Die Kurzfassung
Der Cabildo de Gran Canaria gab der Evangelischen Kirche von Las Palmas im Oktober 2020 eine Subvention von 177.802 Euro für den Bau eines Sozialzentrums in El Fondillo. Sechs Jahre später hat die Kirche weder den Nachweis über die Verwendung des Geldes erbracht noch die geforderte Rückzahlung geleistet. Mit Verzugszinsen beläuft sich die Forderung auf 205.588,83 Euro. Jetzt pfändet der Cabildo.
Die lange Fassung ist interessanter.
Sechs Jahre, null Belege
Das Projekt hiess «Edificando un futuro — Centro Social en El Fondillo 2020». Die Kirche sollte das Geld in den Ausbau ihres Gemeindezentrums investieren und danach einen Abschlussbericht mit Bauabnahme vorlegen. Die Frist dafür: drei Monate nach Projektende, also ursprünglich bis Februar 2021.
Schon im Dezember 2020 bat die Kirche um Fristverlängerung — wegen Corona. Der Cabildo gewährte einen Monat, bis Ende März 2021. Im August 2021 reichte die Kirche Unterlagen ein. Der Cabildo brauchte eineinhalb Jahre, um sie zu prüfen, und stellte im März 2023 fest: unvollständig. Im Juli 2024 kam ein weiteres Schreiben — der Abschlussbericht der Bauarbeiten fehlt immer noch.
Zwischendurch fiel dem Cabildo auf, dass die Kirche Geld in Posten ausgegeben hatte, die im ursprünglichen Budget nicht vorgesehen waren — 42.608 Euro für Pläne und Erweiterungsarbeiten, für die keine Projektänderung beantragt worden war.
Im Oktober 2024 leitete die Consejería de Presidencia das Rückforderungsverfahren ein. Mit Verzugszinsen: 205.588,83 Euro. Freiwillige Zahlungsfrist: 20. April 2025. Die Kirche zahlte nicht.
Was danach passierte — in Zeitlupe
Was folgte, war eine Choreografie aus Einsprüchen, verpassten Fristen und Zustellungen, die niemand abholte. Die Kurzfassung der Kurzfassung:
Die freiwillige Zahlungsfrist verstrich im November 2025. Am 23. Januar 2026 erging die Zwangsvollstreckungsanordnung. Die Kirche legte Widerspruch ein — mit dem Argument, die Zahlungsaufforderung sei nicht zugestellt worden. Der Widerspruch wurde abgewiesen, weil die Zustellung am 28. November 2025 aktenkundig war. Am 12. März beantragte die Kirche Aussetzung des Verfahrens und Ratenzahlung. Valora, das Steuer- und Vollstreckungsorgan des Cabildo, verlangte Sicherheiten. Die Kirche bot eine Immobilie an. Der Cabildo setzte eine Frist zur Nachreichung der Unterlagen. Die Frist verstrich. Am 15. April wurde der Antrag archiviert.
Jetzt läuft die Pfändung — «hasta la completa satisfacción de la deuda, recargos, intereses y costas», wie es im Bescheid heisst.
Der Mann hinter der Kirche
Zum Zeitpunkt der Subventionsvergabe 2020 war Rafael Hernández Präsident der Iglesia Evangélica de Las Palmas. Er war gleichzeitig Pastor des Gemeindezentrums in El Fondillo, Präsident der COAG-Canarias (Coordinadora de Organizaciones Agrícolas y Ganaderas, der kanarische Bauernverband) und Leiter der NGO «Oportunidades de Vida».
Die Consejería de Presidencia, die die Subvention bewilligte, wird von Teodoro Sosa geleitet. Im Regionalparlament kam es im Januar 2026 zu einem heftigen Wortgefecht zwischen Sosa und der PP-Rätin Pepa Luzardo, die den Fall vor den Tribunal de Cuentas gebracht hatte. Sosa warf Luzardo vor, ihn ungerechtfertigt angezeigt zu haben. Luzardo fragte, wie viele weitere Subventionen der Consejería bei Valora zur Zwangsvollstreckung liegen.
Die Subvention war eine sogenannte «subvención nominativa» — eine Direktzuweisung ohne Ausschreibung. Solche Zuwendungen sind auf den Kanaren legal, aber politisch umstritten, weil sie Ermessensspielraum lassen.
Was jetzt passiert
Der Cabildo pfändet. Die Kirche hat eine Immobilie — ihr Zentrum in El Fondillo —, die als lastenfrei gilt. Ob die Pfändung sich darauf erstreckt, geht aus dem Bescheid nicht hervor. Falls die Kirche nicht zahlt, kann der Fall in die gerichtliche Vollstreckung gehen.
Was nicht passiert: eine strafrechtliche Verfolgung wegen Subventionsbetrug. Dafür bräuchte es einen Vorsatznachweis, den der aktuelle Aktenstand nicht hergibt. Es gibt Schlamperei, verpasste Fristen und nicht nachgewiesene Ausgaben — aber keinen dokumentierten Beweis dafür, dass das Geld zweckentfremdet wurde. Allerdings fehlt auch der Beweis, dass es zweckgemäss verwendet wurde. Genau das ist das Problem.
Fragen und Antworten
Warum pfändet der Cabildo de Gran Canaria die Evangelische Kirche?
Die Iglesia Evangélica de Las Palmas hat eine Subvention von 177.802 Euro aus dem Jahr 2020 nicht ordnungsgemäss nachgewiesen und die Rückforderung von 205.588,83 Euro (inklusive Verzugszinsen) nicht beglichen. Nach Ablauf aller Fristen hat der Cabildo das Pfändungsverfahren über sein Vollstreckungsorgan Valora eingeleitet.
Wofür war die Subvention gedacht?
Für das Projekt «Edificando un futuro — Centro Social en El Fondillo 2020», den Ausbau des Gemeindezentrums der Evangelischen Kirche im Stadtteil El Fondillo von Las Palmas de Gran Canaria. Die Kirche hat den geforderten Abschlussbericht mit Bauabnahme nie vorgelegt.
Wer ist Rafael Hernández?
Rafael Hernández war zum Zeitpunkt der Subventionsvergabe gleichzeitig Präsident der Iglesia Evangélica de Las Palmas, Präsident der COAG-Canarias (kanarischer Bauernverband) und Leiter der NGO «Oportunidades de Vida». Er war Pastor des betroffenen Gemeindezentrums in El Fondillo.
Ist das Subventionsbetrug?
Der aktuelle Aktenstand zeigt keine strafrechtliche Verfolgung. Es gibt nicht nachgewiesene Ausgaben und fehlende Belege, aber keinen dokumentierten Vorsatznachweis. Das Verfahren bewegt sich auf der Ebene der verwaltungsrechtlichen Rückforderung und Zwangsvollstreckung, nicht auf der strafrechtlichen.
Was passiert als Nächstes?
Der Cabildo vollstreckt die Forderung über Valora. Die Kirche besitzt eine als lastenfrei bezeichnete Immobilie in El Fondillo. Falls keine Zahlung erfolgt, kann das Verfahren in die gerichtliche Vollstreckung übergehen.