Las Palmas de Gran Canaria gehört zu den zehn besten Städten der Welt für Digital Nomads. Das geht aus dem Informe Nómadas Digitales Holafly 2026 (El Debate) hervor, den der spanische eSIM-Anbieter Holafly am 21.

April 2026 veröffentlicht hat. Die kanarische Hauptstadt landet auf Position 8 — und ist damit eine von nur drei spanischen Städten in den Top-10, neben Valencia (Platz 3) und Sevilla (Platz 10). Madrid und Barcelona fehlen komplett.

Wie der Report zustande kommt

Holafly ist kein neutraler akademischer Verlag, sondern ein kommerzieller eSIM-Anbieter mit Zielgruppe Digital Nomads — der Report dient damit auch dem eigenen Marketing. Methodisch steht er aber solide da.

Die Datenbasis besteht aus einer quantitativen Umfrage in zehn Ländern (USA, Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Brasilien, Argentinien, China, Japan, Indien) mit jeweils 100 Befragten — insgesamt 1.000 Digital Nomads als Stichprobe. Hinzu kommt eine systematische Auswertung von Branchenberichten und Datensammler-Plattformen wie Nomad List, das laut Holafly weltweit über 40 Millionen Remote-Berufstätige zählt.

Bewertet wurden fünf Hauptkriterien: Lebensqualität, Coworking-Angebot, administrative Erleichterungen wie Digital-Nomad-Visa, Internet-Zuverlässigkeit und Lebenshaltungskosten.

Las Palmas im Detail

In der Begründung der Holafly-Redaktion heisst es zur kanarischen Hauptstadt wörtlich: Las Palmas sei "ein langjähriger Favorit unter Remote-Workern" und kombiniere "ganzjährig mildes Klima mit guter Konnektivität und einem ausgereiften 'Work and Surf'-Ökosystem". Als Teil Spaniens profitiere die Stadt von "vorteilhaften Aufenthalts- und Visa-Regelungen" und verfüge über einen "entwickelten Coworking- und Coliving-Sektor".

Konkrete Stärken aus den Daten: gut ausgebauter Glasfaser-Anschluss in den meisten Stadtteilen, eine etablierte internationale Community in Vegueta, Triana und Puerto de la Luz, mehr als zwei Dutzend Coworking-Spaces in der Stadt, das spanische Digital-Nomad-Visum (Aufenthaltsgenehmigung für Remote-Arbeitende mit Auslandseinkommen) und durchschnittliche Lebenshaltungskosten unter dem Niveau Madrids oder Barcelonas.

Die komplette Top-10 — und was sie zeigt

RangStadtLandRegion
1GénovaItalienWesteuropa
2BariItalienSüditalien
3ValenciaSpanienMittelmeer
4Quebec CityKanadaNordamerika
5CataniaItalienSizilien
6FlorenzItalienMittelitalien
7PalermoItalienSizilien
8Las Palmas de Gran CanariaSpanienKanaren
9RomItalienMittelitalien
10SevillaSpanienAndalusien

Das Ranking wird klar von zwei Ländern dominiert: Italien stellt sieben der zehn Plätze, Spanien drei. Quebec City ist die einzige nicht-europäische Stadt.

Reduziert man die Liste auf den europäischen Raum, ist Las Palmas damit auf Platz 7 in Europa — und die einzige Vertretung der Kanarischen Inseln. Auch Madeira fehlt; Lissabon, Berlin, Amsterdam und Tallinn — alle früheren Digital-Nomad-Klassiker — sind nicht im Ranking.

Warum Madrid und Barcelona fehlen — und was das für Las Palmas bedeutet

Die Holafly-Redaktion begründet die Abwesenheit der spanischen Grosstädte mit "hohen Lebenshaltungskosten und urbaner Übersättigung". Das ist die andere Seite der Las-Palmas-Position: Die Stadt steht nicht unter den Top-10, weil sie spektakulär billig wäre — sondern weil sie zur Kategorie der "mittelgrossen Städte" gehört, die laut Report aktuell den Trend bestimmen.

Mittelgrosse Städte mit funktionierender Infrastruktur, mediterranem Klima, kulturellem Profil und moderaten Preisen — das ist die Holafly-Formel 2026.

Las Palmas erfüllt das Profil. Aber die Konkurrenz aus Italien zeigt: Sieben italienische Städte schlagen alle anderen Mitbewerber. Genua, Bari, Catania und Palermo profitieren laut Bericht alle vom italienischen Digital-Nomad-Visum, das seit April 2024 in Kraft ist und einkommensschwächere Auswanderer zulässt als das spanische Pendant.

Las Palmas konkurriert also nicht gegen einen einzelnen italienischen Standort — sondern gegen ein Bündel von sechs Plätzen über und unter ihr.

Die Schwächen, die der Report nicht ausspricht

Der Holafly-Report listet Stärken auf, aber nicht ausgeglichen die Schwächen jeder Stadt. Bei Las Palmas sind drei Punkte für Remote-Arbeiter relevant, die in den Werbe-Texten meist fehlen:

Mietpreise im Aufwärtstrend. Die Wohnungsmieten in Las Palmas sind im letzten Jahr stark gestiegen, Idealista-Daten zeigen für San Bartolomé de Tirajana 21,6 Euro pro Quadratmeter (Idealista) — der teuerste Wert der Kanaren. Las Palmas selbst liegt darunter, aber die Wohnungsmarkt-Spannung mit lokalen Bewohnern ist real und wird in Tourist-orientierten Reports gern weggelassen.

Zentrale Coworking-Spaces können teuer und unzuverlässig sein. Erfahrungsberichte auf Nomads.com verweisen auf wiederholte Kritik: Coworking-Räume seien teilweise teuer, der Service nicht immer verlässlich, das Internet in einigen Spaces ungleichmässig stark.

Spannungen mit der lokalen Bevölkerung. Der Zustrom gut verdienender Remote-Worker hat in den letzten Jahren zu offenen Konflikten geführt — Verdrängungseffekte am Wohnungsmarkt, Anti-Touristen-Demonstrationen 2024 und 2025, eine angespannte Stimmung in einigen Stadtteilen. Das ist nicht spezifisch für Las Palmas, aber für eine vollständige Bewertung relevant.

Was die Las-Palmas-Position für die Insel und die anderen Kanaren bedeutet

Die Aufnahme von Las Palmas in die globalen Top-10 ist ein Marketing-Erfolg für Gran Canaria. Sie bestätigt eine Entwicklung, die seit der Pandemie läuft: Die Kanaren haben sich vom reinen Massentourismus-Standort zum gemischten Profil entwickelt, mit Remote-Arbeit, Auswanderern, gehobenem Lifestyle-Tourismus und der etablierten europäischen Resident-Community.

Was im Report fehlt, sind die kleineren Kanaren-Inseln. La Palma, La Gomera, El Hierro mit ihrer ruhigeren Atmosphäre und niedrigeren Mietniveau wären für eine bestimmte Untergruppe von Digital Nomads — Selbstständige, Programmierer, Schriftsteller — möglicherweise sogar interessanter als Las Palmas.

Aber sie haben nicht die kritische Masse an Coworking-Infrastruktur, Direktflügen und internationalen Communities, die Holafly als Bewertungsmassstab anlegt.

Las Palmas bleibt damit das eine Tor, durch das Digital Nomads zu den Kanaren kommen — und wer von dort aus die kleineren Inseln erkundet, wird oft feststellen, dass die spannendsten Ecken nicht in der Statistik stehen.

Martin Kosinski schreibt für CITA News über Wirtschaft, Tourismus und Service-Themen. Mehr über den Autor