Drei Tage, neun Treffen, ein Pitch
Zwischen dem 16. und 18. März 2026 absolvierte eine Delegation der Zona Franca de Gran Canaria ein dichtes Programm in Santiago de Chile. Die Mission war Teil der „Estrategia de Promoción Internacional en América Latina 2025–2026" — einer Offensive, mit der die Freihandelszone den Archipel als trikontinentalen Logistik-Hub zwischen Lateinamerika, Europa und Afrika positionieren will.
Die Gesprächspartner lesen sich wie ein Who's Who der chilenischen Wirtschaft: die Confederación de la Producción y el Comercio (CPC), SOFOFA (der größte Industrieverband des Landes), die Cámara Nacional de Comercio, die Asociación Logística de Chile (ALOG), Frutas de Chile, das Sistema de Empresas Públicas (SEP), ProChile, die Cámara de Comercio de Santiago und ChileAlimentos.
Was die Kanaren Chile anbieten
- Geografische Brücke: Canarias liegt auf halbem Weg zwischen Südamerika und den afrikanischen sowie europäischen Märkten — eine Position, die logistische Kosten senken kann
- ZEC-Steuerregime: Die Zona Especial Canaria bietet einen Körperschaftsteuersatz von nur 4% — einer der niedrigsten in der EU
- Zollfreiheit: Unternehmen in der Freihandelszone profitieren von Zollbefreiungen, flexiblen Einfuhrregelungen und direktem Zugang zum EU-Binnenmarkt
- REF-Vorteile: Das kanarische Sonderwirtschaftsregime (REF) ermöglicht zusätzliche Investitionsanreize wie die Reserva para Inversiones en Canarias (RIC)
Chiles Interesse: Afrika über die Kanaren erreichen
Laut der Zona Franca waren die Ergebnisse der Mission konkret. Die chilenischen Gesprächspartner zeigten besonderes Interesse daran, die Kanaren als Zugangsplattform zu afrikanischen und europäischen Märkten zu nutzen. Im Einzelnen wurden folgende Perspektiven identifiziert: die Einbindung der Kanaren in zukünftige Handelsmissionen chilenischer Unternehmen nach Spanien, die Koordination gemeinsamer Aktionen mit Logistik- und Agroexportverbänden sowie Kooperationsmöglichkeiten in den Sektoren Technologie, Lebensmittel und Aquakultur.
Für Chile ist Afrika ein wachsender Exportmarkt — der Kontinent wird laut UN-Prognosen 2050 fast 2,5 Milliarden Einwohner haben, mit einer aufstrebenden Mittelschicht. Die Kanaren bieten sich als logistische Drehscheibe an: 100 Kilometer vor der afrikanischen Küste, aber mit voller EU-Infrastruktur, europäischen Rechtsnormen und direkten Handelsrouten in beide Richtungen.
Der strategische Kontext: Canarias als Atlantik-Hub
Die Chile-Mission ist kein isolierter Vorstoß. Sie fügt sich in eine breitere Strategie ein, die das kanarische Regierung unter dem Label „Marca Canarias" vorantreibt. Anfang 2026 hatte der Consejo Regional de Internacionalización (CRI) auf Lanzarote die außenwirtschaftliche Roadmap aktualisiert — mit den Schwerpunkten Afrika-Expansion und einer neuen Dachmarke für den Archipel.
Am 2. März präsentierte Kanarenpräsident Fernando Clavijo die erste offizielle „Estrategia Canarias-África" — ein Dokument, das den Archipel als Hub für Transport, Gesundheit, Bildung, Hafenmanagement und digitale Wirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent positioniert. Proexca, die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft, koordiniert beide Stränge: die lateinamerikanische Offensive der Zona Franca und die Afrika-Strategie der Regierung.
Die Freihandelszone Gran Canaria hatte bereits 2024 eine ähnliche Annäherung an Kolumbien und Peru unternommen. Bei einem Treffen mit Botschaftern aus Chile, Kolumbien, Ecuador, Panama, Peru und der mexikanisch-spanischen Wirtschaftskammer in Madrid präsentierte Delegado Gabriel Corujo die Kanaren als strategische Investitionsplattform.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für chilenische Unternehmen — besonders aus der Lachsindustrie, dem Obstexport und dem Technologiesektor — bieten die Kanaren ein konkretes Angebot: eine steuerlich hochattraktive EU-Jurisdiktion mit physischer Nähe zu Afrika und eingespielter Logistik nach Europa. Die ZEC erlaubt es, bei Erfüllung bestimmter Investitions- und Beschäftigungsauflagen, die Steuerlast um bis zu 90 Prozent zu reduzieren.
Die Aquakultur ist dabei ein besonders vielversprechendes Feld. Chile ist weltweit der zweitgrößte Lachsproduzent. Die Kanaren verfügen über Forschungsinfrastruktur in mariner Biotechnologie — etwa am Instituto Tecnológico de Canarias (ITC) und der Plataforma Oceánica de Canarias (PLOCAN). Eine Zusammenarbeit in diesem Sektor könnte für beide Seiten strategisch sein.
Die Zona Franca kündigte an, die aus der Chile-Mission entstandenen Kontakte weiterzuverfolgen und den Archipel als Tor zu den globalen Märkten weiter zu positionieren.