KANAREN · WIRTSCHAFT

Moratorium auf den Kanaren: 300 Millionen Euro für Lopesan – offizielle Aufteilung unbestätigt

Die kanarische Regierung und mehrere Hotelentwickler haben einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen und damit einen rund 25 Jahre alten Rechtsstreit um das Tourismus-Moratorium beendet – jene Baubeschränkungen, die zwischen 2001 und 2003 eingeführt wurden. Der Vergleich ersetzt Verfahren, in denen ursprünglich Forderungen von nahezu einer Milliarde Euro im Raum standen.

31. August 2026 · Von Martin Kosinski · 6 Min.
Hotelbaustelle mit Kran (Symbolbild)

Foto: Artur Andrzej, CC BY-SA 3.0 (Symbolbild).

Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht die Frage, wer wie viel erhält. Mehrere Medien nennen die Hotelgruppe Lopesan als Hauptbegünstigte mit rund 300 Millionen Euro. Wichtig ist dabei: Eine offizielle, nach Unternehmen aufgeschlüsselte Aufstellung ist bislang nicht veröffentlicht worden. Alle hier genannten Einzelbeträge sind Medienangaben, keine amtlich bestätigten Zahlen.

Was vereinbart wurde

Nach Berichten von La Provincia (18. August 2026) und Canarias7 (19. August 2026) einigten sich die Regierung der Kanarischen Inseln und die klagenden Unternehmen außergerichtlich. Betroffen sind demnach 36 Verfahren beziehungsweise Grundstücke in der Provinz Las Palmas, die in den Gemeinden San Bartolomé de Tirajana, Mogán, Yaiza und Pájara liegen – also auf Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura.

Rechtlich geht es um Entschädigungsansprüche, die aus den Baubeschränkungen der Gesetze 6/2001 und 19/2003 abgeleitet wurden. Ein Vergleich beendet solche Verfahren, ohne dass ein Gericht abschließend über die volle Forderungshöhe entscheidet. Das ist ein reguläres Instrument des Verwaltungsrechts und für sich genommen kein Hinweis auf ein Fehlverhalten einer der beteiligten Seiten.

Die Zahlen – und warum sie auseinandergehen

Die veröffentlichten Summen stimmen nicht überein. Atlántico Hoy beziffert die Gesamtentschädigung auf rund 485 Millionen Euro und nennt Lopesan mit etwa 300 Millionen Euro als größten Empfänger; das Portal begründet dies mit gestoppten Projekten im Süden Gran Canarias, unter anderem in Meloneras, sowie auf Fuerteventura. Laut Atlántico Hoy wurde das Geld bereits überwiesen. Auch Hosteltur berichtet von 300 Millionen Euro für Lopesan.

Die Wirtschaftszeitung Expansión kommt am 26. August 2026 auf eine Gesamtsumme von rund 500 Millionen Euro, ebenfalls mit etwa 300 Millionen Euro für Lopesan. Das deutschsprachige Fachportal Tageskarte nennt 485 Millionen Euro insgesamt und einen Lopesan-Anteil von rund 62 Prozent.

Deutlich niedriger liegen andere Angaben: Libertad Digital berichtete am 26. August 2026, die Regierung beziffere die Kosten auf etwa 400 Millionen Euro; für Lopesan nennt das Medium eine Größenordnung „en torno a los 260 millones con intereses“ – rund 260 Millionen Euro einschließlich Zinsen. eldiario.es/Canarias Ahora ordnet die Gesamtsumme ähnlich ein. Beide Medien betonen ausdrücklich, dass weder die Regierung noch Lopesan die Aufteilung bestätigt hat.

Wie die Regierung den Vergleich begründet

Aus Sicht der Regierung schließt der Vergleich ein finanzielles Risiko ab. Nach den vorliegenden Berichten wurden die ursprünglichen Forderungen von knapp 1 Milliarde Euro im Lauf der Verhandlungen zunächst auf rund 650 Millionen und schließlich auf die jetzt genannte Größenordnung reduziert. Der Vergleich sei damit günstiger als ein möglicher Prozessverlust.

Canarias7 berichtete am 27. August 2026, die Regierung rechne mit einer Ersparnis von 155,6 Millionen Euro bei den Zinsen, weil ein Teil der Unternehmen einer sofortigen Zahlung ohne Zinsaufschlag zugestimmt habe. Dasselbe Blatt schrieb, es seien bereits 261 Millionen Euro an Überweisungen ausgeführt worden, um die Vereinbarungen zu bedienen.

Kritik und offene Fragen

Es handelt sich um öffentliche Mittel, und daran setzt die Kritik an. eldiario.es/Canarias Ahora berichtet, die öffentliche Debatte und die Opposition konzentrierten sich vor allem auf die fehlende Transparenz: Eine vollständige Liste der begünstigten Unternehmensgruppen sei nicht vorgelegt worden, bestätigt seien bislang die Zahl von 36 Verfahren und die Tatsache, dass Zahlungen geflossen sind.

Politisch berührt der Fall zudem die Frage, welches der beiden kanarischen Moratorien die Haftung ausgelöst hat – das von 2001 (Gesetze 6/2001 und 19/2003) oder das Gesetz 6/2009. Der Oppositionspolitiker Román Rodríguez (Nueva Canarias) hatte in dieser Debatte bereits im August die Darstellung der Regierung bestritten. Diese Auseinandersetzung ist Teil des politischen Streits und nicht Gegenstand des Vergleichs selbst.

Was das für die Grundstücke bedeutet

Der Vergleich betrifft nicht nur Geld, sondern auch die Zukunft der Flächen. Nach Berichten unter anderem von Hosteltur und Canarias7 werden die strittigen Parzellen nicht automatisch als suelo rústico – also als ländlicher, nicht bebaubarer Boden – neu eingestuft; genannt wird ein Zeitraum von fünf Jahren. Die Entscheidung über eine mögliche Bebauung fällt damit zurück an die kommunale Bauleitplanung.

Atlántico Hoy schreibt, das Ende des Rechtsstreits mache auf Gran Canaria und Fuerteventura den Weg für bis zu 18 neue Hotels und Resorts frei. Ob und wann tatsächlich gebaut wird, hängt aber von den jeweiligen Gemeinden, den geltenden Plänen und den Genehmigungsverfahren ab – ein Automatismus ist mit dem Vergleich nach der berichteten Darstellung nicht verbunden.

So lesen Sie die Zahlen: Unterscheiden Sie drei Ebenen – die Gesamtsumme des Vergleichs (Angaben zwischen rund 400 und 500 Millionen Euro), die bereits ausgeführten Überweisungen (laut Canarias7 261 Millionen Euro) und den Anteil einzelner Unternehmen (nicht amtlich veröffentlicht).
Wer eine belastbare Zahl braucht, sollte auf eine offizielle Aufstellung der Regierung oder auf parlamentarische Antworten warten.
Vorsicht bei der Aufteilung: Die 300 Millionen Euro für Lopesan sind eine Medienangabe (u. a. Atlántico Hoy, Hosteltur, Expansión, Tageskarte). Libertad Digital und eldiario.es/Canarias Ahora nennen eine niedrigere Größenordnung von rund 260 Millionen Euro einschließlich Zinsen und halten fest, dass weder die Regierung noch das Unternehmen die Aufteilung bestätigt hat.
Ein Vergleich beendet ein Verfahren – er ist kein Schuldeingeständnis und kein Beleg für ein Fehlverhalten einer der Seiten.

Zahlen und Fakten

  • Außergerichtlicher Vergleich zwischen der kanarischen Regierung und Hotelentwicklern; er beendet einen rund 25 Jahre alten Streit um das Tourismus-Moratorium (La Provincia, 18. August 2026; Canarias7, 19. August 2026).
  • Betroffen sind 36 Verfahren beziehungsweise Parzellen in San Bartolomé de Tirajana, Mogán, Yaiza und Pájara (Canarias7).
  • Gesamtsumme je nach Quelle: rund 485 Millionen Euro (Atlántico Hoy, Tageskarte), rund 500 Millionen Euro (Expansión), etwa 400 Millionen Euro nach Regierungsangaben (Libertad Digital, 26. August 2026).
  • Anteil Lopesan: rund 300 Millionen Euro laut Atlántico Hoy, Hosteltur und Expansión, etwa 62 Prozent laut Tageskarte; rund 260 Millionen Euro mit Zinsen laut Libertad Digital. Offiziell bestätigt ist die Aufteilung nicht.
  • Ursprüngliche Forderungen: knapp 1 Milliarde Euro, im Verlauf der Verhandlungen auf rund 650 Millionen und dann weiter reduziert.
  • Laut Canarias7 (27. August 2026): 261 Millionen Euro bereits überwiesen, erwartete Zinsersparnis von 155,6 Millionen Euro.

FAQ

Was genau ist vereinbart worden?
Ein außergerichtlicher Vergleich zwischen der kanarischen Regierung und Hotelentwicklern, der die Entschädigungsverfahren rund um das Tourismus-Moratorium von 2001–2003 beendet. Betroffen sind laut Canarias7 36 Verfahren in der Provinz Las Palmas.
Wie hoch ist die Gesamtsumme?
Die Angaben gehen auseinander: Atlántico Hoy und Tageskarte nennen rund 485 Millionen Euro, Expansión rund 500 Millionen Euro, Libertad Digital berichtet von etwa 400 Millionen Euro nach Regierungsangaben.
Erhält Lopesan wirklich 300 Millionen Euro?
Mehrere Medien – darunter Atlántico Hoy, Hosteltur und Expansión – berichten das. Libertad Digital nennt rund 260 Millionen Euro einschließlich Zinsen. Eine offizielle Bestätigung der Aufteilung durch die Regierung oder das Unternehmen liegt nach diesen Berichten nicht vor.
Ist das Geld schon geflossen?
Atlántico Hoy berichtet, die Überweisung sei bereits erfolgt. Canarias7 schrieb am 27. August 2026 von 261 Millionen Euro an ausgeführten Überweisungen. Eine vollständige amtliche Aufstellung wurde bislang nicht veröffentlicht.
Darf jetzt überall gebaut werden?
Nein. Nach den Berichten werden die strittigen Parzellen zunächst nicht automatisch als suelo rústico eingestuft; die Entscheidung über eine Bebauung liegt bei der kommunalen Planung. Atlántico Hoy spricht von bis zu 18 möglichen Hotel- und Resortprojekten auf Gran Canaria und Fuerteventura.