstadt grau aussieht — das ist die Erklärung.
Höhenlagen: Pico de las Nieves
1.949 Meter Höhe. Im Winter Temperaturen um 3 bis 6 Grad. Gelegentlich Schnee. Der Passatwind endet zwischen 1.200 und 1.500 Meter — darüber wird es trockener und wärmer.
Das erklärt, warum die Cumbres (Bergzonen) bei Sturm oft zuerst die höchste AEMET-Warnstufe bekommen: oben gibt es nichts mehr, was den Wind bremst.
Süden im Sommer
Im Sommer liegt der Süden meist 2 bis 4 Grad wärmer als der Norden. Bei Calima können San Bartolomé de Tirajana und die inneren Schluchten über 40 Grad steigen.
Im August 2025 wurden in Tejeda tropische Nächte ohne Abkühlung unter 30 Grad gemessen (Maspalomas 24h). Das ist nicht mehr "ewiger Frühling" — das ist Dauerstress für den Körper.
Calima — was sie ist und was sie kostet
Calima ist kein Nebel. Es ist eine Wolke aus Sahara-Staub und -Sand, die mit dem Wind über den Atlantik geweht wird.
Erkennbar am orange-bräunlichen Himmel und Sichtweiten unter 3 Kilometer. Die Partikel enthalten Quarz, Ton, manchmal auch transportierte Schadstoffe (Schwermetalle, Pollen).
Wenn du die Sonne als milchige Scheibe siehst und dein Auto morgens braun überzogen ist — das ist Calima.
Die Zahlen, die zählen
Die EU-Grenzwerte für PM10 (Feinstaubpartikel unter 10 Mikrometer):
- Tagesgrenzwert: 50 µg/m³ — darf maximal 35 Mal pro Jahr überschritten werden (ab 2030: nur noch 18 Mal)
- WHO-Empfehlung: 45 µg/m³ als 24-Stunden-Mittel
- In Spanien: ab 50 µg/m³ Umweltinformationsschwelle, ab 80 µg/m³ Umweltalarm
Das ist die Schwellen-Architektur. Jetzt der Vergleich mit der Realität.
Der Rekord: Februar 2020
Beim Calima-Ereignis im Februar 2020 wurden auf Gran Canaria bis zu 2.000 µg/m³ PM10 gemessen (El País).
Das ist 40 Mal über dem EU-Tagesgrenzwert und etwa 44 Mal über der WHO-Empfehlung. El País zitierte sogar Werte, die "60 Mal über dem empfohlenen Grenzwert" lagen.
In manchen Medien kursiert die Formulierung "sechsmal giftiger". Das ist journalistisch unpräzise. Korrekt sind die Faktoren 40 bis 60 — abhängig davon, welche Referenz man nimmt. Das ist nicht Erbsenzählerei: bei Gesundheitsdiskussionen ist eine Grössenordnung Unterschied wichtig.
Europas Ausnahmezone
Eine Studie des spanischen Forschungsrats CSIC vom Oktober 2024 bezeichnete die Supercalimas 2020–2022 als die intensivsten Staubereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen in Spanien (RTVC). 2023 überschritten 22 von 48 kanarischen Messstationen den EU-Jahresgrenzwert für PM10 — mehr als in jeder anderen Region Spaniens.
Weil die Werte natürlichen Ursprungs sind, kann die EU sie aus der Konformitätsbewertung ausnehmen. Das hilft Brüssel beim Bürokratie-Häkchen. Es hilft den Lungen der Bewohner nicht. Das Gesundheitsrisiko bleibt messbar — siehe Kapitel 7.
Was Calima sonst noch macht
- Sicht unter 3.000 Metern, oft unter 1.000
- Flüge verspätet oder gestrichen, vor allem auf Kleininseln (La Palma, La Gomera, El Hierro)
- Verkehr gefährlicher: Auto-Sicherheitsabstand verdoppeln, Licht an
- Photovoltaik verliert bis zu 30 Prozent Leistung
- Allergien und Atemwege spürbar gereizt — auch bei Gesunden
AEMET-Warnungen — die Ampel richtig lesen
Der spanische Wetterdienst AEMET betreibt den Plan Meteoalerta mit vier Stufen. Die Logik ist Ampel-Logik, aber mit Konsequenzen.
- Verde — kein Risiko
- Amarillo (Gelb) — Risiko für bestimmte Aktivitäten. Wandern, Bootfahren, Outdoor-Sport mit Vorsicht
- Naranja (Orange) — erhebliches Risiko, Auswirkungen auf den Alltag. Schulen können schliessen, Events werden verschoben
- Rojo (Rot) — extremes Risiko. Reisen nicht empfohlen, Flug- und Fährausfälle wahrscheinlich
Wind — die Schwellen für Gran Canaria
- Amarillo: Böen bis 70 km/h
- Naranja: Böen bis 90 km/h
- Rojo: Böen ab 130 km/h
Die Werte gelten für drei Meteoalerta-Zonen der Insel: Norden (659001), Cumbres (659003), Osten/Süden/Westen (659004). Die Cumbres-Zone erreicht bei Stürmen oft zuerst die höchste Stufe.
Niederschlag — die Schwellen für Gran Canaria
- Amarillo: 40 mm in 12 Stunden (15 mm in 1 Stunde)
- Naranja: 80 mm in 12 Stunden (30 mm in 1 Stunde)
- Rojo: 120 mm in 12 Stunden (60 mm in 1 Stunde)
Calima — der eigene Aviso
AEMET aktiviert eine Calima-Warnung der Stufe Gelb, wenn die Sicht voraussichtlich unter 3 Kilometer fällt. Parallel löst die kanarische Notfallbehörde (Dirección General de Seguridad y Emergencias) eine Prealerta auf Inselebene aus.
Beim Calima-Ereignis am 19. April 2026 galten Avisos Amarillos für alle sieben Inseln gleichzeitig (El Diario).
Wo du die Warnungen findest
- AEMET-App (kostenlos, auch deutsch) — direktester Weg
- aemet.es/es/eltiempo/prediccion/avisos — die offizielle Warnseite
- 112 Canarias auf Twitter/X — meist als Erste mit Hintergrund
- Lokale Medien wie CITA News oder Maspalomas News für deutschsprachige Aufbereitung
Borrascas und Stürme — Therese, Delta, Hermine
Gran Canaria ist kein Sturmhotspot wie die Karibik. Aber die seltenen Ereignisse sind destruktiv. Die letzten zwei Jahrzehnte liefern drei Benchmarks: Delta 2005, Hermine 2022, Therese 2026.
Borrasca Therese, 17. bis 25. März 2026
Therese verwüstete den Archipel über neun Tage. Die kommunalen Schadensschätzungen summierten sich auf 186,8 Millionen Euro. Auf mehreren Inseln wurde der Notstand (PEINCA-Stufe 2) ausgerufen. Das spanische Militär (UME) rückte nach La Gomera ein.
Die Niederschlagsbilanz war extrem: Therese verzehnfachte die Märzniederschläge an zahlreichen Punkten. Spitzenwerte:
- 474 Liter pro Quadratmeter an der Station El Reventón (Puntagorda, La Palma)
- 260,3 Liter pro Quadratmeter in Vega de San Mateo auf Gran Canaria
CECOES 112 registrierte insgesamt 1.783 Notruf-Einsätze während der Sturmtage (RTVC). Die Gran Cabalgata des Carnaval Internacional de Maspalomas wurde vom 21. auf den 28. März verschoben.
Delta, 28./29. November 2005
Delta bleibt der zerstörerischste Sturm im kollektiven Gedächtnis der Inseln.
- 7 Todesopfer
- Über 300.000 Menschen ohne Strom, teilweise eine Woche lang
- Windböen von 248 km/h am Teide (Izaña)
- Über 120 km/h an den Küsten
- "Dedo de Dios" bei Agaete vom Sturm zerstört
Quelle: RTVC. Wer auf Gran Canaria Felsformationen kennt, weiss vom "Gottesfinger" — heute fehlt er. Das war Delta.
Hermine, September 2022
Hermine brachte historische Niederschlagsrekorde:
- 345 mm in einem Tag auf La Palma — mehr als das 20-Fache des normalen September-Monatswerts
- 125 Liter pro Quadratmeter auf Gran Canaria
- 671 gestrichene Flüge und 65 Umleitungen
- Rund 3.000 Haushalte ohne Strom
Quelle: RTVE. Hermine zeigt den Worst Case im Luftverkehr — das ist die Zahl, an der sich heute jede Sturmprognose messen lassen muss.
Was das bedeutet
Die Inseln werden im Schnitt alle paar Jahre von einem Ereignis dieser Grössenordnung getroffen. Versicherungen wissen das. Wer hier eine Immobilie hat, sollte:
- Sturmversicherung explizit abschliessen (nicht in jeder Standardpolice)
- Dachpfannen, Aussenmöbel, Markisen vor der Sturmzeit prüfen
- Bei Aviso Naranja oder Rojo nicht ans Auto, nicht ans Boot
Saisonkalender — wann welches Wetter
Wer Gran Canaria plant — Urlaub, Hauskauf, längeren Aufenthalt — sollte den Jahresrhythmus kennen.
November bis Februar — Regenzeit
67,5 Prozent des Jahresniederschlags am Flughafen fallen zwischen November und Februar (102 mm von 151 mm Jahresmittel). Das sind die Monate mit den seltenen Starkregen-Ereignissen — und dem höchsten Risiko für Borrascas.
Wer im Winter im Norden Urlaub macht, sollte mit bewölkten Tagen rechnen. Im Süden fällt statistisch praktisch nichts.
Dezember bis Februar — Calima-Peak
- Dezember: 17,3 Calima-Tage im Schnitt (Spitzenmonat)
- Februar: 14,5 Tage
- November: 14,3 Tage
Im Winter 2023/24 herrschte an 85 Prozent der Tage Calima-Einfluss — nur 12 von 90 Tagen blieben staubfrei (Diario de Avisos). Jahresdurchschnitt: rund 112 Calima-Tage. Das ist fast jeder dritte Tag.
Juni bis September — Trockenheit und Hitze
- Juni, Juli, August: im langjährigen Mittel 0 mm Niederschlag am Flughafen
- August: heissester Monat, Tageshoch 27,5 °C im Mittel
- Bei Calima im Süden: über 40 °C möglich
Semana Santa — die Wildcard
Ende März / Anfang April liegt das Mittel bei rund 19 Grad mit geringer Regenwahrscheinlichkeit. Aber: Historisch häufen sich Calima-Episoden zur Karwoche. 2026 aktivierte AEMET ab dem 30./31. März einen Calima-Aviso für alle Inseln gleichzeitig.
Trend: mehr Staub, heisserer Atlantik
Laut AEMET-Delegiertem David Suárez hat die Sahara-Staub-Aktivität seit 2020 messbar zugenommen — Ursachen: zunehmende Dürre in Nordafrika, ostwärts verschobenes Azorenhoch, Klimawandel. Die Supercalimas 2020–2022 gelten als die intensivsten seit Messbeginn (Europa Press / CSIC).
Die mittel- bis langfristige Tendenz ist eindeutig: Calima wird häufiger, intensiver, länger anhaltend. Wir haben dem Thema einen eigenen Artikel gewidmet — siehe Klimawandel-Prognose Kanaren.
Gesundheit bei Calima — wer aufpassen muss
Calima ist nicht nur ein Touristenthema. Für Bewohner mit Vorerkrankungen sind die Peaks medizinisch relevant — und in Krankenhauszahlen messbar.
Wer besonders gefährdet ist
Die kanarische Gesundheitsbehörde (Consejería de Sanidad) nennt sieben Risikogruppen:
- Kinder
- Senioren
- Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen (Asthma, COPD, chronische Bronchitis)
- Personen mit chronischen Herzerkrankungen
- Schwangere
- Im Freien arbeitende Personen
- Raucher
Was Krankenhauszahlen zeigen
Wissenschaftliche Studien, vom Servicio Canario de la Salud zitiert, belegen für Calima-Tage:
- +22,6 Prozent Krankenhauseinweisungen wegen Atemwegserkrankungen (95-Prozent-Konfidenzintervall: 10,4 bis 36,0 Prozent)
- +29,9 Prozent COPD-Einweisungen (KI: 6,6 bis 58,4 Prozent)
- Effekt hält bis zu fünf Tage nach dem Ereignis an
- Pädiatrische Notaufnahmen steigen signifikant
Das sind keine kleinen Zahlen. Bei einem Calima-Tag mit 1.000 üblichen Atemwegs-Einweisungen sind das 226 zusätzliche Patienten — pro Tag, und tagelang nach dem Ereignis.
Verhaltensregeln der Sanidad
Wenn die Calima da ist:
- Drinnen bleiben — Fenster geschlossen halten
- Keine körperliche Anstrengung im Freien — kein Sport, kein Wandern
- Hydratation — besonders Kinder und Ältere
- Oberflächen feucht abwischen — nicht trocken, das wirbelt nur auf
- Gewohnte Medikation fortsetzen — Asthma-Sprays, Herz-Medikamente
- Luftqualitätsindex (ICA) der Red de Control y Vigilancia beobachten — gobiernodecanarias.org/icca
- Bei verschlechterter Atmung: 112 anrufen
Die Mikro-Ebene: PM10 vs. PM2.5
PM10-Partikel (kleiner als 10 Mikrometer) dringen in die Lunge ein. PM2,5 (kleiner als 2,5 Mikrometer) dringen bis in die Alveolen vor — und können in den Blutkreislauf übergehen.
Die Europäische Umweltagentur schätzt: Jede Zunahme der PM10-Konzentration um 10 µg/m³ erhöht das Herz-Kreislauf-Sterberisiko um rund 2 Prozent.
Wenn man das auf einen Calima-Tag mit 500 µg/m³ hochrechnet — also 450 µg/m³ über dem Hintergrund — ergeben sich messbare Effekte. Die Inselbevölkerung sieht das in den Notaufnahmen.
Reisen, Flüge, Events — die Protokolle
Wetter-Events haben konkrete Konsequenzen im Alltag. Wer die Protokolle kennt, reagiert schneller und spart Stress.
Flughafen Gran Canaria (LPA) bei Calima
Der LPA ist durch seine flache Küstenlage robuster als die Bergflughäfen La Palma oder La Gomera.
Bei intensiver Calima (Sicht unter 3.000 m) sind dennoch Verspätungen von 15 bis 55 Minuten typisch — vor allem bei Binter und Canaryfly auf Inselverbindungen. Am 31. März 2026 wurden im Archipel zahlreiche Flüge gestrichen oder umgeleitet (Atlántico Hoy).
Was du tun kannst:
- Vor Abflug AEMET-App und Airline-App checken
- Bei Calima-Aviso 2 Stunden früher am Flughafen sein
- Inlandsflüge (Binter, Canaryfly): Umbuchung kostenlos in der Regel möglich
- Internationale Flüge: bei Aviso Rojo Erstattung verlangen, EU-Verordnung 261/2004 schützt den Passagier
Fähren — Fred Olsen und Naviera Armas bei Sturm
Während Borrasca Therese (19.–25. März 2026) strich Fred Olsen Express mehrere Verbindungen nach La Gomera. Am 20.
März wurden auf der Strecke Tenerife–Gran Canaria drei der sechs täglichen Abfahrten ausgesetzt (10:00, 14:00, 18:00 Uhr; 12:00, 16:00, 20:00 Uhr fuhren beide Richtungen). Gleichzeitig wurden acht Flüge am Flughafen La Palma gestrichen (EFE / Investing).
Event-Verschiebung — die Hierarchie
Auf Gran Canaria folgt die Absage oder Verschiebung von Grossveranstaltungen einer klaren Hierarchie:
1. AEMET gibt Wetterwarnung heraus (Gelb, Orange, Rot)
2. Gobierno de Canarias aktiviert PEINCA / PEIN (Plan de Emergencias Insular)
3. Ayuntamiento koordiniert über PEMU (Plan de Emergencias Municipal)
4. Entscheidung in der Regel 24 bis 48 Stunden vor dem Event
Konkretfall 2026: Die Gran Cabalgata des Carnaval Internacional de Maspalomas (geplant 21. März) wurde am 19./20. März auf den 28. März verschoben. Grundlage waren die Avisos Amarillo/Naranja wegen Wind, Regen und Küstenphänomenen durch Therese (Maspalomas.com).
Der Hermine-Benchmark
Tormenta tropical Hermine 2022 bleibt der historische Orientierungspunkt für Extremereignisse im Luftverkehr: 671 gestrichene Flüge, 65 Umleitungen. Bei reiner Calima sind die Folgen im Schnitt deutlich milder — aber auf Kleininseln-Airports operationell spürbar.
Was das alles bedeutet
Gran Canaria hat ein gutes Klima. Das ist die Wahrheit. Aber sie ist nicht die ganze Wahrheit.
Wenn du hier wohnst:
Versteh die Mikroklimas — Norden ist nicht Süden, Küste ist nicht Berg. Wer im Norden wohnt, hat mehr Wolken und Regen, dafür weniger Hitze.
Wer im Süden wohnt, hat Sonne fast garantiert, aber bei Calima im Sommer die volle Belastung. Wenn du Vorerkrankungen hast — Atemwege, Herz — installier die ICA-App und beobachte die Werte.
Wenn du hier kaufst oder baust:
Sturmversicherung ist Pflicht, nicht Kür. Die Schäden von Therese (186,8 Mio €) zeigen die Grössenordnung. Hanglage über offenem Gelände heisst stärkerer Wind.
Direkte Küste heisst Wellen-Risiko. Die Adapta-Costas-Studie der kanarischen Regierung listet 47 Hochrisiko-Küstenabschnitte — wer dort kauft, sollte das wissen.
Wenn du als Tourist kommst:
Mai bis Mitte Juni und Oktober sind die ruhigsten Monate — wenig Calima, kaum Sturmrisiko, kein Hochsommer.
Wer Karneval will, kommt im Februar/März und akzeptiert das Wettverlust-Risiko (Therese hat den Karneval 2026 verschoben). Wer im Hochsommer kommt, sollte den Süden wählen, viel trinken und bei Calima drinnen bleiben.
Wenn du eine Veranstaltung planst:
24 bis 48 Stunden vorher entscheidet sich alles. AEMET-Aviso, Gobierno-Prealerta, Ayuntamiento-Beschluss — die Kette ist klar. Plane einen Plan B mit ein.
Die Inseln haben Jahrhunderte mit diesem Wetter gelebt. Es gibt Protokolle, Warnungen, Routinen. Wer sie kennt, lebt sicher und plant gut.
Wer sie ignoriert, hat irgendwann eine teure Geschichte zu erzählen — wie die Eigentümer der Boote in Arguineguín, die in der Therese-Nacht im Hafen geblieben sind.
Wetter ist auf den Kanaren keine Folklore. Es ist Ressource und Risiko gleichzeitig. Beide ernst zu nehmen, ist die einzige vernünftige Haltung.