27. März 2026
BBVA Research korrigiert BIP-Prognose für Kanaren nach oben: 2,5 % statt 2,3 % in 2026
Die kanarische Wirtschaft profitiert paradoxerweise von einer der schwersten geopolitischen Krisen der letzten Jahre. Der Iran-Krieg, der am 28. Februar 2026 mit dem Angriff auf iranische Atomanlagen begann, hat rund 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen durch die Strasse von Hormus unterbrochen. Für die Kanaren aber bedeutet die Krise vor allem eines: mehr Touristen.
Warum die Kanaren vom Iran-Krieg profitieren
BBVA-Chefökonom Pep Ruiz erklärte, dass die ursprünglich erwartete Verlangsamung des Tourismus durch einen Umleitungseffekt kompensiert wird. Reisende, die normalerweise Ägypten, die Türkei, Griechenland oder andere Mittelmeer-Destinationen wählen, weichen auf die Kanaren aus, die als sicherer und politisch stabiler gelten.
Bereits in früheren Krisen — etwa dem Arabischen Frühling 2011 oder dem Russland-Ukraine-Krieg 2022 — haben die Kanaren von solchen Umverteilungseffekten profitiert. Diesmal ist der Effekt jedoch stärker, weil der Iran-Krieg das gesamte östliche Mittelmeer betrifft.
BIP Kanaren 2025: +3,4 % (stärkste Region Spaniens)
BIP Kanaren 2026 (neu): +2,5 % (vorher: +2,3 %)
BIP Kanaren 2027 (neu): +2,0 % (vorher: +1,6 %)
Touristen 2025: 18,4 Millionen (+3,5 % ggü. Vorjahr)
Touristisches Ausgabenwachstum 2025: +6,8 % (Rekord)
Rekordjahr 2025 als Basis
Die Aufwärtskorrektur baut auf einem ohnehin starken Fundament. Die Kanaren schlossen 2025 mit einem BIP-Wachstum von 3,4 Prozent ab und waren damit die dynamischste Region Spaniens, sieben Zehntel über dem nationalen Durchschnitt von 2,8 Prozent. Die Inseln empfingen 18,4 Millionen Touristen, und die Ausgaben pro Besucher stiegen um 6,8 Prozent auf ein historisches Hoch.
Die Handelskammer Santa Cruz de Tenerife bestätigte diese Zahlen und betonte, dass auch der Binnenkonsum mit einem Plus von 5 Prozent kräftig zulegte. Gleichzeitig warnte Kammerpräsident Santiago Sesé, dass die Kanaren diesen Moment nutzen müssten, um den Übergang zu einem nachhaltigeren Wirtschaftsmodell voranzutreiben.
Risiken: Ölpreis und Inflation
Der Iran-Effekt hat auch eine Kehrseite. Der Brent-Rohölpreis ist seit Kriegsbeginn von rund 60 auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Auf den Kanaren hat dies die Spritpreise um mehr als 34 Prozent in die Höhe getrieben. Die Inflation in Spanien stieg im März auf 3,3 Prozent, und die Kanaren sind als Importregion besonders verwundbar.
Die Regionalregierung hat bereits eine Untersuchung möglicher Preisabsprachen bei Tankstellenbetreibern eingeleitet. Vizepräsident Domínguez will klären, ob die Preiserhöhungen tatsächlich marktgetrieben sind oder ob koordinierte Aufschläge vorliegen.
Was das für Gran Canaria bedeutet
Der Süden Gran Canarias — Maspalomas, Playa del Inglés, Meloneras — ist der grösste Nutzniesser des Tourismusbooms. Der Flughafen Gran Canaria verzeichnete 2025 bereits 12,96 Millionen Passagiere, und neue Verbindungen wie die kürzlich angekündigten airBaltic-Routen nach Polen und Belgien verstärken den Trend.
Gleichzeitig verschärft der Boom die ohnehin angespannte Wohnungssituation. Die Mietpreise steigen weiter, und die Debatte über Beschränkungen beim Immobilienkauf durch Ausländer bleibt auf der politischen Agenda.
BBVA sieht die Kanaren auch 2027 über dem spanischen Durchschnitt wachsen: mit 2,0 Prozent statt der im Januar prognostizierten 1,6 Prozent. Voraussetzung ist, dass der Iran-Krieg nicht eskaliert und die Ölpreise sich mittelfristig normalisieren.