Diese Serie: Teil 1 von ca. 25 Artikeln, die dich Schritt für Schritt durch den Umzug nach Gran Canaria fuehren — von der Landung bis zur Steuerresidenz.
Zielgruppe: EU-Buerger, digitale Nomaden, Remote Worker, Rentner, Langzeitreisende
Nächster Artikel: NIE-Nummer beantragen — der wichtigste Schritt
Vom Flughafen in den Süden: So kommst du weg
Der Flughafen Gran Canaria (LPA) liegt an der Ostküste, etwa 25 Minuten mit dem Auto vom touristischen Süden entfernt. Es gibt drei Optionen, um nach Maspalomas, Playa del Ingles oder Las Palmas zu kommen.
Die günstigste: Der Bus. Global (die Busgesellschaft der Insel) fährt Linie 66 vom Flughafen direkt nach Maspalomas und Playa del Ingles. Die Fahrt dauert etwa 40 Minuten und kostet um die 4 Euro. Die Busse fahren etwa alle 30 Minuten, auch abends. Tickets am Automaten an der Haltestelle oder direkt beim Fahrer (Bargeld). Nach Las Palmas nimmt man die Linie 60 — etwa 25 Minuten, ähnlicher Preis.
Die bequemste: Taxi. Vom Flughafen nach Maspalomas kostet ein Taxi etwa 40 bis 50 Euro. Es gibt eine offizielle Taxischlange direkt vor der Ankunftshalle. Keine App nötig, keine Verhandlung — der Zähler läuft.
Die flexibelste: Mietwagen. Die grossen Anbieter (Cicar, Goldcar, Europcar) sind direkt am Flughafen. Cicar ist lokal und hat den besten Ruf. In der Hochsaison vorbuchen. Ein Kleinwagen kostet ab etwa 20 Euro pro Tag. Für die ersten Tage ist ein Mietwagen oft überflüssig — die meisten Expats mieten erst, wenn sie eine Wohnung haben.
SIM-Karte: Erster Stopp nach der Landung
Ohne spanische Telefonnummer geht wenig. Du brauchst sie für Mietverträge, Bankkonten, Behörden, Lieferdienste und WhatsApp-Gruppen. EU-Roaming funktioniert zwar, aber die meisten Anbieter drosseln nach einigen Wochen oder berechnen Aufschläge für dauerhaften Auslandsaufenthalt.
Die einfachste Lösung: Eine Prepaid-SIM von Movistar, Vodafone oder Orange. Erhältlich in jedem grossen Supermarkt (Spar, Carrefour), in den Shops der Anbieter in Las Palmas oder im Centro Comercial Yumbo in Playa del Ingles. Kosten: Ab etwa 10 Euro für eine SIM mit Datenvolumen. Reisepass oder Personalausweis wird benötigt — spanisches Gesetz verlangt eine Identifikation bei SIM-Kauf.
Tipp: Viele Expats steigen nach den ersten Wochen auf einen Vertrag bei Digi oder Lowi um — günstige Anbieter mit guter Abdeckung, die komplett online abgeschlossen werden können. Dafür brauchst du aber eine NIE-Nummer und ein spanisches Bankkonto — beides kommt in den nächsten Artikeln dieser Serie.
Erste Unterkunft: Wo du die erste Woche verbringst
Die meisten Expats und Nomaden kommen nicht mit einem festen Mietvertrag an. Die erste Woche dient der Orientierung: Wo will ich wirklich wohnen? Süden oder Hauptstadt? Resort oder Stadt?
Für den Süden (Maspalomas, Playa del Ingles, San Agustin): Ferienwohnungen über Booking oder Airbnb sind die gängige Lösung für die ersten Tage. Preise variieren stark — ab 40 Euro pro Nacht für ein Studio, ab 70 für eine Einzimmerwohnung. In der Hochsaison (Dezember bis März) deutlich teurer.
Für Las Palmas: Ähnliche Situation, aber mit mehr Hostel- und Co-Living-Optionen. Reykjavik District in Guanarteme und die Gegend um Santa Catalina sind bei digitalen Nomaden beliebt.
Wichtig: Schließe keinen langfristigen Mietvertrag in den ersten Tagen ab. Nimm dir eine Woche, lerne die Gegend kennen, sprich mit Leuten die schon hier leben. Der Wohnungsmarkt auf Gran Canaria hat seine eigenen Regeln — dazu kommt ein ausführlicher Artikel in dieser Serie.
Einkaufen: Was du am ersten Tag brauchst
Die grossen Supermaerkte im Süden: Spar ist überall und hat die laengsten Öffnungszeiten. HiperDino ist die zweitgrößte kanarische Kette. Lidl und Aldi gibt es in Playa del Ingles und San Fernando. Mercadona, der größte Supermarkt Spaniens, hat Filialen in Vecindario und Las Palmas — lohnt sich für Grosseinkaeufe.
Preise: Lebensmittel sind auf den Kanaren dank der reduzierten IGIC (Mehrwertsteuer, derzeit 0% auf Grundnahrungsmittel) oft günstiger als auf dem spanischen Festland. Importprodukte (deutsche Marken, spezielle Bio-Ware) kosten mehr. Obst und Gemüse vom lokalen Markt ist günstig und frisch — der Mercadillo de San Fernando (Mittwoch und Samstag) ist der größte im Süden.
Trinkwasser: Das Leitungswasser ist technisch trinkbar, aber stark mineralisiert und schmeckt den meisten nicht. Fast jeder kauft Garrafas — 5-Liter oder 8-Liter Wasserflaschen im Supermarkt. Kosten: Etwa 1 Euro für 8 Liter.
Orientierung: Süden oder Las Palmas?
Die größte Entscheidung für neue Expats. Beide Optionen haben klare Vor- und Nachteile.
Der Süden (Maspalomas, Playa del Ingles, San Agustin, Meloneras): Mehr Sonne (der Süden hat statistisch 30 Prozent weniger Wolken als der Norden), Strandnaehe, ruhiger, touristisch geprägte Infrastruktur. Nachteil: Weniger urbanes Leben, weniger kulturelles Angebot, Abhängigkeit vom Auto für alles ausserhalb der Touristenzonen.
Las Palmas: Grossstadt (380.000 Einwohner), urbanes Leben, Co-Working-Szene, Playa de Las Canteras, Restaurants, Nachtleben, bessere öffentliche Verkehrsmittel. Nachteil: Mehr Wolken im Winter (der Norden ist feuchter), höherer Strassenlärm, teurere Mieten in den beliebten Vierteln.
Was in den ersten 48 Stunden warten kann
NIE-Nummer beantragen — wichtig, aber nicht in den ersten zwei Tagen möglich. Dafür brauchst du einen Termin bei der Policia Nacional, und die Wartezeiten betragen oft ein bis drei Wochen. Termin so früh wie möglich online buchen — das erklären wir im nächsten Artikel der Serie.
Bankkonto eröffnen — brauchst du erst, wenn du die NIE hast. Manche Banken (N26, Revolut) funktionieren übergangsweise mit deiner EU-Adresse.
Empadronamiento (Wohnsitzanmeldung) — geht erst wenn du eine feste Adresse hast. Braucht einen Mietvertrag oder eine Bescheinigung des Vermieters.
Steuerliche Residenz — kommt viel später. Erst wenn du mehr als 183 Tage im Kalenderjahr in Spanien verbringst, wirst du steuerlich resident. Details folgen in einem eigenen Artikel.
Checkliste: Erste 48 Stunden
Stunde 1-2: Vom Flughafen zur Unterkunft (Bus 66, Taxi oder Mietwagen)
Tag 1: SIM-Karte kaufen (Spar, Yumbo oder Anbieter-Shop)
Tag 1: Supermarkt-Ersteinkauf (Spar, Lidl, HiperDino)
Tag 1-2: Gegend erkunden — zu Fuss, mit dem Bus, Strand testen
Tag 2: NIE-Termin online buchen (sede.administracionespublicas.gob.es)
Tag 2: Entscheidung: Süden oder Las Palmas als Basis?
Dies ist der erste Artikel einer Serie, die dich durch den gesamten Prozess des Ankommens auf Gran Canaria führt. Im nächsten Teil: Wie du die NIE-Nummer beantragst — das wichtigste Dokument für alles was danach kommt.