Das CAAM ist zurück

Wer in den vergangenen Monaten durch die Calle Los Balcones im historischen Vegueta schlenderte, fand die Türen des CAAM verschlossen. Damit ist ab heute Abend Schluss: Das Centro Atlántico de Arte Moderno, eine Institution des Cabildo de Gran Canaria, eröffnet seinen Hauptsitz um 20.00 Uhr feierlich wieder — mit freiem Eintritt für alle, solange der Platz reicht.

Warum das Museum schliessen musste

Der Grund für die rund zehnmonatige Schliessung lag über den Köpfen der Besucher: das Dach. Die grossen, pyramidenförmigen Metallstrukturen mit ihren zentralen und seitlichen Oberlichtern hatten nach mehr als drei Jahrzehnten unter der salzhaltigen Meeresluft der Hafenstadt deutlich gelitten. Die Sanierung dieser Dachkonstruktion war das Herzstück der Arbeiten, in die insgesamt rund 1,04 Millionen Euro flossen.

Ein technischer Kraftakt: Die schweren Stahlgerüste mussten mit grossen Kränen mitten im historischen Zentrum eingebracht werden — koordinierte Operationen, die ein ganzes Team von Fachleuten forderten. Parallel wurde auch der Lastenaufzug erneuert, der noch aus dem Eröffnungsjahr 1989 stammte; der neue trägt bis zu 2.500 Kilogramm und bringt die Kunstwerke künftig sicher zwischen Depots und Sälen hin und her.

Ein Bau mit Geschichte

Das Gebäude selbst trägt eine bedeutende Handschrift: Entworfen wurde es vom renommierten spanischen Architekten Francisco Javier Sáenz de Oíza. Die aktuelle Sanierung lag in den Händen der kanarischen Architekten Ramón Chesa und Javier Mena, ausgeführt vom Unternehmen Proyecon. Die Arbeiten sind der Abschluss eines langen Modernisierungsprozesses, den das Haus seit 2016 verfolgt — neun Jahre, in denen die Kulturinstitution des Cabildo Schritt für Schritt ihre Anlagen auf den neuesten Stand brachte.

Wichtig für alle Kunstfreunde: Ganz verschwunden war das CAAM nie. Während der Hauptsitz geschlossen war, blieben die beiden anderen Standorte — San Antonio Abad und Balcones 9 — geöffnet, dazu lief das gesamte Programm samt einem verstärkten Online-Angebot weiter.

Zwei Ausstellungen zur Rückkehr

Zur Wiedereröffnung wartet das Haus mit zwei grossen retrospektiven Ausstellungen auf, beide bei freiem Eintritt.

Die erste, «Pintura Pintura», ist eine Hommage an den grancanarischen Maler Juan José Gil (Gran Canaria, 1947–2023). Gil gilt als Vertreter der «Generación de los Setenta», jener Künstlergeneration, die die zeitgenössische Kunst des Archipels erneuerte. Sein Werk kreist um Landschaft, Inselhaftigkeit, Erinnerung und kollektive Erfahrung — und nimmt damit eine besondere Stellung innerhalb der spanischen Gegenwartskunst ein. Der Maler starb vor drei Jahren und hinterliess ein Werk, das mehrere Künstlergenerationen der Inseln geprägt hat. Kuratiert wird die Schau von Miguel Cereceda; die Leihgaben stammen unter anderem von der Fundación Mapfre Canarias, dem TEA in Teneriffa, der Fundación CajaCanarias und aus der eigenen CAAM-Sammlung.

Die zweite, «Soñando otra Ítaca» («Ein anderes Ithaka träumen»), ist die erste grosse Retrospektive in Spanien, die der kubanischen Künstlerin Sandra Ramos gewidmet ist. Die 1969 in Havanna geborene und heute in Miami lebende Ramos zählt zu den zentralen Stimmen der kubanischen und lateinamerikanischen Kunst der vergangenen Jahrzehnte. Damit schlägt das CAAM zur Rückkehr einen Bogen, der die Verbindung der Kanaren zur atlantischen und lateinamerikanischen Welt sichtbar macht — passend zum Namen des Hauses.

Gut zu wissen: Besuch

Der Hauptsitz des CAAM liegt in der Calle Los Balcones mitten in Vegueta — dem historischen Altstadtviertel von Las Palmas, gleich in der Nähe von Kathedrale und Kolumbus-Haus (Casa de Colón). Die Eröffnung heute Abend um 20.00 Uhr ist offen für alle, der Eintritt ist frei bis zur Kapazitätsgrenze. Die beiden Retrospektiven sind anschliessend in den kommenden Wochen zu sehen.

Was bleibt

Für Las Palmas ist die Wiedereröffnung mehr als ein renoviertes Dach. Das CAAM gehört zu den wichtigsten Häusern für zeitgenössische Kunst auf den Kanaren und ist ein internationaler Bezugspunkt mitten im historischen Vegueta. Wer heute Abend Zeit hat, kann die Rückkehr direkt miterleben; ansonsten laden die beiden Retrospektiven in den kommenden Wochen zum Besuch. Ein Haus, das die Kanaren mit der grossen atlantischen Kunstwelt verbindet, ist damit zurück.