Wie lange gilt mein EU-Führerschein?
Die gute Nachricht zuerst: Dein EU-Führerschein — egal ob deutsch, österreichisch, schweizerisch (mit Zusatzabkommen) oder aus einem anderen EU-Land — ist auf den Kanarischen Inseln grundsätzlich gültig. Du kannst damit fahren, Mietwagen nehmen und bei Verkehrskontrollen vorzeigen.
Die Frist beginnt mit deiner offiziellen Residenz. Ab dem Tag, an dem du dich als Resident auf Gran Canaria anmeldest, läuft eine Zwei-Jahres-Frist. Innerhalb dieser zwei Jahre darfst du ohne Einschränkung mit deinem EU-Führerschein fahren. Danach ist die Umschreibung in einen spanischen Führerschein Pflicht.
Die Rechtsgrundlage ist die EU-Richtlinie 2006/126/EG, umgesetzt in Spanien durch das Real Decreto 818/2009. Die DGT (Dirección General de Tráfico) setzt diese Regel durch.
Sonderfall unbefristete deutsche Führerscheine: Wenn dein deutscher Führerschein vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde und kein Ablaufdatum hat, gilt die Zwei-Jahres-Regel besonders streng. Diese unbefristeten Führerscheine müssen nach zwei Jahren Residenz zwingend umgeschrieben werden.
Sonderfall befristete Führerscheine: Wurde dein Führerschein nach dem 19. Januar 2013 ausgestellt, hat er bereits eine 15-jährige Befristung. In diesem Fall musst du ihn erst bei Ablauf umschreiben — es sei denn, die Zwei-Jahres-Frist greift vorher.
Praxis-Erfahrung: Bei Verkehrskontrollen im Süden Gran Canarias wird nicht immer nach dem Residenz-Status gefragt. Aber bei einem Unfall, bei einem Versicherungsfall oder wenn du ein Auto auf deinen Namen zulassen willst, wird die DGT den Status prüfen. Dann wird ein nicht umgeschriebener Führerschein zum Problem.
Führerschein umschreiben: Schritt für Schritt
Der Umtausch heisst offiziell «Canje de permiso de conducción» und läuft über die DGT in Las Palmas.
Was du brauchst:
- Gültiger Personalausweis oder Reisepass
- NIE-Nummer (Número de Identificación de Extranjero)
- Dein deutscher Führerschein im Original plus Kopie
- Ein aktuelles Passfoto im Format 32 × 26 mm auf weissem Hintergrund
- Bescheinigung über den bestandenen Psicotécnico (medizinischer Eignungstest)
- Ausgefülltes Antragsformular der DGT
- Zahlung der Tasa 2.3 (28,87 €, Stand 2026) — nur per Karte, kein Bargeld
Termin buchen: Du brauchst eine Cita Previa, buchbar über sede.dgt.gob.es (Standort: Las Palmas-Gran Canaria) oder telefonisch über 060. Buche mindestens zwei Wochen im Voraus — die Termine sind oft knapp.
Was passiert beim Termin: Du legst alle Dokumente vor. Der Beamte prüft sie und leitet den Umtausch ein. Dein deutscher Führerschein wird eingezogen und über die DGT an das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg zurückgeschickt. Du bekommst zunächst ein temporäres Dokument, das als Führerschein gilt, bis der endgültige spanische Führerschein per Post kommt (4–8 Wochen).
Kosten insgesamt: ca. 60–80 €. Die DGT-Gebühr beträgt 28,87 €, der Psicotécnico 30–50 €, dazu kommen eventuell Passfotos (ca. 5 €).
Gültigkeit des neuen Führerscheins: 10 Jahre für Personen unter 65, 5 Jahre ab 65. Danach ist eine Verlängerung mit neuem Psicotécnico nötig.
Der medizinische Test (Psicotécnico)
Für den Führerscheinumtausch — und später für jede Verlängerung — brauchst du den Psicotécnico. Dieser Test wird in einem autorisierten Centro de Reconocimiento de Conductores (CRC) durchgeführt.
Was wird geprüft: Sehvermögen, Hörvermögen, allgemeine Reaktionsfähigkeit, Blutdruck, Koordination. Der Test dauert 15–20 Minuten und ist normalerweise unkompliziert.
Wo in Las Palmas: Es gibt mehrere CRCs in der Stadt. Praktisch sind die Zentren in der Nähe der DGT — etwa in der Calle Luis Doreste Silva 62 oder an der Avenida Mesa y López. So kannst du Psicotécnico und DGT-Termin am gleichen Tag erledigen.
Kosten: 30–50 €. Einige CRCs bieten Komplettpakete an, die Fotos und Terminbuchung bei der DGT einschliessen.
Wichtig: Das Testergebnis ist nur drei Monate gültig. Plane den Test also zeitnah vor deinem DGT-Termin ein. Brillenträger sollten ihre Sehhilfe mitbringen.
Auto mitbringen: Import und Ummeldung
Du willst dein deutsches Auto nach Gran Canaria bringen? Das ist möglich, aber bürokratisch. Hier ist der Ablauf.
Die Kurzversion: Deutsches Auto per Fähre/Spedition auf die Insel bringen → ITV-Prüfung bestehen → Steuern zahlen → Bei der DGT ummelden → Spanisches Kennzeichen und Versicherung → Deutsches Kennzeichen abmelden.
Schritt 1: Transport. Die meisten nutzen eine Autospedition oder fahren das Auto auf die Fähre (ab Cádiz oder Huelva). Kosten für den Transport: 500–1.500 € je nach Fahrzeuggrösse und Route.
Schritt 2: Dokumente vorbereiten. Du brauchst den deutschen Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I), den Fahrzeugbrief (Teil II), die EG-Übereinstimmungsbescheinigung (COC — Certificate of Conformity) und deine NIE. Die COC bekommst du beim Hersteller, falls nicht vorhanden. Ohne COC wird es deutlich komplizierter.
Schritt 3: ITV (Inspección Técnica de Vehículos). Das ist der spanische TÜV. Du buchst einen Termin für «Inspección para matriculación» bei der nächsten ITV-Station. Das Fahrzeug wird auf spanische Standards geprüft. Alles, was nicht in der COC steht — Anhängerkupplung, getönte Scheiben, Umbauten — kann Probleme machen.
Schritt 4: Steuern klären. Zwei Steuern fallen an: die Anmeldesteuer (Impuesto de Matriculación) beim Finanzamt und die Kfz-Steuer (IVTM) bei der Gemeinde. Die Anmeldesteuer hängt vom CO2-Ausstoss ab (0 % bis 14,75 %).
Schritt 5: DGT-Termin. Mit allen Dokumenten, ITV-Ergebnis und Steuerbelegen zur DGT (Cita Previa, Matriculación Ordinaria). Die DGT-Gebühr beträgt 99,77 € (Stand 2026). Danach bekommst du das spanische Kennzeichen und das Permiso de Circulación.
Schritt 6: Kennzeichen und Versicherung. Schilder bekommst du beim Schildermacher (meist direkt neben der DGT, ca. 20–30 €). Bevor du die Schilder anschraubst: spanische Kfz-Versicherung abschliessen. Deine deutsche Versicherung deckt spanische Kennzeichen nicht ab.
Schritt 7: Abmeldung in Deutschland. Theoretisch meldet die DGT das über EU-Kanäle. Praktisch funktioniert das oft nicht. Schicke die entwerteten deutschen Kennzeichen oder einen Nachweis der spanischen Zulassung an deine deutsche Zulassungsstelle.
ITV — der spanische TÜV
Die ITV (Inspección Técnica de Vehículos) ist das spanische Pendant zum deutschen TÜV. Die Prüfungsintervalle unterscheiden sich:
- Neuwagen: Erste ITV nach 4 Jahren
- 4–10 Jahre alt: Alle 2 Jahre
- Über 10 Jahre alt: Jährlich
Die ITV-Stationen auf Gran Canaria befinden sich in Las Palmas (Zona Industrial de Miller), Telde, Vecindario und Maspalomas. Termine buchst du online über die Website der jeweiligen ITV-Station.
Kosten: 40–170 € je nach Fahrzeugtyp. PKW in der Regel 40–60 € für die reguläre Prüfung, 120–170 € für Import-Prüfungen (matriculación).
Tipp: Die ITV ist bei Importfahrzeugen strenger als die reguläre Prüfung. Achte darauf, dass alles, was am Fahrzeug verbaut ist, auch in den Papieren steht. Besonders Anhängerkupplungen und nachgerüstete Xenon-Scheinwerfer sind häufige Durchfall-Gründe.
Steuern bei der Fahrzeug-Ummeldung
Bei der Ummeldung eines Importfahrzeugs fallen zwei Steuern an:
1. Anmeldesteuer (Impuesto de Matriculación / IEDMT)
Diese Steuer richtet sich nach dem CO2-Ausstoss deines Fahrzeugs (Feld V.7 deines deutschen Fahrzeugscheins):
- 0–120 g/km CO2: 0 % (steuerfrei)
- 121–159 g/km CO2: 4,75 %
- 160–199 g/km CO2: 9,75 %
- Über 200 g/km CO2: 14,75 %
Die Steuer wird auf den aktuellen Marktwert des Fahrzeugs berechnet (nach den Tabellen des spanischen Finanzamts, aktualisiert jährlich in der «Orden HAC»).
Befreiung als Umzugsgut: Wenn du dein Auto als Umzugsgut einführst (Modelo 06 statt Modelo 576), kannst du von der Anmeldesteuer befreit werden. Voraussetzungen: Du warst mindestens 12 Monate vor dem Umzug im Ausland, das Fahrzeug war mindestens 6 Monate auf deinen Namen zugelassen, und du darfst es nach der Einfuhr 12 Monate lang nicht verkaufen.
2. Kfz-Steuer (IVTM — Impuesto sobre Vehículos de Tracción Mecánica)
Die kommunale Kfz-Steuer zahlst du bei deiner Gemeinde (Ayuntamiento). Die Höhe variiert je nach Gemeinde und Hubraum/kW. Typischer Bereich für einen Mittelklasse-PKW: 60–150 €/Jahr.
Kfz-Versicherung auf den Kanaren
In Spanien ist eine Kfz-Haftpflichtversicherung (Seguro Obligatorio / Responsabilidad Civil) gesetzlich vorgeschrieben. Ohne Versicherung darfst du kein Fahrzeug im öffentlichen Verkehr bewegen — auch nicht zum ITV-Termin mit spanischem Kennzeichen.
Versicherungsarten:
- Haftpflicht (Terceros básico): Deckt Schäden an Dritten. Ab ca. 180–350 €/Jahr.
- Erweiterte Haftpflicht (Terceros ampliado): Zusätzlich Feuer, Diebstahl, Glasbruch. Ab ca. 250–500 €/Jahr. Empfehlenswert für Fahrzeuge über 8 Jahre.
- Vollkasko mit Selbstbeteiligung (Todo Riesgo con franquicia): Deckt auch eigene Schäden. Ab ca. 420–800 €/Jahr.
- Vollkasko ohne Selbstbeteiligung (Todo Riesgo sin franquicia): Umfassendster Schutz. Ab ca. 600–1.200 €/Jahr.
Schadenfreiheitsrabatt: Die meisten spanischen Versicherer übernehmen den deutschen Schadenfreiheitsrabatt, wenn du einen Nachweis deiner deutschen Versicherung vorlegst. Das kann die Prämie erheblich senken. Frag aktiv danach — es wird nicht automatisch berücksichtigt.
Wichtige Versicherer auf den Kanaren: Mapfre, Línea Directa, Liberty Seguros, Axa, Zurich. Für Expats gibt es spezialisierte Makler, die englisch- und deutschsprachigen Service anbieten.
Pannenhilfe (Asistencia en Carretera): In vielen Policen enthalten. Basis-Tarife decken nur Abschleppen im Umkreis von 50 km ab. Vollkasko-Tarife bieten spanienweite Bergung, Ersatzfahrzeug und Heimreise.
Neu 2026: V16-Warnleuchte statt Warndreieck
Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Spanien eine neue Regel: Das klassische Warndreieck ist für in Spanien zugelassene Fahrzeuge auf Autobahnen und Schnellstrassen abgeschafft. Stattdessen ist die V16-Warnleuchte Pflicht.
Was ist die V16? Ein kleines, orange blinkendes Gerät, das magnetisch auf dem Autodach befestigt wird. Es ist aus bis zu einem Kilometer sichtbar, sendet ein 360°-Lichtsignal und überträgt per GPS den Fahrzeugstandort an die DGT-3.0-Plattform.
Warum? Die DGT hat festgestellt, dass beim Aufstellen des Warndreiecks am Strassenrand viele tödliche Unfälle passieren. Mit der V16 musst du das Fahrzeug nicht verlassen.
Wer ist betroffen? Alle Fahrzeuge mit spanischer Zulassung — also auch dein umgemeldetes Auto. Mietwagen mit spanischem Kennzeichen müssen ebenfalls eine V16 an Bord haben.
Was kostet sie? DGT-zertifizierte V16-Leuchten kosten 20–50 €. Achte auf das DGT-3.0-Zertifikat — Leuchten ohne GPS-Modul sind seit 2026 nicht mehr zugelassen.
Bussgeld: Wer ohne V16 auf Autobahn oder Schnellstrasse erwischt wird, zahlt 80–200 €.
Für Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen: Die Pflicht gilt nicht. Wer mit deutschem Kennzeichen nach Spanien fährt (z. B. Urlauber), darf weiterhin das Warndreieck nutzen.
Auto vor Ort kaufen statt importieren
Für viele Neu-Residenten ist es einfacher, ein Auto direkt auf Gran Canaria zu kaufen statt es zu importieren. Der Prozess ist deutlich weniger bürokratisch.
Beim Händler (Concesionario): Der Händler übernimmt in der Regel die gesamte Zulassung (Matriculación). Du brauchst nur NIE, Adressnachweis und eine spanische Bankverbindung. Aufpreis für den Service: oft im Kaufpreis enthalten.
Von Privat: Du brauchst einen Kaufvertrag (Contrato de Compraventa), zahlst die Übertragungssteuer (ITP, Impuesto de Transmisiones Patrimoniales — auf den Kanaren aktuell 5,5 % des Marktwerts) und meldest das Fahrzeug bei der DGT um.
Preise: Gebrauchtwagen sind auf den Kanaren tendenziell teurer als auf dem Festland, da Transport und Nachfrage die Preise treiben. Die wichtigsten Plattformen für Gebrauchtwagensuche sind Milanuncios.com, Coches.net und Wallapop.
Praktische Tipps
Tanken: Die Kanaren haben dank des REF (Régimen Económico y Fiscal) niedrigere Kraftstoffpreise als das spanische Festland. Benzin liegt im Schnitt 10–15 Cent unter dem Festlandpreis.
Tempolimits: Innerorts 30–50 km/h, Landstrasse 90 km/h, Autobahn (Autopista/Autovía) 120 km/h. Im Süden Gran Canarias auf der GC-1 gilt 120 km/h, auf Verbindungsstrassen oft 60–80 km/h.
Alkohol: 0,5 ‰ Grenzwert (0,3 ‰ für Fahranfänger und Berufskraftfahrer). Die Polizei kontrolliert regelmässig, besonders an Wochenenden und Feiertagen.
Parken: Blaue Zonen (zona azul) sind kostenpflichtiges Kurzparken. Gelbe Markierung = absolutes Halteverbot. Im Süden Gran Canarias ist Parken in den Touristenzonen ein ewiges Problem — die Einkaufszentren haben in der Regel kostenlose Parkplätze.
Geschwindigkeitskontrollen: Mobile und stationäre Radarfallen sind auf Gran Canaria häufig — besonders auf der GC-1 und der GC-2. Bussgeld bei 20 km/h zu viel: 100 €.
Gestoría: Falls dir der ganze Papierkram zu viel ist: Eine Gestoría (Verwaltungsdienstleister) kann den Führerschein-Umtausch, die Auto-Ummeldung und die Steuererklärungen für dich erledigen. Kosten: 100–300 € je nach Aufwand. In Maspalomas und Las Palmas gibt es mehrere, die deutschsprachigen Service anbieten.