Was passiert: Die AEMET bestätigt eine anhaltende Wetteranomalie auf den Kanaren für mindestens zwei weitere Wochen
Seit wann: Seit der Borrasca Therese Mitte März — also bereits einen Monat
Anomalie: Temperaturen unter dem Durchschnitt, deutlich mehr Niederschlag als üblich
März-Bilanz: „Sehr kalt" (−1,2°C Anomalie), Rekordniederschlag (456 % über Durchschnitt)
Ausblick: Weitere Borrascas, Wind, Seegang und Regen bis mindestens Ende April

Die Kanarischen Inseln erleben seit Mitte März 2026 eine Wetterphase, die alles andere als normal ist — und die sich laut der spanischen Wetterbehörde AEMET in den kommenden zwei Wochen fortsetzen wird. Eine jetzt veröffentlichte Prognosekarte zeigt für den Archipel eine negative Temperaturanomalie bis mindestens Ende April.

März 2026: Kälterekord und Regenrekord

Der vergangene März war nach AEMET-Daten „muy frío" — sehr kalt — für die Kanaren. Die Durchschnittstemperatur lag bei 14,6°C, was einer Abweichung von −1,2°C gegenüber dem Referenzzeitraum 1991–2020 entspricht. Gleichzeitig fielen die Niederschläge rekordverdächtig aus: 114,6 Millimeter im Monatsdurchschnitt, das sind 456 Prozent des normalen Werts. Es war der nasseste März seit Beginn der Aufzeichnungen — maßgeblich verursacht durch die Borrasca Therese, die Mitte März mit Sturmböen, Starkregen und Flutszenen über den Archipel zog.

April bringt keine Entspannung

Statt der üblichen Frühlingsstabilisierung reiht sich in diesem April eine Wetterstörung an die nächste. Nach Therese folgten eine DANA Anfang April, ein polarer Kälteeinbruch ab dem 9. April und nun eine weitere Borrasca, die am Wochenende Wind, Regen und hohen Seegang bringt. Die AEMET hat aktuell gelbe Warnungen für Küstenphänomene und Wind auf mehreren Inseln aktiv.

Die Prognosekarte der AEMET für die kommenden 14 Tage zeigt den Kanaren weiterhin Temperaturen unter dem jahreszeitlichen Mittel — ein ungewöhnliches Bild für den April, der normalerweise den Übergang zum trockenen, warmen Frühsommer markiert.

Was bedeutet die Anomalie konkret?
Temperaturen: 2–4°C unter dem April-Durchschnitt, vor allem nachts und in höheren Lagen
Wind: Wiederkehrende Episoden mit starken bis sehr starken Böen
Seegang: Wellen von 2–4 Metern, phasenweise höher — Fährverbindungen betroffen
Niederschlag: Wiederkehrende Schauer und lokale Gewitter, vor allem auf den westlichen Inseln und in höheren Lagen

Auswirkungen auf Touristen und Residenten

Für Urlauber bedeutet die Anomalie vor allem eines: Flexibilität. Strandtage sind weiterhin möglich — vor allem im Süden von Gran Canaria und Teneriffa —, aber Ausflüge in die Berge, Wanderungen und Bootstouren sollten wetterabhängig geplant werden. Fährverbindungen zwischen den Inseln können kurzfristig ausfallen oder verschoben werden, wie der Vorfall auf der Route Teneriffa–La Palma am Freitag gezeigt hat.

Für Landwirte und die Wasserversorgung hat die nasse Phase allerdings auch positive Seiten: Die Stauseen auf Gran Canaria und Teneriffa füllen sich, und die Böden haben nach Jahren der Trockenheit endlich wieder Reserven aufgebaut.

Kein Einzelereignis, sondern ein Muster

Was die aktuelle Phase von einzelnen Unwetterereignissen unterscheidet: Es handelt sich nicht um eine isolierte Borrasca, sondern um ein persistentes Wettermuster. Der Jetstream verläuft seit Wochen ungewöhnlich weit südlich, was den Kanaren immer wieder feuchte, kühle Atlantikluft beschert — statt der für diese Jahreszeit typischen Hochdrucklagen mit ruhigem, trockenem Wetter.

Die AEMET gibt für die nächsten Tage weiterhin Warnungen aus. Aktuelle Informationen: aemet.es und @AEMET_Canarias auf X.