Worum es geht
Was passiert: Ab dem 1. Juli 2026 kassiert die EU einen 3-Euro-Zoll pro Warenkategorie auf alle Bestellungen unter 150 € aus Ländern ausserhalb der EU. Also: Shein, Temu, AliExpress.
Was auf den Kanaren zusätzlich passiert: Die seit 2016 geltende IGIC-Befreiung für Online-Käufe unter 150 € wird vermutlich wegfallen. Finanzministerin Matilde Asián hat das schon angekündigt.
Was das konkret kostet: Ein 5-Euro-T-Shirt aus China kostet ab Juli 8,35 € — plus 67 Prozent. Im schlimmsten Fall, wenn Spediteure wieder Bearbeitungsgebühren verlangen: bis 35 €.
Was unklar ist: Wie genau die Spediteure das verwalten. Die kanarische Regierung sagt selbst: «Mehr Unsicherheit als Gewissheit.»
Quellen: Agencia Tributaria (AEAT), Consejería de Hacienda, Canarias7, EU-Reglement vom Februar 2026.
Inhalt
Die Rechnung, die noch niemand erklärt hat
Stell dir vor: Du sitzt in deinem Apartment in Maspalomas, scrollst durch Temu, findest eine Handyhülle für 2 Euro. Du klickst. 18 Tage später ist sie da. Zoll: null. IGIC: null. Gesamt: 2 Euro.
So bisher. Ab dem 1. Juli sieht dieselbe Bestellung so aus:
Handyhülle: 2 €. EU-Zoll (3 € pro Warenkategorie): 3 €. IGIC, vermutlich 7 % auf den Endbetrag: 0,35 €. Möglicher Spediteurs-Aufschlag für H7-Formular: 0 bis 30 €.
Minimum: 5,35 €. Realistisch mit Spediteur: 15–35 €. Aus einem 2-Euro-Schnäppchen wird ein Fall, in dem du eher zu Mercadona um die Ecke gehst — genau das ist auch die Absicht Brüssels.
Wie der EU-Zoll funktioniert
Der 3-Euro-Zoll wirkt pro Warenkategorie, nicht pro Paket. Drei T-Shirts aus Baumwolle: einmal 3 €. Ein T-Shirt plus eine Handyhülle: zwei Kategorien, also 6 €. Drei verschiedene Materialien: 9 €.
Heisst: Wer eine «gemischte» Bestellung mit zwölf kleinen Mini-Artikeln macht, wird hart getroffen. Genau davon leben Shein und Temu. Genau das soll die Kommission stoppen.
Der Zoll wird unabhängig vom Warenwert erhoben. Ob 50 Cent oder 99 € — immer 3 € pro Kategorie. Ab November prüft die EU noch einen zweiten Aufschlag von 2 € pro Paket. Bestätigt ist das noch nicht.
Warum die Kanaren härter getroffen werden
Auf dem Festland zahlst du den Zoll, fertig. Auf den Kanaren kommen zwei Dinge dazu.
Erstens: die IGIC-Falle. Seit 2016 sind Online-Käufe unter 150 € auf den Kanaren von der IGIC (7 %) befreit. Diese Befreiung war damals eingeführt, um Spediteurs-Abzocke zu verhindern. Jetzt dreht die Regierung die Logik um: Wenn wegen des EU-Zolls sowieso ein H7-Zollformular nötig wird, «hat die IGIC-Befreiung ihren Sinn verloren», sagt Finanzministerin Asián. Heisst: 7 Prozent zurück.
Zweitens: die Spediteurs-Frage. Wenn jedes Paket aus China künftig eine H7-Erklärung braucht, braucht jemand, der das ausfüllt. Auf dem Festland macht das automatisch das IOSS-System der EU. Auf den Kanaren nicht. Wer ein Paket durchbringen will, braucht entweder einen Spediteur, der das übernimmt (oft 15–35 € pro Paket), oder einen eigenen Zollagenten.
Die Plattform-Initiative Autodespacho Canarias warnt: «Wenn ich eine 6-Euro-Bestellung mache und am Ende 45 Euro zahle, kaufe ich gar nichts mehr.» Genau das ist das Problem.
Drittens: Shein und Temu könnten sich zurückziehen. Wenn der Aufwand pro Paket so hoch wird, dass die Marge stirbt, könnten die Plattformen die Kanaren einfach aus dem Versand ausschliessen. Andere Anbieter haben das schon gemacht.
Was du jetzt noch machen kannst — vor dem 1. Juli
Bestelle vor dem 30. Juni, was du sowieso brauchst. Lieferungen aus China dauern 14–25 Tage. Bestellungen vor Mitte Juni kommen sicher rechtzeitig.
Lieber eine grosse Bestellung als zwölf kleine. Zehn T-Shirts in einer Kategorie bleiben mit dem Zoll bei 3 €. Zehn verschiedene Mini-Artikel kosten 30 € Zoll.
Vorsicht bei Bestellungen Ende Juni. Wenn das Paket erst nach dem 1. Juli am Zoll ankommt, gilt schon die neue Regelung.
Welche Alternativen es gibt
Lokal kaufen. Naheliegend, aber für viele Artikel schwierig. Mode auf den Kanaren ist nicht so vielfältig wie in München oder Madrid.
Europäische Plattformen. Zalando, About You, Decathlon, MediaMarkt liefern auf die Kanaren. Teurer als Shein und Temu, aber der EU-Zoll fällt nicht an. IGIC trotzdem (7 %), aber netto immer noch günstiger als das Festland.
Warten. Temu und Shein bauen gerade EU-Lager auf. Temu hat einen Vertrag mit DHL: Bis 2027 sollen 80 % der EU-Verkäufe aus europäischen Lagern kommen — und nicht mehr unter den Zoll fallen. Heisst: Dieselben Plattformen könnten in ein paar Monaten wieder günstig sein, aber nur für Artikel aus Polen, Niederlande, Spanien.
Häufige Fragen
- Gilt der Zoll auch für Amazon-Bestellungen?
- Nein, wenn das Produkt aus einem EU-Lager kommt. Ja, wenn der Verkäufer aus China direkt sendet (Amazon-Drittanbieter). Vor dem Kauf auf «Versand durch» achten.
- Was ist mit Bestellungen aus UK oder USA?
- Gleiche Regel — UK ist seit Brexit ausserhalb der EU, USA war es nie. ASOS UK, Etsy USA, eBay USA werden ab Juli teurer.
- Werden Bestellungen über 150 € auch betroffen?
- Anders. Bei über 150 € werden schon heute reguläre Zollsätze plus Mehrwertsteuer fällig. Die 3-Euro-Pauschale gilt nur für die kleineren Bestellungen.
- Kann ich an Festland-Adresse liefern und das Paket selbst mitnehmen?
- Theoretisch ja, praktisch unsinnig. Du zahlst Festland-IVA (21 %) statt IGIC (7 %), plus Versand. Lohnt sich nicht.
- Wann kommt der mögliche 2-Euro-Verwaltungs-Aufschlag der EU?
- Frühestens November 2026, vielleicht erst 2027 — oder gar nicht. Stand jetzt nur Vorschlag.
- Was, wenn ich beruflich kleine Mengen importiere?
- Als Autónomo lohnt sich eine eigene Zollnummer (EORI), damit kannst du H7 selbst ausfüllen und Spediteurs-Gebühren sparen. Steuerberater fragen.