Festnahme: Ehemaliger Anführer des Clan Zagaria (Casalesi) in Los Cristianos, Teneriffa
Vorwürfe: Organisierte Kriminalität, Geldwäsche — bis zu 18 Jahre Haft
Operation: 23 Festnahmen insgesamt (1 Spanien + 22 Italien), 19 in U-Haft
Einsatzkräfte: Policía Nacional (GOES-Eliteeinheit + Hubschrauber), 150+ Carabinieri (ROS) in Italien
Beschlagnahmt: 4 Pistolen, 1 Maschinenpistole (in Italien)
Die Policía Nacional hat am 30. März in einem Wohnhaus in Los Cristianos im Süden Teneriffas einen Mann festgenommen, der von der italienischen Justiz wegen organisierter Kriminalität und Geldwäsche gesucht wurde. Der Verdächtige war bis 2016 Anführer des Clan Zagaria — einer der gefährlichsten Fraktionen innerhalb der Casalesi, die zu den mächtigsten Strukturen der neapolitanischen Camorra zählen.
Die Aktion wurde am selben Tag zeitgleich in Spanien und Italien durchgeführt. Auf Teneriffa setzten die Behörden die Eliteeinheit GOES (Grupo Operativo Especial de Seguridad) sowie Hubschrauber ein. Italienische Carabinieri des ROS (Raggruppamento Operativo Speciale) waren zur Unterstützung nach Spanien gereist.
Die wichtigste Verhaftung der gesamten Operation
In Italien wurden im Rahmen derselben Operation 22 weitere Personen festgenommen, von denen 19 in Untersuchungshaft kamen. Die Ermittler beschlagnahmten vier Pistolen und eine Maschinenpistole. Laut den italienischen Behörden gilt die Festnahme auf Teneriffa als die bedeutendste der gesamten Aktion — aufgrund der Stellung und Macht des Verdächtigen innerhalb der Organisation.
Der Zugriff erfolgte auf Basis eines Europäischen Haftbefehls (OEDE), den die italienische Justiz am 10. März ausgestellt hatte. Die spanischen Ermittler benötigten rund 20 Tage, um den Aufenthaltsort des Gesuchten in Los Cristianos zu lokalisieren.
Verbindungen zur 'Ndrangheta und Drogenhandel
Die Ermittlungen sind Teil einer Makro-Untersuchung gegen den Clan Zagaria, der innerhalb der Casalesi-Struktur operiert. Die Gruppe hatte Allianzen mit der kalabrischen 'Ndrangheta geschlossen, um den Drogenhandel in die Region Caserta zu kontrollieren. Die Operation wird als historischer Schlag gegen die Mafiaaktivitäten in Italien mit internationalen Verzweigungen bewertet.
Es ist nicht das erste Mal, dass hochrangige Mitglieder der Camorra auf den Kanarischen Inseln untertauchen. Bereits im November 2025 wurden innerhalb von 72 Stunden zwei weitere Camorra-Flüchtige auf Teneriffa festgenommen — einer davon in einem Ferienappartement, von dem aus er die Organisation weiter gesteuert haben soll. Der boomende Immobilienmarkt auf Gran Canaria macht solche Unterkünfte leicht verfügbar.
Warum die Kanaren?
Die Kanarischen Inseln sind seit Jahren ein bevorzugtes Ziel für Mitglieder der organisierten Kriminalität, die sich dem Zugriff der europäischen Justiz entziehen wollen. Das milde Klima, die touristische Infrastruktur mit zahlreichen Ferienwohnungen und die relative Anonymität machen die Inseln attraktiv. Die gute Anbindung über Fähren zwischen den Kanarischen Inseln erleichtert zudem das Untertauchen. Die spanische Polizei hat in den letzten Monaten die Zusammenarbeit mit italienischen Behörden deutlich verstärkt.