40 Grad am Tag, 32,5 Grad in der Nacht
Es waren Tage, an denen der Süden Gran Canarias mittags menschenleer war. In Tunte und im Becken von Tirajana kletterte das Thermometer über 40 Grad, in Tejeda ebenso. Und die Nächte brachten keine Erholung: In Agaete registrierte die staatliche Wetteragentur AEMET um 3:40 Uhr morgens noch 32,5 Grad. Die zweite Hitzewelle des Sommers 2026 hat den Kanaren einiges abverlangt. Nun endet sie.
Was diese Hitzewelle ausmachte
Auslöser war eine Masse heisser, trockener Kontinentalluft aus Afrika, begleitet von leichter Calima in der Höhe. Dazu kam eine tief liegende Inversionsschicht — auf Gran Canaria bei etwa 400 Metern —, die die Wärme wie ein Deckel festhielt und die Vegetation austrocknete.
AEMET hob die Warnstufe für Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura auf Orange (bedeutende Gefahr), zeitweise auch für die Metropolregion Teneriffas; die übrigen Inseln standen auf Gelb. Besonders betroffen waren die nach Süden, Osten und Westen orientierten Medianías und Hochlagen.
Vielerorts erlebten die Inseln, was Meteorologen «Tropennächte» nennen — Minima über 20 Grad — und in den heissesten Zonen sogar «torride Nächte» mit Werten über 25 Grad. In Tejeda sank das Thermometer die ganze Nacht nicht unter 25 Grad. Solche Nächte sind mehr als eine Unannehmlichkeit: Sie verhindern, dass sich der Körper erholt, und sind für ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke ein Gesundheitsrisiko.
Die Behörden reagierten
Die kanarische Regierung aktivierte über die Dirección General de Emergencias die Alarmstufen für Höchsttemperaturen. Der Cabildo de Tenerife weitete seine ausserordentlichen Waldbrand-Präventionsmassnahmen auf das gesamte Risikogebiet aus: Feuerverbot im Freien, keine Grillfeuer oder Gaskocher, Rauchverbot auf Wanderwegen, Rastplätzen und in Wäldern. Auch auf Gran Canaria blieb die Waldbrandwarnung in Kraft.
Die Wende: ein Trog vom Atlantik
Nun sorgt eine sogenannte vaguada atlántica — ein Trog kühlerer Luft, der vom Atlantik heranzieht — für den Wetterumschwung. Er lenkt eine frischere Luftmasse über den Archipel, und die Temperaturen sinken auf breiter Front, sowohl die Höchst- als auch die Tiefstwerte.
AEMET-Sprecher Rubén del Campo hatte den Freitag als Wendepunkt genannt. Wichtig ist seine Einordnung: Es wird nicht kalt. Was zurückkehrt, ist der «normale Juli» — sommerliche Hitze, aber deutlich erträglicher als die Extremwerte der vergangenen Tage. Im Norden der Inseln bleiben Wolkenfelder, an den Süd- und Innenlagen dürften weiterhin Werte um 30 Grad erreicht werden.
Nach der Meldung von Canarias7 schaltet AEMET mit dem Temperaturrückgang die Warnungen für den Archipel ab.
Wichtig: Warnstatus prüfen
Wetterwarnungen können sich kurzfristig ändern. Verbindlich ist immer der aktuelle Stand der staatlichen Wetteragentur AEMET unter aemet.es sowie die Angaben der kanarischen Notfallbehörden. Wer wandern oder in die Berge fahren möchte, sollte zudem die geltenden Waldbrand-Vorschriften des jeweiligen Cabildo beachten.
Und danach?
Ein Grund zur Sorglosigkeit ist das Ende dieser Episode nicht. AEMET schliesst neue Hitzeepisoden in den kommenden Wochen ausdrücklich nicht aus; die Modelle sehen für den Sommer 2026 auf den Kanaren eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Wärme. Es war bereits die zweite Hitzewelle dieser Saison.
Für den Moment aber dürfen die Inseln durchatmen — und in Tejeda, Tunte und Agüimes wieder mittags vor die Tür treten.
Gut zu wissen: Was bei Hitze hilft
Die kanarischen Gesundheitsbehörden empfehlen bei Hitzewellen die üblichen Vorsichtsmassnahmen: viel Wasser trinken, auch ohne Durst; die Mittagsstunden im Schatten oder in kühlen Räumen verbringen; leichte, helle Kleidung tragen; körperliche Anstrengung in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen. Besonders auf ältere Menschen, Kleinkinder und chronisch Kranke sollte geachtet werden — sie leiden unter Tropennächten am stärksten.