Das Wichtigste
Hypotheken März 2026: −8,5 % gegenüber März 2025 — 1.408 statt 1.539 neue Verträge
Durchschnittlicher Hypothekenbetrag: +17,5 % auf 183.486 Euro
Kaufpreis Las Palmas: 2.750 €/m² — neuer Rekord
Kaufpreis Kanaren gesamt: 3.441 €/m² (April 2026) — über Spanien-Schnitt 3.089 €
Miete: 15,6 €/m² — +8,8 % im Jahresvergleich
Durchschnittslohn Kanaren: rund 1.500 Euro netto
Esfuerzo-Rate: über 50 % des Einkommens für Standardhypothek — Banco de España empfiehlt max. 30 %
Quellen: INE, Idealista, Fotocasa, La Gaceta de Canarias, Libertad Digital Canarias, El Burgado
Spaniens Wirtschaft wächst. Die Kanaren boomen. Die Tourismusbilanz glänzt. Und gleichzeitig unterschreiben im März 2026 weniger Menschen als je zuvor in den letzten Jahren eine Hypothek auf den Inseln.
Das ist kein Widerspruch — das ist die Wohnungskrise in Zahlen.
Das Statistische Nationalinstitut INE hat seine Hypothekenstatistik für März 2026 veröffentlicht. Das Ergebnis für die Kanaren: 1.408 Hypotheken auf Wohnimmobilien — ein Rückgang von 8,5 % gegenüber März 2025, als es noch 1.539 waren. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Kreditbetrag um 17,5 % gestiegen — auf 183.486 Euro. Weniger Käufer, aber jeder einzelne verschuldet sich tiefer. Das ist die Kurzformel für einen Markt, der immer mehr Menschen ausschliesst.
Inhalt
Wenn der Preis den Lohn überholt
Der Quadratmeter in Las Palmas de Gran Canaria hat im April erstmals die Schwelle von 2.750 Euro überschritten — ein neuer Rekord. Wer eine 80-Quadratmeter-Wohnung für 220.000 Euro kaufen will, braucht bei einem Durchschnittslohn von rund 1.500 Euro netto mehr als die Hälfte des Einkommens allein für die Hypothekenrate. Der Banco de España empfiehlt, nicht mehr als 30 % des Einkommens für Wohnkosten aufzuwenden. Auf den Kanaren schiesst die sogenannte Esfuerzo-Rate weit darüber hinaus.
Im ersten Quartal 2026 stiegen die Immobilienpreise auf den Kanaren um 18 % — die Provinz Santa Cruz de Tenerife überschritt mit 2.061 €/m² erstmals die 2.000-Euro-Grenze. Las Palmas kam auf 1.848 €/m², ein Plus von 14,6 %. Damit nähern sich die Kanaren wieder den Preisniveaus der Immobilienblase von 2007 — in Santa Cruz de Tenerife liegt der aktuelle Preis bereits 15 % über dem Blasenhöchststand.
Mieten: noch eine Tür, die zugeht
Wer nicht kaufen kann, mietet. Und auch das wird teurer. Das Mietpreisniveau auf den Kanaren stieg um 8,8 % im Jahresvergleich auf 15,6 Euro pro Quadratmeter. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das rund 1.090 Euro monatlich — bei einem Nettolohn von 1.500 Euro.
In Las Palmas liegt die durchschnittliche Monatsmiete bei 1.270 Euro, in Santa Cruz de Tenerife bei 1.271 Euro. In begehrten Lagen wie Triana oder Mesa y López werden 15 Euro pro Quadratmeter und mehr aufgerufen.
Das Ergebnis ist ein Kreislauf: Wer nicht kaufen kann, geht in den Mietmarkt. Das erhöht die Nachfrage nach Mietwohnungen. Das treibt die Mieten. Das macht Kaufen nochmals teurer. Das schliesst mehr Menschen aus dem Kaufmarkt aus. Von vorne.
Was die Politik tut — und was das bringt
Die Regionalregierung hat reagiert. Das Institut für kanarisches Wohnen hat für 2026 ein Rekordbudget von 197,5 Millionen Euro erhalten. Dazu gibt es den Bono Alquiler Joven — 250 Euro monatlich für bis zu zwei Jahre, maximal 6.000 Euro pro Begünstigten. Und die Hipoteca Joven Canarias, bei der der Staat für bis zu 95 % des Kaufpreises bürgt, sodass Erstkäufer unter 35 nur noch 5 % Eigenkapital aufbringen müssen.
Der Haken: Selbst mit 95-%-Finanzierung bleibt die monatliche Rate ein Problem, solange die Löhne nicht mitsteigen. Und die Preisgrenze des Bürgschaftsprogramms liegt bei voraussichtlich 250.000 bis 300.000 Euro — was einen Grossteil der Angebote in den Inselhauptstädten ausschliesst.
Die Gesamthöhe der neu vergebenen Hypothekenkredite auf den Kanaren lag im März 2026 bei 223,64 Millionen Euro — trotz weniger Verträge mehr als im Vorjahresmonat mit 190,61 Millionen. Mehr Geld, weniger Käufer.
Was das für Zugezogene bedeutet
Wer von Deutschland, der Schweiz oder Österreich auf die Kanaren zieht, kennt hohe Immobilienpreise. Was anders ist: das Lohngefälle. Ein Remote-Worker mit deutschem Gehalt und einem Digital Nomad Visa lebt in einem anderen ökonomischen Universum als ein lokaler Angestellter — und kann auf demselben Markt kaufen oder mieten, zu Preisen, die für viele Kanarier ausser Reichweite sind.
Das verändert den Markt. Es ist keine Kritik an einzelnen Zugezogenen, sondern eine Beschreibung der Realität: Teile der Wohnungsnachfrage auf den Kanaren kommen von Menschen mit deutlich höherer Kaufkraft als dem lokalen Schnitt. Das ist einer der Treiber, über den in der Wohnungsdebatte selten offen gesprochen wird.
Häufige Fragen
- Was kosten Wohnungen auf den Kanaren gerade?
- Kaufpreis April 2026: 3.441 €/m² im kanarischen Schnitt, 2.750 €/m² in Las Palmas (neuer Rekord). Miete: 15,6 €/m² im Schnitt — eine Standardwohnung von 70 m² kostet rund 1.090 Euro monatlich.
- Warum gibt es weniger Hypotheken, obwohl die Preise steigen?
- Weil sich immer weniger Menschen den Kauf leisten können. Weniger Verträge, aber jeder einzelne teurer — der Markt ist für mittlere Einkommensbezieher faktisch nicht mehr zugänglich.
- Was ist die Hipoteca Joven Canarias?
- Ein staatliches Bürgschaftsprogramm für Erstkäufer unter 35. Der Staat bürgt für bis zu 95 % des Kaufpreises, sodass nur 5 % Eigenkapital nötig sind. Preisgrenze voraussichtlich 250.000–300.000 Euro.
- Gilt ein Mietpreisdeckel auf den Kanaren?
- Für laufende Verträge gilt der gesetzliche Aktualisierungsindex IRAV. Für Neuverträge gibt es in den meisten kanarischen Gemeinden aktuell keine Obergrenzen — dafür müsste die Zone offiziell als Spannungsgebiet eingestuft sein.
- Wann ist die nächste Wohnungsprotestdemo?
- 27. Juni 2026 auf Teneriffa — mit den Hauptforderungen Ausweisung von Spannungsgebieten und Mietobergrenzen.