Das Wichtigste Was: Konzentration von über 100 Anwohnern und Geschäftsleuten in Costa Teguise am Freitag, 18:00, Playa Roca
Wo: Parcela 216 an der Avenida del Mar — unfertiger Hotelrohbau zwischen den Resorts und Wohngebieten
Wer lebt dort: Dutzende Hausbesetzer, laut Oppositions-Sprecher Jonás Álvarez (Primero Teguise) hat sich die Zahl in sechs Monaten von «kleinen Jugendgruppen» auf «Dutzende von Personen» entwickelt
Probleme: Diebstähle, Aggressionen gegenüber Passanten, Drogenkonsum, mangelhafte Hygiene
Eigentümer: wartet seit Jahren auf Baugenehmigung für ein Hotelprojekt mit rund 500 Betten
Politische Lage: Vize-Bürgermeisterin Olivia Duque (CC) bestätigt die Sicherheitslage, beruft sich aber auf «begrenzte Handlungsmöglichkeiten» der Gemeinde

Was die Anwohner berichten

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite: Wohngebiete, Geschäfte, eine Bushaltestelle, die täglich von Arbeitern und Schulkindern benutzt wird. Die Beschwerden sind konkret, nicht abstrakt: Diebstähle in den Geschäften, Pöbeleien auf der Strasse, Drogenkonsum in offener Sicht. Was die Anwohner besonders aufregt: das Gefühl, dass niemand für sie zuständig ist.

«Es ist nicht nur die Frage von Diebstählen und Raub», sagt Álvarez. «Es geht um ein echtes Gefühl der Unsicherheit auf der Avenida, weil Anwohner sich von Leuten, die die Hotelparzelle besetzt halten, beleidigt und bedrängt fühlen.»

Vize-Bürgermeisterin Olivia Duque, von der Coalición Canaria, bestätigt die Lage. Aber sie verweist auch auf die «begrenzten Handlungsmöglichkeiten» der Gemeindeverwaltung: Eine Räumung muss durch ein Gericht angeordnet werden, das Verfahren dauert oft Jahre, und die Stadt hat keine eigene Vollzugsbefugnis über privates Land.

Der eigentliche Knackpunkt: privates Land, leere Behörde

Genau hier liegt das politische Dilemma. Die Parcela 216 ist privater Grund. Der Eigentümer wartet seit Jahren auf eine Baugenehmigung — Tourismusplanung, ZAR-Verfahren («Zona Apta para la Renovación»), Umweltauflagen. Während das Verfahren läuft, ist der Eigentümer rechtlich gesehen weiterhin Eigentümer, aber wirtschaftlich gesehen nutzlos. Er kann das Gelände nicht bewirtschaften und hat keinen Anreiz, die nötigen Sicherungsmassnahmen (Umzäunung, Beleuchtung, Bewachung) zu finanzieren — denn das wäre Investition ohne Aussicht auf Rückkehr.

Primero Teguise fordert deshalb, was sich anbietet: Sanktionen gegen den Eigentümer. Wer eine unsichere Industriebrache mitten in einem bewohnten Gebiet hinterlässt, sollte dafür haften müssen — Umzäunung, Reinigung, gegebenenfalls Räumung auf eigene Kosten.

Das Problem dabei: die Verfahrenslogik. Hausbesetzungen in Spanien haben in den letzten Jahren ein ausgesprochen kompliziertes Rechtsfeld geschaffen. Wenn Besetzer länger als 48 Stunden in einem Gebäude leben, gelten sie als «Bewohner» und können nicht mehr ohne richterliche Anordnung entfernt werden. Die Räumung selbst kann ein bis zwei Jahre dauern — manchmal länger. Und im April 2025 sorgte ein Fall in Costa Teguise für Aufsehen, weil ein Gericht die Möglichkeit einer Entschädigung für Hausbesetzer wegen Verletzung ihrer Grundrechte erwog. Die damalige Vize-Bürgermeisterin Rita Hernández hatte das als «zum Heulen» bezeichnet.

Warum das nicht nur Costa Teguise betrifft

Das Muster Parcela 216 ist auf den Kanaren nicht einzigartig. Tausende Bauruinen — aus der Immobilienkrise 2008, aus stockenden Tourismusprojekten, aus dem ZAR-Reorganisierungsverfahren — stehen über die Inseln verteilt. Auf Gran Canaria, auf Teneriffa, auf Lanzarote. Dort wo die Bauruinen in Wohngebieten oder neben Touristengebieten stehen, entstehen die gleichen Konflikte: Besetzungen, Diebstähle, Aggressionen, Bürgerprotest, hilflose Stadtverwaltungen.

Was am Freitag in Costa Teguise neu war: Die Anwohner haben sich organisiert. Über 100 Menschen kamen zur Konzentration auf der Playa Roca, alle drei: Anwohner, Geschäftsleute, Vermieter. Aufgerufen hatte ein Bürgerkollektiv per Pressemitteilung. Die Forderung: eine endgültige Lösung, nicht nur Versprechen.

Was eine «endgültige Lösung» aussehen müsste, ist allerdings unklar:

  • Schnellere Räumung würde rechtliche Verfahren beschleunigen müssen — Sache des spanischen Parlaments.
  • Sanktionen gegen den Eigentümer würden eine kommunale Verordnung benötigen, die durchsetzbar ist — Sache des Cabildo und der Stadt.
  • Sofortige Räumung mit Notunterkunft für die betroffenen Personen würde Wohnungsalternativen voraussetzen, die in Lanzarote nicht im erforderlichen Umfang existieren.

Bis dahin bleibt die Parcela 216, was sie ist: ein Stück Beton, das niemand will, in dem niemand sein dürfte, das aber niemand wirklich kontrolliert.

Häufige Fragen

Was ist die Parcela 216?
Ein unfertiges Hotelgrundstück an der Avenida del Mar in Costa Teguise, Lanzarote. Vor über zehn Jahren begann hier der Bau eines Hotelkomplexes mit etwa 500 Betten, der nie abgeschlossen wurde. Der Eigentümer wartet seither auf die endgültige Baugenehmigung.

Wie viele Hausbesetzer leben dort?
Nach Angaben des Oppositions-Sprechers Jonás Álvarez (Primero Teguise) handelt es sich heute um Dutzende Personen, die in improvisierten Strukturen zwischen den Betonsäulen leben. Vor sechs Monaten waren es noch «kleine Gruppen Jugendlicher».

Was sind die konkreten Beschwerden der Anwohner?
Diebstähle in den umliegenden Geschäften, Pöbeleien gegenüber Passanten, offener Drogenkonsum, Hygieneprobleme. Anwohner berichten von einem deutlich gesunkenen Sicherheitsgefühl auf der Avenida.

Warum greift die Gemeinde nicht ein?
Die Parcela 216 ist privates Land. Eine Räumung muss richterlich angeordnet werden. Hausbesetzungen in Spanien haben in den letzten Jahren rechtliche Komplexität gewonnen — ein einmal etablierter Bewohner kann nicht ohne Verfahren entfernt werden, das Verfahren dauert oft ein bis zwei Jahre.

Wer ist der Eigentümer der Parcela 216?
Ein privates Unternehmen, das ein Hotelprojekt mit etwa 500 Betten plant und seit Jahren auf die nötigen Baugenehmigungen wartet. Primero Teguise fordert Sanktionen gegen den Eigentümer wegen der mangelnden Sicherung des Geländes.

Gibt es vergleichbare Fälle auf den Kanaren?
Ja. Bauruinen aus der Immobilienkrise 2008 oder aus stockenden Tourismusprojekten finden sich in allen Inseln. Wo sie in oder neben Wohngebieten stehen, entstehen ähnliche Konflikte zwischen Anwohnern, Eigentümern und Stadtverwaltungen.

Costa Teguise Hausbesetzer, Parcela 216 Lanzarote, Hotelruine Costa Teguise, Okupas Lanzarote, Bürgerprotest Costa Teguise, Avenida del Mar Demonstration, Squatter Spanien