27. März 2026
Borrasca Therese abgezogen — Notstand aufgehoben, Erdrutsch-Warnung bleibt aktiv
Nach sechs Tagen Dauerregen, Erdrutschen und Evakuierungen ist Borrasca Therese endgültig abgezogen. Was bleibt, ist eine Spur der Verwüstung über das gesamte kanarische Archipel — und eine Schadensbilanz, die jeden bisherigen März-Sturm in den Schatten stellt.
Die Zahlen: Historisch in jeder Hinsicht
Die Rettungsleitstelle 112 Canarias registrierte während der Borrasca insgesamt 1.783 Einsätze. An mehreren Messstationen auf Gran Canaria fielen über 700 Liter pro Quadratmeter in nur sechs Tagen. Allein am Dienstag, dem 24. März, wurden in Bañaderos 153 l/m² in wenigen Stunden gemessen — ein Wert, der die UME (Unidad Militar de Emergencias) auf den Plan rief. In der Spitze mussten 32 Stauseen gleichzeitig Wasser ablassen, um ein Überlaufen zu verhindern.
1.783 Einsätze der Rettungsleitstelle 112
700+ l/m² Niederschlag auf Gran Canaria in 6 Tagen
10+ Mio. € Schäden an 50 Bildungseinrichtungen
460.000 € Sofort-Reparatur Stützmauer Miller Bajo
32 Stauseen mussten gleichzeitig ablassen
75 % der Obsternte auf La Palma zerstört
3.000+ Personen evakuiert oder isoliert
50 Schulen beschädigt: Über 10 Millionen Euro Schaden
Ein vorläufiger Bericht der Direktion für Infrastrukturen und Ausstattung beziffert die Schäden an Bildungseinrichtungen auf über 10 Millionen Euro. Betroffen sind rund 50 Schulen, Institute und Berufsbildungszentren — 24 auf Gran Canaria, 17 auf Teneriffa, der Rest auf Fuerteventura, Lanzarote und den westlichen Inseln. In mehreren Schulen musste der Präsenzunterricht bis einschliesslich Freitag ausgesetzt werden.
Miller Bajo: 460.000 Euro für eine Stützmauer
Im Stadtteil Miller Bajo von Las Palmas de Gran Canaria mussten 11 Bewohner eines Wohngebäudes in der Calle Nicolás Monche López evakuiert werden, nachdem eine Stützmauer bedrohliche Risse zeigte — bis zu 15 Zentimeter Verschiebung. Per Notfalldekret vergab die Stadt den Reparaturauftrag an die Firma Derribo y Excavaciones Kiko: geschätzte Kosten 460.000 Euro, Bauzeit drei Monate. Die Arbeiten begannen am Freitag.
La Palma: 75 Prozent der Obsternte vernichtet
Während Gran Canaria die schwersten Infrastrukturschäden verzeichnete, traf es La Palma bei der Landwirtschaft am härtesten. Rund 75 Prozent der Fruchternte in den betroffenen Gebieten wurden durch Starkregen und Wind zerstört — ein schwerer Schlag für die ohnehin noch vom Vulkanausbruch 2021 gezeichnete Insel.
Politischer Streit: PP fordert Sofort-Hilfen von Madrid
Im Cabildo-Plenum am 27. März brachte die PP-Fraktion eine Dringlichkeitsmotion ein: Die Zentralregierung in Madrid müsse die angekündigten Hilfsgelder schnellstmöglich bewilligen und um direkte Hilfen für betroffene Bürger ergänzen. Die Partei verwies auf die jahrelangen Verzögerungen bei den Vulkan-Hilfen für La Palma als warnendes Beispiel. Spaniens Regierung hatte zuvor angekündigt, die Kanarischen Inseln schnellstmöglich zum Katastrophengebiet zu erklären.
Morales kritisiert UME-Protokoll
Cabildo-Präsident Antonio Morales nutzte die Krise, um ein grundsätzliches Problem anzusprechen: Die aktuellen Vorschriften erlauben den Cabildos erst dann die UME anzufordern, wenn die Notlage auf Stufe 2 eskaliert und die Autonome Gemeinschaft die Koordination übernommen hat. Die kanarische Inselföderation Fecai hält diese Regelung für ein Festland-Konstrukt, das der Realität eines Archipels nicht gerecht wird. Morales forderte eine Gesetzesänderung auf staatlicher Ebene.
Notstand aufgehoben, Erdrutsch-Warnung bleibt
Am Mittwoch wurde der Notstand für Gran Canaria aufgehoben, am Donnerstag folgte La Gomera als letzte Insel. Das Cabildo von Gran Canaria hielt jedoch die Warnung vor Erdrutschen aufrecht: Der völlig durchnässte Boden, besonders in Hanglagen, bleibt instabil. Präsident Morales warnte eindringlich davor, ins Inselinnere zu fahren. Noch immer sind 15 Strassen gesperrt.
Gala Drag und Cabalgata: Karneval trotzt dem Sturm
Nicht alles ging unter: Die Gala Drag des Karneval Internacional de Maspalomas, die wegen Therese verschoben werden musste, fand am Mittwoch, 26. März, statt. Der Karnevals-Hundewettbewerb (Carnaval Canino) wurde dagegen endgültig abgesagt.
Wie geht es weiter?
Die nächsten Tage werden zeigen, wie schnell Madrid die Katastrophenerklärung formalisiert. Für die Schulen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Der Unterricht soll so schnell wie möglich wieder in Präsenz stattfinden. Und in Miller Bajo warten 11 Familien darauf, in ihre Wohnungen zurückkehren zu können.