Nach fast einem Jahr juristischem Tauziehen hat der Richter am Handelsgericht Nr. 1 von Las Palmas, Alberto López Villarrubia, den spektakulärsten Hoteldeal der Kanarischen Inseln entschieden: Die Grupo Martinón, über ihre Tochtergesellschaft División Turística Valle Taurito, erhält drei Hotels in Playa de Taurito (Mogán) und die Konzession für das Hotel Las Tirajanas in San Bartolomé de Tirajana. Gesamtpreis: 85 Millionen Euro. CITA News, Ihr Nachrichtenportal für Gran Canaria, erklärt, warum nicht der Höchstbieter gewann — und was das für den Süden der Insel bedeutet.
Der Deal: Vier Hotels, zwei Giganten, 1.000 Euro Unterschied
Die Geschichte beginnt im Mai 2025, als die Vermögenswerte der insolventen Gesellschaft Mar Abierto — Teil des einst mächtigen Santana-Cazorla-Imperiums — zur Versteigerung kamen. Im Juli 2025 endete die elektronische Auktion mit zwei Geboten: Lopesan bot 85.001.000 Euro, Martinón bot 85.000.000 Euro. Obwohl Lopesan zunächst den Zuschlag erhielt, legte Martinón zusammen mit den Arbeitnehmervertretern Widerspruch ein.
Im Januar 2026 empfahl der Insolvenzverwalter Lener eine Neubewertung — und sprach sich für Martinón aus. Der Richter folgte dieser Empfehlung und begründete seinen Beschluss mit drei entscheidenden Faktoren.
Der Taurito-Hotel-Deal — Die Fakten
Gewinner: Grupo Martinón (División Turística Valle Taurito)
Preis: 85.000.000 €
Verlierer: Grupo Lopesan (Isla Marina) — Gebot: 85.001.000 €
Hotels: LIVVO Valle Taurito, LIVVO Costa Taurito, LIVVO Lago Taurito (Mogán) + Hotel Las Tirajanas (Konzession, San Bartolomé)
Vorbesitzer: Mar Abierto S.L. (Grupo Santana Cazorla, insolvent)
Frist: Martinón hat 10 Tage ab Rechtskraft, um 85 Mio. € zu hinterlegen
Plan B: Zahlt Martinón nicht, geht der Zuschlag automatisch an Lopesan
Warum nicht der Höchstbieter gewann
Der Richter bezeichnete die Preisdifferenz von 1.000 Euro als „irrelevant" und stufte drei andere Faktoren als entscheidend ein.
Erstens: Der Wasserpark. Martinón übernahm den bestehenden Vertrag für den Parque Acuático Lago Taurito samt Parkplatz — ein zentrales Element des All-Inclusive-Modells der Hotels. Lopesan hatte diesen Vertrag explizit ausgeschlossen, was dem Insolvenzverwalter zufolge zu Millionenschäden für die Gläubiger hätte führen können.
Zweitens: Die Touroperator-Gelder. Rund 2,5 bis 3 Millionen Euro an Vorauszahlungen von Reiseveranstaltern für noch nicht erbrachte Leistungen standen im Raum. Martinón ließ diese Gelder in der Konkursmasse — zum Vorteil der Gläubiger. Lopesan wollte sie für sich beanspruchen.
Drittens: Die Arbeitnehmer. Martinón übernahm die gesamte Belegschaft einschließlich 25 Mitarbeitern in Excedencia (unbezahlter Sonderurlaub). Lopesan hätte diese ausgeschlossen — was laut Richter zu künftigen Abfindungszahlungen aus der Konkursmasse geführt hätte. Die Betriebsräte sprachen sich geschlossen für Martinón aus.
Was bedeutet das für den Süden Gran Canarias?
Für Maspalomas, Mogán und den gesamten Süden der Insel hat die Entscheidung weitreichende Konsequenzen. Die drei Taurito-Hotels operieren bereits seit fünf Jahren unter der Marke LIVVO (Martinón) und sind ein fester Bestandteil des All-Inclusive-Tourismus in der Region. Die Kontinuität ist damit gesichert — ein Wechsel zu Lopesan hätte einen Betreiberwechsel mit ungewissem Ausgang bedeutet.
Darüber hinaus hat Lopesan sich in derselben Versteigerung die Lose 2, 3 und 4 gesichert: 26 Gewerbeeinheiten in Playa Taurito sowie zwei Baugrundstücke in Meloneras mit zusammen über 12.000 Quadratmetern Fläche. Das Signal ist klar: Beide Hotelgiganten investieren massiv in den Süden Gran Canarias.
Lopesan kündigt Berufung an
Die Grupo Lopesan hat bereits angekündigt, „alle juristischen Wege auszuschöpfen", um die Entscheidung zu korrigieren. Der Konzern sieht „offensichtliche materielle Fehler" im richterlichen Beschluss. Lopesan hat fünf Tage Zeit für einen Rekurs. Falls dieser scheitert und der Beschluss rechtskräftig wird, muss Martinón innerhalb von zehn Tagen die 85 Millionen beim Gericht hinterlegen. Gelingt dies nicht, fällt der Zuschlag automatisch an Lopesan zurück.
Die Geschichte hat damit noch mindestens ein weiteres Kapitel vor der Audiencia Provincial von Las Palmas.
Hintergrund: Das Santana-Cazorla-Imperium
Die Hotels gehören zur insolventen Mar Abierto S.L., einem Unternehmen der Brüder Santana Cazorla, die über Jahrzehnte ein Hotelimperium auf Gran Canaria aufgebaut hatten. Der Konkurs ist Teil einer komplexen Liquidation, die auch einen seit über 30 Jahren schwelenden Eigentumsstreit um zwei der Grundstücke in Taurito umfasst. Martinón hat laut richterlichem Beschluss akzeptiert, dieses Risiko zu übernehmen.
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