Am 7. März 2026 wurde eine neue Junta gewählt. Für die Übergabe zuständig war sie nicht — das übernahm eine externe Anwältin, die niemand gewählt hatte. Ihr Name: Eugenia Talavera Plata.
Wer ist diese Frau? Das ist die Frage, die sich Eigentümer des C.C. Cita vor dem 18. April stellen sollten.
Zur Person
Eugenia Talavera Plata ist Rechtsanwältin in Las Palmas de Gran Canaria. Sie studierte Jura an der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) — von 2009 bis 2014 — und ist seitdem als selbständige Anwältin tätig. Ihre Kanzlei Talavera Plata & Asociados hat ihren Sitz in der Calle Barcelona 25, 1. Etage, im Stadtteil Alcaravaneras. Sie beschäftigt einen weiteren Anwalt, Alejandro Pérez Otero, und ist beim Ilustre Colegio de Abogados de Las Palmas (ICALPA) unter der Kollegiatennummer 5844 eingetragen.
Was sie beim C.C. Cita nicht ist: eine gewählte Junta-Vertreterin. Sie wurde vom neuen Präsidenten William Enrique Reyes nach der Eigentümerversammlung vom 7. März 2026 mit dem Übergabeprozess beauftragt — ohne Junta-Beschluss, ohne formelles Mandat, ohne Rechenschaftspflicht gegenüber den Eigentümern.
Unter Punkt 3 der Tagesordnung der Junta General Extraordinaria vom 18. April 2026 steht: Wahl eines neuen Administrators/Schriftführers. CITA News dokumentiert, was öffentliche Quellen über die voraussichtliche Kandidatin zeigen.
Eine Generalkanzlei ohne Spezialisierung
Das Leistungsangebot der Kanzlei ist breit: Zivilrecht, Strafrecht, Arbeitsrecht, Ausländerrecht, Handelsrecht — und Verwaltung von Wohnungseigentümergemeinschaften. Letzteres ist explizit auf der Website ausgewiesen. Das ist nicht das Profil einer Spezialistin. Es ist das typische Angebot einer kleinen Generalkanzlei, die annimmt, was kommt.
Besonders auffällig: Administración de Comunidades de Propietarios — die Verwaltung von Eigentümergemeinschaften — ist eines der beworbenen Angebote. Das ist genau die Stelle, für die sie beim C.C. Cita kandidieren will. Sie bewirbt sich also für eine bezahlte Position, für die sie bereits im Vorfeld tätig ist und die sie selbst mitgestaltet hat.
Was die Zahlen zeigen
Drei Fakten, die für sich sprechen:
Erstens: Kaum Präsenz vor Gericht. Das offizielle Gerichtsregister CENDOJ listet zwischen 2018 und 2025 genau 31 Entscheidungen mit ihr als Anwältin. Eine aktive Kanzlei hätte in dieser Zeit Hunderte. Und von diesen 31 Fällen betrifft genau einer das Gemeinschaftsrecht — kein einziger belegt operative Verwaltungserfahrung. Die Verteilung:
| Rechtsgebiet | Anzahl Fälle |
|---|---|
| Zivilrecht (allgemein, Berufungsverfahren) | ca. 24 |
| Strafrecht | ca. 4 |
| Verwaltungsrecht | 1 |
| Handelsrecht | 1 |
| Propiedad Horizontal / Gemeinschaftsrecht | 1 |
Zweitens: Pflichtverteidigerin nach über zehn Jahren. Sie ist im staatlichen Turno de Oficio eingetragen — dem Pflichtverteidigungssystem mit fixen, niedrigen Vergütungssätzen, an dem etablierte Kanzleien üblicherweise nicht teilnehmen. Nach einem Jahrzehnt Selbständigkeit ist das eine auffällige Registrierung.
Drittens: Ihr eigenes Unternehmen hatte 2021 keine Steuernummer mehr. Neben der Kanzlei führt sie EUTAPLA GRUPO SL (vormals Eridania Grupo SL). Im August 2021 entzog die Hacienda der Gesellschaft die Steuernummer — ein behördlich dokumentierter Tatbestand, der typischerweise bedeutet: jahrelang keine Steuererklärungen eingereicht. Die Chronologie:
| Datum | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| Mai 2004 | Gründung als Eridania Grupo SL durch Dritte | DatosCif |
| März 2006 | Eugenia Talavera Plata als Bevollmächtigte eingetragen | BORME |
| August 2021 | NIF-Widerruf durch die Hacienda — provisorischer Registerschluss | BORME 31.08.2021 |
| November 2023 | Übernahme als alleinige Geschäftsführerin | Infonif |
| November 2024 | Umbenennung in EUTAPLA GRUPO SL | BORME 05.12.2024 |
| März 2025 | Erweiterung auf Versicherungsmaklerei | BORME 2025 |
Was beim C.C. Cita geschah
Ab dem 7. März übernahm sie den Übergabeprozess — ohne Junta-Beschluss, ohne Mandat, ohne Rechenschaftspflicht. Am 13. März kündigte sie dem Sekretär an, sie wolle die Stelle bezahlt übernehmen, die sie bereits faktisch bekleidete. Den vollständigen Verlauf dokumentiert der Grundsatzartikel dieser Redaktion.
Was hier interessiert: Kurz nach seiner Wahl reiste Präsident William Enrique Reyes nach Kuba — nach Informationen, die der Redaktion vorliegen, für rund zehn Tage. Anfragen liefen über sie. Entscheidungen traf sie. Die Kandidatur kündigte sie an — nicht er. Das kann Arbeitsteilung sein. Was dokumentiert ist: Talavera Plata war die operative Instanz.
Das Muster war bereits im Januar erkennbar. An der ausserordentlichen Junta ergriff William kaum das Wort. Talavera Plata übernahm die verbale Führung — laut, repetitiv, ausdauernd. Sie redete Wortmeldungen der alten Junta nieder. William schwieg. Eugenia sprach. Laut einem Teilnehmer der Versammlung war an diesem Morgen nicht der Präsident die treibende Kraft. Es war seine Anwältin.
54 Fragen — keine einzige beantwortet
Am 31. März 2026 übermittelte die neue Junta Talavera Plata 54 schriftliche Fragen: zu Bankkonten, Verträgen, Protokollen, offenen Verbindlichkeiten, entfernten Computern und dem Stand der Übergabe. Die Antwort: «Ok perfecto.» — und dann Stillschweigen. Die Frist war der 3. April 2026. Der 3. April kam. Und verging. Keine einzige Frage wurde schriftlich beantwortet.
Was die Eigentümer wissen sollten
Am 18. April 2026 findet die Junta General Extraordinaria des C.C. Cita statt. Unter Punkt 3 der offiziellen Tagesordnung — unterzeichnet von Präsident William Enrique Reyes am 6. April 2026 — steht: Wahl eines neuen Administrators/Schriftführers. Die Eigentümer werden direkt darüber abstimmen, wer das Gewerbezentrum künftig verwaltet.
Keine Spezialisierung im Gemeinschaftsrecht. In zehn Jahren selbständiger Tätigkeit ist in der öffentlichen Gerichtsdatenbank kein einziger Fall dokumentiert, der operative Verwaltungserfahrung mit einer Eigentümergemeinschaft belegt.
NIF-Entzug durch die Hacienda. Das eigene Unternehmen EUTAPLA GRUPO SL hatte 2021 die Steuernummer entzogen — ein behördlich dokumentierter Tatbestand, der typischerweise auf jahrelang nicht eingereichte Steuererklärungen hinweist.
Pflichtverteidigerin nach über zehn Jahren. Die Eintragung im staatlichen Turno de Oficio — dem Pflichtverteidigungssystem — ist nach einem Jahrzehnt Selbständigkeit ungewöhnlich für eine etablierte Kanzlei.
Mandat ohne Junta-Beschluss. Sie übernahm die Steuerung des Übergabeprozesses ab dem 7. März 2026, ohne dass die gewählten Organe der Gemeinschaft dies beschlossen hatten.
Interessenkonflikt per Eigenerklärung. Am 13. März teilte sie dem Sekretär persönlich mit, sie beabsichtige, sich für die bezahlte Administratoren-Stelle zu bewerben — während sie diese Rolle faktisch bereits ausübte.
54 Fragen. Keine Antwort. Auf 54 schriftliche Fragen der neuen Junta, gestellt am 31. März 2026, folgte bis zum Ablauf der Frist am 3. April keine einzige schriftliche Rückmeldung.
Digital kaum präsent — und der Kanzleisitz
Eine Google-Suche nach "Eugenia Talavera Plata" liefert praktisch ausschliesslich Einträge von ihrer eigenen Website und dem Handelsregister. Kein einziger Artikel in einer kanarischen Zeitung — weder in La Provincia, noch in Canarias7, noch in El Día. Keine Erwähnung in einem lokalen Medienorgan, kein Zitat als Expertin, kein Kommentar zu einem Rechtsfall. Für eine Anwältin die seit über zehn Jahren in Las Palmas tätig ist, ist das eine bemerkenswerte Absenz.
Das Gebäude in der Calle Barcelona 25 — sichtbar auf Google Street View — ist ein Wohnhaus im Stadtteil Alcaravaneras. Die Kanzlei befindet sich im ersten Stock; ein Schild mit der Aufschrift "ABOGADOS" markiert den Eingang. Die Räumlichkeiten entsprechen dem einer kleinen Allgemeinanwaltskanzlei.
Die Vergütung einer Administratorin für ein Gewerbezentrum der Grössenordnung des C.C. Cita — mit über hundert Eigentümern, mehreren laufenden Verträgen und einem Jahresbudget im sechsstelligen Bereich — liegt typischerweise zwischen 2.500 und 4.000 Euro monatlich. Ob das dokumentierte Berufsprofil dem Umfang dieses Mandats entspricht, ist eine Frage, die die Eigentümer bei ihrer Entscheidung am 18. April selbst beurteilen können.
