Die aktuelle Lage (Freitag, 10. April)
Am Freitag beruhigt sich die Wetterlage auf den Kanaren schrittweise. Der Wind lässt im Tagesverlauf nach, bleibt aber im Kanal zwischen La Gomera und Teneriffa weiterhin böig. Die Wolken konzentrieren sich auf die Nordhänge der bergigen Inseln sowie auf Lanzarote und Fuerteventura, wo vereinzelt leichte Schauer möglich sind. Die Wellenhöhe sinkt im Norden auf 3 bis 3,5 Meter. Die Temperaturen bleiben unter dem saisonalen Durchschnitt — am Teide sind weiterhin leichte Fröste möglich.
Die Dirección General de Emergencias der kanarischen Regierung hält die Küstenwarnungen vorerst aufrecht. An exponierten Küstenabschnitten im Norden und Westen bleibt Vorsicht geboten, insbesondere bei Hochwasser.
Was am Donnerstag passiert ist
Am Donnerstag, dem 9. April, traf eine atlantische Front mit polarer Luftmasse auf den Archipel. Die AEMET aktivierte für alle Inseln Warnstufen: Gelb für Wind und Küstenphänomene auf dem gesamten Archipel, Orange für Lanzarote wegen einer kombinierten Dünung aus Nordwest mit Wellenhöhen zwischen 5 und 6 Metern.
Der Wind erreichte generalisiert Böen von über 70 km/h, in Gipfellagen und an südexponierten Hängen von Teneriffa, Gran Canaria und La Palma sogar 80 km/h und mehr. Die Behörden riefen zur besonderen Vorsicht während der Hochwasserperioden auf — die Flut war für 06:35 und 19:05 Uhr prognostiziert.
Acht Flüge umgeleitet
- Fuerteventura: 5 Flüge umgeleitet — darunter Verbindungen aus Sevilla, Madrid und Warschau. Zwei Flüge (ab Teneriffa Nord und Gran Canaria) mussten zum Ausgangsflughafen zurückkehren
- Gran Canaria: 2 Flüge betroffen — aus Göteborg und Bristol, umgeleitet nach Teneriffa Süd
- Lanzarote: 2 Flüge aus London Stansted und Dublin nach Teneriffa Süd umgeleitet
- Ursache: Seitenwind und Windscherung machten sichere Landungen unmöglich
Polarlufteinbruch: Warum dieser Sturm ungewöhnlich ist
Die AEMET beschreibt das Ereignis als einen Kälteeinbruch polaren Ursprungs, der nach mehreren Tagen stabilen Wetters einsetzte. Die polare Luftmasse verdrängt die warme Luft und führt neben Sturm und Regen auch zu einem spürbaren Temperaturabfall. In den Gipfellagen des Teide auf Teneriffa wurden leichte Fröste registriert — ein Phänomen, das im April selten vorkommt.
Für Touristen ist die Situation vor allem wegen der Küstengefahr relevant. Die Kombination aus hohem Wellengang und Gezeitenwechsel erzeugt an Molen, Strandpromenaden und Badezonen potenziell gefährliche Situationen. Die Notdienste betonen: Strände an der Nordküste und exponierte Küstenabschnitte sollten gemieden werden.
Prognose: Wochenende bringt Entspannung
Die Modelle zeigen eine schrittweise Beruhigung ab Freitagnachmittag. Der Wind nimmt über den Tag ab, die Wolkendecke dünnt sich aus und die Wellenhöhe sinkt. Am Samstag wird eine Rückkehr zu stabileren Bedingungen erwartet, allerdings bleibt der Nordwind vorerst spürbar.
Reisenden, die aktuell auf den Kanaren sind oder in den nächsten Tagen anreisen, wird empfohlen: Flugstatus vor Abflug prüfen, Küstenausflüge an der Nordseite vermeiden und die offiziellen AEMET-Warnungen unter aemet.es verfolgen.
Warnungen im Überblick (Stand 10. April)
- Lanzarote: Orange — Küstenwarnung (Wellen 5–6 m)
- Alle Inseln: Gelb — Wind (Böen 70–80 km/h) und Küstenphänomene
- Teneriffa Gipfel: Leichte Fröste möglich
- Lanzarote/Fuerteventura: Leichte bis mäßige Regenfälle
- Flugverkehr: Situation normalisiert sich, vereinzelte Verzögerungen möglich
