Was passiert ist

Wann: Freitag, 22. Mai 2026, um 9:50 Uhr Kanaren-Zeit.

Wo: 61 Kilometer nördlich von Las Palmas, im Atlantik. 30 Kilometer tief.

Stärke: Magnitude 4,8 (mbLg). Maximale Intensität an Land: Grad III von XII — schwach spürbar, keine Schäden.

Spürbar in: Gran Canaria (gesamte Insel), Norden Fuerteventuras, Norden Teneriffas.

Replik: Eine Nachschwingung von Magnitude 2,2 um 10:24 Uhr, gleiche Zone, etwas näher an Gran Canaria.

Schäden: Keine. Keine Verletzten. Kein Tsunami-Risiko.

Quellen: Instituto Geográfico Nacional (IGN), Notrufzentrale 112 Canarias, Diario de Avisos, Canarias7.

Was war zu spüren — und wo

Das Beben hat um Punkt 9:50 Uhr für ein paar Sekunden Gläser klirren lassen, Lampen schwingen, Hunde bellen. In Las Palmas riefen Hunderte bei der 112 an — nicht weil etwas passiert war, sondern weil sie sich fragten, ob sie sich das eingebildet hatten. Auch in Gáldar, Agaete, Ingenio, Agüimes, Carrizal, San Mateo, Valleseco und Puerto de las Nieves wurde es gemeldet. Auf Fuerteventura wackelten in Betancuria die Fensterscheiben rund 20 Sekunden lang. Bis Teneriffa reichte es ebenfalls — schwach, aber spürbar.

Wer in einem Hotel im Süden — Maspalomas, Meloneras, Playa del Inglés — am Strand lag oder am Pool döste, hat wahrscheinlich gar nichts mitbekommen. Im Inselinneren und im Norden war es deutlicher.

Warum das Beben Geologen interessiert

Itahiza Domínguez, Direktor des IGN auf den Kanaren, nennt das Beben in Televisión Canaria «inusual» — ungewöhnlich. Drei Punkte machen es interessant:

  1. Tektonisch, nicht vulkanisch. Mit 99,9 Prozent Sicherheit. Das heisst: Es hat nichts mit Magma zu tun, weder mit dem Teide, noch mit La Palmas Cumbre Vieja, noch mit irgendeiner Eruption.
  2. Selten in dieser Zone. Das Gebiet 61 Kilometer nördlich von Las Palmas ist seismisch ruhig. «Da sammelt sich Energie», sagt Domínguez — eine Aussage, die in den sozialen Medien für Aufregung gesorgt hat. Was er meint: Wo Spannung im Untergrund langsam aufgebaut wird, kommt sie irgendwann raus. Das war jetzt. Es heisst nicht, dass etwas Grösseres bevorsteht.
  3. Drei Inseln auf einmal. Dass ein Kanaren-Beben in Gran Canaria, Fuerteventura und Teneriffa gleichzeitig spürbar ist, ist selten. Komisch dabei: Im Norden Fuerteventuras war es stärker zu spüren als auf Teneriffa — obwohl Teneriffa näher liegt. Für die Seismologen ein wertvoller Datenpunkt darüber, wie sich Erdbebenwellen unter dem kanarischen Meeresboden ausbreiten.

Kommt da noch was?

Kurze Antwort: vermutlich nicht. Lange Antwort: man weiss es nicht sicher. Domínguez schliesst Repliken oder ein weiteres Beben ähnlicher Stärke im Laufe des Tages nicht aus — sagt aber, das sei nicht das wahrscheinlichste Szenario. «Es ist unmöglich vorherzusagen», räumt er ein. Die Zone ist zu wenig erforscht, weil sie üblicherweise zu ruhig ist.

Was er ausschliesst: ein Tsunami-Risiko. Dafür wäre eine deutlich höhere Magnitude nötig, dazu eine andere Geometrie des Bebens. Bei einem 4,8er in 30 Kilometern Tiefe verlagert sich der Meeresboden nicht messbar.

Was du im Ernstfall tun solltest

Auf den Kanaren sind starke Beben selten, aber nicht ausgeschlossen. Das letzte Beben dieser Stärke war 2021. Falls es nochmal ruckelt:

  1. Drinnen bleiben, wenn du drinnen bist. Nicht panisch nach draussen rennen — die meisten Verletzungen passieren durch herabfallende Dachziegel und Glasscherben am Hauseingang.
  2. Weg vom Fenster. Hin zu einer tragenden Wand oder unter einen stabilen Tisch. Kopf und Nacken schützen.
  3. Draussen: weg von Fassaden. Hin zu einer offenen Fläche — Platz, Strand, Parkplatz. Nicht unter Balkone, nicht neben hohe Mauern.
  4. Im Auto: stehen bleiben. Aber nicht auf einer Brücke, nicht unter einer Unterführung. Warten, bis es vorbei ist.
  5. Lift meiden, auch nach Entwarnung — Stromausfälle können dich einsperren.

Wer das Beben heute gespürt hat: Das IGN sammelt Bürgermeldungen über einen Fragebogen auf ign.es oder in der App «Sismología IGN». Jede Meldung hilft den Seismologen, das Wellenmuster zu rekonstruieren.

Wie seismisch sind die Kanaren?

Die Kanaren liegen auf einem vulkanischen Hotspot, nicht auf einer Plattengrenze. Das macht starke tektonische Beben selten — viel seltener als in Andalusien oder am Mittelmeer. Was es regelmässig gibt, sind Mikrobeben in der Tiefe, vor allem unter Teneriffa und La Palma, die mit magmatischen Vorgängen zu tun haben. Aktuell registriert das IGN parallel rund 63 dieser schwachen Beben unter dem Teide-Nationalpark — alles Routine, niedrige Frequenz, ohne akute Bedeutung.

Der heutige 4,8er sticht heraus, weil er nicht aus dieser vulkanischen Routine kommt. Aber es war auch ein Beben, das die meisten Touristen am Strand schlicht verschlafen haben. Genau so soll es sein.

Häufige Fragen

Wie stark war das Erdbeben vor Gran Canaria?
Das Beben am Freitag, 22. Mai 2026, hatte eine Magnitude von 4,8 (mbLg). Das Epizentrum lag 61 Kilometer nördlich von Las Palmas im Atlantik, in 30 Kilometern Tiefe. Es war das stärkste in der Region seit etwa fünf Jahren — das letzte Beben dieser Grössenordnung gab es 2021.
Gab es Schäden oder Verletzte?
Nein. Die maximale Intensität an Land lag bei Grad III von XII — das Beben war nur schwach spürbar. Es gab keine Schäden und keine Verletzten. Eine Nachschwingung der Magnitude 2,2 folgte um 10:24 Uhr.
Hängt das Erdbeben mit einem Vulkan zusammen?
Nein. Laut Itahiza Domínguez vom IGN ist das Beben mit 99,9 Prozent Sicherheit tektonischen Ursprungs — es hat nichts mit Magma, dem Teide oder der Cumbre Vieja auf La Palma zu tun.
Besteht Tsunami-Gefahr für die Kanaren?
Nein. Für einen Tsunami wären eine deutlich höhere Magnitude und eine andere Geometrie des Bebens nötig. Ein Beben der Stärke 4,8 in 30 Kilometern Tiefe verschiebt den Meeresboden nicht messbar.
Was soll ich bei einem Erdbeben auf den Kanaren tun?
Wenn du drinnen bist, bleib drinnen, geh weg vom Fenster, hin zu einer tragenden Wand oder unter einen stabilen Tisch und schütze Kopf und Nacken. Im Freien hältst du Abstand zu Fassaden, Balkonen und hohen Mauern. Im Auto hältst du an — nicht auf Brücken oder unter Unterführungen. Meide Aufzüge, auch nach der Entwarnung.