Du hast dich entschieden: Gran Canaria, Süden, dauerhaft. Glückwunsch — du wirst einen Mietmarkt vorfinden, der mit keinem europäischen vergleichbar ist. 90 Prozent der Wohneinheiten zwischen Maspalomas und Playa del Inglés sind touristisch lizenziert. Das bedeutet: kurze Saison­verträge, höhere Preise und ein intensives Rennen um die wenigen echten Langzeitwohnungen. Wer gut vorbereitet ist, findet trotzdem ein Zuhause — und zahlt dabei keinen Phantasiepreis.

Mietpreise nach Gebiet — ein ehrlicher Überblick

Die Preise im Süden variieren deutlich je nach Lage, Ausstattung und Vertragstyp. Faustregel: Je näher am Strand und je touristischer das Viertel, desto höher der Preis — und desto kürzer der Vertrag. Unsere Live-Daten zu Immobilienpreisen auf Gran Canaria geben dir einen aktuellen Überblick.

Gebiet 1 Zimmer 2 Zimmer Besonderheit
Maspalomas / Campo Internacional850–1.200 €1.100–1.400 €Dünen, Faro, ruhiger
Playa del Inglés950–1.300 €1.200–1.600 €Zentralste Lage, Yumbo
Melonerasab 1.200 €1.500–2.200 €Luxuslage, Strandpromenade
San Fernandoab 750 €ab 950 €Günstigste Option
Arguineguín700–1.000 €950–1.300 €Authentisches Fischerdorf

Mietpreise Langzeit (Vivienda habitual, 2025/2026):

Maspalomas / Campo Internacional: Studio/1 Zimmer 850–1.200 €/Monat · 2-Zimmer-Bungalow 1.100–1.400 €/Monat

Playa del Inglés: 1-Zimmer 950–1.300 €/Monat · 2 Zimmer 1.200–1.600 €/Monat

Meloneras: 1-Zimmer ab 1.200 € · 2 Zimmer 1.500–2.200 €/Monat

San Fernando: günstigste Option im Süden · 1-Zimmer ab 750 € · 2 Zimmer ab 950 €/Monat

Arguineguín: 1-Zimmer 700–1.000 € · 2 Zimmer 950–1.300 €/Monat

Saisonverträge (Temporada, 3–6 Monate): 20–40 % Aufschlag auf die obigen Preise

Durchschnitt Süd: ca. 24 €/m² Kaltmiete (Idealista, Sept. 2025)

Meloneras ist das Premiumviertel: Strandpromenade, Hotel-Infrastruktur, hohe Lebensqualität — aber entsprechend teuer. San Fernando ist das Gegenteil: hier leben die Einheimischen, hier gibt es Supermärkte, Bäckereien und Busverbindungen ohne Touristenaufschlag. Arguineguín westlich von Maspalomas hat noch echten Fischer-Charme und ist spürbar günstiger.

Temporada oder Vivienda habitual — das ist der entscheidende Unterschied

In Spanien gibt es zwei grundverschiedene Mietvertragstypen, und du musst wissen, welchen du unterschreibst — bevor du unterschreibst.

Der Vivienda-habitual-Vertrag (Dauerwohnsitz) fällt unter die Ley de Arrendamientos Urbanos (LAU). Er gibt dir als Mieter starken Schutz: mindestens fünf Jahre Laufzeit (bei Privatvermietern), automatische Verlängerung, begrenzte Mieterhöhungen. Das ist der Vertrag, den du willst, wenn du dich auf der Insel niederläßt, dich empadronierst und dauerhaft hier lebst.

Der Temporada-Vertrag (Saisonvertrag) ist auf maximal elf Monate begrenzt. Kein automatisches Verlängerungsrecht, keine Obergrenze für Mieterhöhungen bei Neuabschluss. Diese Verträge werden häufig für Wintersaison-Vermieter ausgestellt — oder für Vermieter, die die LAU-Rechte umgehen wollen. Im Süden Gran Canarias ist der Temporada-Vertrag die Norm; ein echter Langzeitvertrag ist die Ausnahme.

Wichtig: Ein Saisonvertrag berechtigt dich nicht zur Ummeldung (Empadronamiento). Für den Wohnsitz in Spanien und alle damit verbundenen Behördengänge brauchst du einen Dauerwohnsitzvertrag. Wie der Empadronamiento genau funktioniert, haben wir in Relocate #03 erklärt.

Das größte Problem im Süden: kaum echte Langzeitwohnungen

Der Süden Gran Canarias — von Maspalomas über Playa del Inglés bis zum Campo Internacional — wurde in den 1960er und 1970er Jahren als Touristikzone geplant und gebaut. Die Bungalow-Komplexe rund um die Dünen sind in ihrer überwältigenden Mehrheit als Apartamentos Turísticos registriert. Das heißt: Der Vermieter darf dir rechtlich gesehen gar keinen normalen Wohnmietvertrag ausstellen — die Einheit ist nicht für Dauerwohnen lizenziert.

In der Praxis passiert es trotzdem. Manche Eigentümer vermieten unter der Hand, ohne dass das Gebäude als Wohnraum zugelassen ist. Das Risiko trägst du als Mieter: kein Mieterschutz, mögliche Kündigung, kein Empadronamiento möglich. Geh deshalb nie einen Vertrag ein, ohne vorher zu prüfen, ob die Wohnung als vivienda (Wohnraum) und nicht nur als apartamento turístico im Kataster eingetragen ist.

Wo du suchst — und was wirklich funktioniert

Die bekanntesten Portale für Langzeitmiete auf Gran Canaria sind Idealista und Fotocasa. Beide haben Filtermöglichkeiten für „larga duración" (Langzeitmiete) — nutze sie. Die Ergebnisse zeigen jedoch nur einen Teil des Markts.

Ein erheblicher Teil der Angebote läuft über Facebook-Gruppen: „Gran Canaria Expats", „Maspalomas Alquiler" und vergleichbare Gruppen haben aktive Mitglieder, die täglich Wohnungen inserieren oder weiterempfehlen. Besonders wertvoll sind dort persönliche Kontakte zu Verwaltern, die mehrere Einheiten betreuen.

Unterschätze nicht die orangefarbenen Schilder. In vielen Straßen des Südens hängen an Fenstern und Zäunen handgeschriebene oder gedruckte „SE ALQUILA"-Schilder — oft direkt vom Eigentümer, ohne Portal, ohne Provision. Spaziere durch San Fernando, Arguineguín oder die Wohnviertel hinter dem Yumbo-Center: Du findest Angebote, die online nie erscheinen. Auch die direkte Anfrage bei der Komplex-Verwaltung lohnt sich.

Hochsaison = weniger Auswahl, höhere Preise

Wer zwischen November und April nach einer Wohnung sucht, kämpft gegen den Touristenstrom. Das ist die Hochsaison im Süden Gran Canarias — Europäer flüchten vor dem Winter, Hotels und Bungalows sind ausgebucht, und Vermieter wissen das. Die Folge: weniger Langzeitwohnungen auf dem Markt (Temporada-Angebote für Wintersaison werden bevorzugt), und die vorhandenen Angebote sind teurer. Wer die Wahl hat, sucht zwischen Mai und Oktober — da sind Vermieter verhandlungsbereit.

Was du an Dokumenten brauchst

Kein seriöser Vermieter im Süden unterschreibt einen Langzeitvertrag ohne Bonitätsnachweis. Das Minimum, das du bereit haben solltest:

NIE (Número de Identidad de Extranjero) — Pflicht für jeden Ausländer. Wie du ihn beantragst, erklärt Relocate #02.

Spanisches Bankkonto — für die Lastschrift der Miete. Ohne Konto wirst du von den meisten Vermietern abgelehnt.

Einkommensnachweis — Nómina (Gehaltsabrechnung), Arbeitsvertrag oder bei Selbständigen: Steuerbescheid / Kontoauszüge der letzten drei Monate. Faustregel: Dein monatliches Nettoeinkommen sollte mindestens das 2,5-fache der Miete betragen.

Kaution — gesetzlich ein Monatsmiete, in der Praxis oft zwei. Dazu kommt bei Agenturen eine Provision von ein bis zwei Monatsmieten.

Garantía adicional — manche Vermieter verlangen zusätzlich eine Bank­bürgschaft oder einen Bürgen. Das ist legal und im Süden nicht ungewöhnlich.

Wenn du Freiberufler oder Digital Nomad bist und keine klassische Nómina vorweisen kannst: Zeige Kontoauszüge, internationale Verträge oder Einnahmenbelege. Es gibt Vermieter im Süden, die das akzeptieren — aber es dauert länger. Die Immobilien-Seite von CITA News listet aktuelle Marktdaten, die dir bei der Verhandlung helfen.

Nebenkosten einkalkulieren

Neben der Kaltmiete entstehen im Süden typischerweise folgende Zusatzkosten: Strom (Endesa) 40–60 € monatlich im Sommer, mehr bei Klimaanlage im Winter. Wasser 15–25 €. Internet 25–40 €, in vielen Bungalow-Komplexen bereits in der Miete enthalten. Pool und Gemeinschaftsanlagen sind in den meisten Komplexen inklusive — ein klarer Vorteil gegenüber Nordspanien.

Hunde und Kinder: Viele Bungalow-Komplexe im Campo Internacional und in Playa del Inglés haben Hausordnungen, die Haustiere oder Kinder ausschließen. Frag explizit nach, bevor du einen Besichtigungstermin vereinbarst.

Puerto de Mogán und Roque Nublo — für Ruhesuchende

Wer etwas weiter vom Trubel entfernt wohnen will, schaut in Richtung Puerto Rico oder Puerto de Mogán. Letzteres gilt als das „schönste Dorf der Kanaren" — ruhige Marina, familienfreundlich, weniger Clubtourismus. Die Mietpreise sind mit denen in Maspalomas vergleichbar, dafür ist die Atmosphäre eine andere. Wer authentisches kanarisches Leben sucht, wohnt in den kleinen Ortschaften im Hinterland zwischen Maspalomas und dem Roque Nublo — aber dann brauchst du zwingend ein Auto.

Für das aktuelle Wetter im Süden Gran Canarias und weitere Orientierung rund um deinen Umzug findest du alle Informationen in unserer Relocate-Serie.