Tech-Unternehmen (TIC): 3.074 auf den Kanaren (2024, ACIISI/eCanarias)

Anteil: 4,5% des gesamten spanischen Tech-Sektors

Wachstum: 6% p.a. — doppelt so hoch wie der nationale Schnitt (3,4%)

ZEC-Steuersatz: 4% Körperschaftsteuer (vs. 25% in Restspanien)

ZEC-Frist: Anmeldungen nur noch bis 31. Dezember 2026

Die Spannung: 3.000 Firmen und 4% Steuer

Wenn man die Zahlen kalt nebeneinander stellt, klingt es verlockend: 3.074 Tech-Unternehmen haben ihren Sitz auf den Kanarischen Inseln — und wer das Modell der Zona Especial Canaria (ZEC) nutzt, zahlt nur 4% Körperschaftsteuer statt der üblichen 25% auf dem spanischen Festland. Kein Wunder, dass manche von einer Steueroase im Atlantik sprechen.

Alfonso Cabello, Vizepräsident der Proexca (Außenwirtschaftsförderung der Kanaren), widerspricht scharf: Die Kanaren seien kein Steuerschlupfloch, sondern ein regulierter Wirtschaftsstandort mit echten Anforderungen. Was steckt wirklich dahinter?

Was die ZEC wirklich verlangt

Die Zona Especial Canaria ist kein Briefkastenmodell. Wer von den 4% Körperschaftsteuer profitieren will, muss konkrete Bedingungen erfüllen: mindestens 100.000 Euro Investition auf Gran Canaria oder Teneriffa (50.000 Euro auf den kleineren Inseln) innerhalb von zwei Jahren — und mindestens fünf neue Arbeitsplätze auf den Hauptinseln (drei auf den kleineren) innerhalb von sechs Monaten. Dazu kommt die Pflicht zu einem echten Büro und echter wirtschaftlicher Tätigkeit auf den Inseln.

Die ZEC wurde von der Europäischen Kommission genehmigt und ist vollständig EU-konform. Regelmäßige Berichterstattung an Brüssel ist Pflicht. Der entscheidende Unterschied zu Panama oder den Cayman Islands: Dort ist keinerlei wirtschaftliche Substanz erforderlich. Auf den Kanaren schon.

ZEC-Bedingungen im Überblick:

Investition: Min. 100.000 € (Gran Canaria/Teneriffa) oder 50.000 € (andere Inseln)

Jobs: Min. 5 (Hauptinseln) oder 3 (kleinere Inseln) neue Stellen in 6 Monaten

Präsenz: Echtes Büro, echte Tätigkeit auf den Kanaren

Bonus: RIC-Rücklage bis 90% steuerlich absetzbar bei Reinvestition; doppelte F&E-Abzüge; IGIC-Befreiung zwischen ZEC-Unternehmen

Deadline: Neue Registrierungen nur bis 31. Dezember 2026

Das Tech-Wachstum in Zahlen

Unabhängig von der ZEC zeigt der kanarische Tech-Sektor bemerkenswerte Dynamik. Das 6%-Wachstum pro Jahr ist doppelt so hoch wie der spanische Durchschnitt von 3,4%. 49% der Unternehmen sind in Programmierung und IT-Beratung tätig, 22% in Hardware-Wartung, 9% in Datenverarbeitung und Web. Die Kreativwirtschaft verzeichnete zwischen 2023 und 2024 ein Investitionswachstum von 40%.

Allerdings: 67% der Tech-Unternehmen auf den Kanaren haben null Angestellte — es handelt sich um Freelancer und Mikro-Unternehmen. Nur 4% beschäftigen mehr als zehn Personen. Das relativiert das Bild eines aufstrebenden Tech-Zentrums — zeigt aber gleichzeitig, wie attraktiv die Inseln für selbstständige Digitalarbeiter sind.

Proexca und die internationale Positionierung

Die Proexca — die Exportförderungsagentur der Kanarischen Inseln — vermarktet das Archipel unter dem Label „Canarias Business Hub\" aktiv auf internationalen Tech-Messen: Dublin Tech Summit, South Summit Madrid, SWITCH Singapore. Pilar Moreno von Proexca Invest fasst die Botschaft zusammen: „Über 1.000 Unternehmen haben sich für die Kanaren entschieden — nicht wegen des Tourismus, sondern wegen Technologie, Halbleitern und Audiovisuell.\"

Vizepräsident Manuel Domínguez (Wirtschaft) formuliert es noch klarer: „Ohne unser Sonderstatut hat die Kanaren keine Zukunft.\" Das Sonderstatut — der sogenannte Fuero Canario — ist historisch gewachsen und umfasst neben der ZEC auch niedrigere Mehrwertsteuern (IGIC statt IVA) und andere Ausnahmeregelungen, die die Inseln als Randgebiet der EU wettbewerbsfähig halten sollen.

Neugründungen auf Rekordhoch

Die wirtschaftliche Aktivität auf den Inseln ist breit: In den ersten acht Monaten 2025 wurden 3.175 neue Unternehmen gegründet — durchschnittlich zehn pro Tag allein im August. Die Sozialversicherung registriert derzeit täglich rund 80 neue Affiliierungen. Der Arbeitsmarkt hat mit 945.251 gemeldeten Arbeitnehmern einen historischen Höchststand erreicht. Die KI-Adoption der kanarischen Unternehmen stieg von 6% auf 17%.

Das sind keine ZEC-Zahlen — das ist die Gesamtwirtschaft. Die Tech-Dynamik der Inseln speist sich aus mehreren Quellen gleichzeitig: dem Steueranreiz, der geografischen Lage zwischen Europa, Afrika und Amerika, dem Klima, den vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten und einer aktiven Gründerförderung durch das Gobierno de Canarias.

Was das für Unternehmer und Expats bedeutet

Wer ein Tech-Unternehmen auf den Kanaren gründen oder verlagern will, sollte drei Dinge wissen: Erstens ist die ZEC real — 4% Körperschaftsteuer sind keine Fiktion, aber die Anforderungen sind es auch nicht. Ein Briefkasten reicht nicht. Zweitens läuft die ZEC-Anmeldefrist Ende 2026 aus — wer das Modell nutzen will, muss jetzt handeln. Drittens: Auch ohne ZEC bieten die Kanaren mit IGIC-Satz (7% statt 21% IVA), doppelten F&E-Abzügen und internationalem Anschluss ein ernsthaftes Argument.

Für Immobilienfragen rund um den Unternehmensstandort Kanaren: Die aktuellen Immobilienpreise auf Gran Canaria zeigen, dass der Markt anzieht — nicht zuletzt wegen der wachsenden Zahl von Fernarbeitern und Tech-Gründern. Wer überlegt, dauerhaft umzuziehen, findet alle praktischen Informationen im Expat- und Digital-Nomad-Guide Gran Canaria. Den wirtschaftlichen und politischen Rahmen erklärt unser Wirtschaft & Politik Guide.